Einheitliche Vorschriften

Landwirtschaftsminister Meyer stellt neues Weidemilch-Label vor

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Eine Kuh auf einer Weide

Elsfleth - Mit einem neuen Siegel sollen Verbraucher in Norddeutschland Weidemilch im Supermarkt besser erkennen können.

Mit dem Label „Pro Weidemilch“ können Molkereien künftig Milch auszeichnen, die mindestens an jedem dritten Tag im Jahr auf die Weide kommen. Die Milch mit dem Label soll zunächst im Norden verkauft werden, wie Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) am Sonntag in Elsfleth (Landkreis Wesermarsch) sagte. Ziel sei aber die bundesweite Verbreitung.

Ziel: Fünf Cent mehr pro Liter an die Erzeuger

Verbraucherschützer werten das Label als Fortschritt. Das runde Siegel mit der grasenden schwarz-bunten Kuh ist pilothaft bereits auf Frischmilchpackungen der Molkerei Ammerland bei der Supermarktkette Lidl zu sehen. 20 Organisationen aus Landwirtschaft, Politik, Wirtschaft und Umwelt-, Natur-, Verbraucher- und Tierschutzverbänden erarbeiteten gemeinsam Kriterien. Auch Schleswig-Holstein und Bremen gehören zum Bündnis.

Für die Weidemilch sollen Bauern auch mehr Geld erhalten. Das Ziel: Fünf Cent mehr pro Liter. Unter anderem müssen die Tiere mindestens an 120 Tagen und jeweils für mindestens sechs Stunden auf der Weide sein. Zudem müssen ganzjährige Bewegungsfreiheit sowie eine gentechnikfreie Fütterung gewährleistet sein. Die Einhaltung der Vorgaben soll vor Ort und unabhängig kontrolliert werden.

Bisher gibt es keine einheitlichen Regeln, was Weidemilch bedeutet

Bislang ist der Begriff Weidemilch laut Verbraucherzentrale nicht besonders geschützt. Die Projektkoordinatorin Lebensmittelklarheit beim Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv), Stephanie Wetzel, wertete die Entwicklung des Labels als Fortschritt: „Es gibt ja bereits Weidemilch im Supermarktangebot, aber mit ganz unterschiedlichen Kriterien. Für den Verbraucher kann ein Label mehr Klarheit bringen, wenn die dahinter stehenden Standards klar kommuniziert werden und möglichst viele Landwirte mitmachen“, sagte sie. ´

Wetzel sieht durchaus die Bereitschaft bei Verbrauchern, mehr zu zahlen: „Aber nur dann, wenn Qualitätsunterschiede aus Sicht der Verbraucher wirklich welche sind und auch gut transparent gemacht werden.“ Am Label arbeitete auch das Grünlandzentrum Niedersachsen/Bremen mit. „Das Bild von grasenden Kühen auf der Weide ist heute nicht mehr selbstverständlich“, sagte der Geschäftsführer des Zentrums, Arno Krause.

Verbraucherzentrale hofft, dass Landwirte die Minimal-Voraussetzungen übertreffen

Mit dem Label sollten Anreize und Rahmenbedingungen geschaffen werden, um Weidehaltung und Weideland als Kulturgut neben anderen Formen der Bewirtschaftung zu erhalten. Ob „Pro Weideland“ ein Erfolg wird, hängt davon ab, ob und wie viele Molkereien und Landwirte sich der Initiative anschließen.

Die Regelung 120/6 - also Weidehaltung an 120 Tage/je 6 Stunden - definiere das Minimum, betont Verbraucherschützerin Wetzel: „Das sind vier Monate. So lange kommen alle Kühe mindestens das Sommerhalbjahr über auf die Weide. Das ist mit Blick auf die Witterungsverhältnisse fast überall umsetzbar.“ Allerdings wünschen sich Verbraucher laut Wetzel mehr - nämlich, dass die Kuh möglichst das ganze Sommerhalbjahr, also fünf bis sechs Monate, auf der Weide steht. Wetzel gibt zu bedenken, dass auch an den 245 Tagen im Jahr, an denen die Milchkuh nach der „120/6“-Regelung nicht auf der Weide steht, die Milch als Weidemilch verkauft wird.

dpa

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