"Jede Pute jeden dritten Tag ein Antibiotikum“

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Der Einsatz von Antibiotika in der Tiermast ist bei Krankheiten von Tieren notwendig. Das Bundesinstitut für Risikobewertung fordert allerdings, ihren Einsatz auf das unbedingt notwendige therapeutische Maß zu beschränken.

Hannover - Nach einer ersten bundesweiten Erfassung der Behandlung von Masttieren mit Antibiotika sieht Niedersachsen Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) noch viel Verbesserungsbedarf.

„Die Zahlen sind sehr hoch und sehr erschreckend“, sagte der Minister der Deutschen Presse-Agentur. Vor allem die Putenhaltung in Niedersachsen gebe Anlass zur Sorge. „Im Schnitt bekommt jede Pute jeden dritten Tag ein Antibiotikum“, sagte Meyer. Bei den Hühnern sei es jeder sechste Tag.

„Wir sehen auch Zusammenhänge zwischen der Größe der Betriebe und der Tierdichte“, sagte Meyer. Ökobetriebe und Betriebe mit mehr Platz für Tiere hätten in der Regel weniger Krankheiten und damit weniger Medikamenteneinsatz.

„Wir nehmen uns vor, bei den Betrieben mit hohem Antibiotikaeinsatz anzuordnen, dass sie den Tieren mehr Platz geben“, sagte der Ressortchef. Bei den Rindern seien die Zahlen deutlich besser: 73 Prozent der Betriebe verzichteten auf Antibiotika. Erfasst werden Mastkälber, Mastrinder, Ferkel, Mastschweine, Mastputen und Masthühner.

Bis Ende März mussten die Betriebe in Deutschland ihre Zahlen zum Antibiotikaeinsatz an die Behörden melden - in Niedersachsen war es das Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves). Mehr als 21 000 Betriebe seien in Niedersachsen erfasst worden, 6000 davon hätten so viel Medikamente eingesetzt, dass sie bis zum 31. Juli einen Plan vorlegen müssen, wie sie den Antibiotika-Einsatz reduzieren wollen.

Es dürfe nicht allein darum gehen, die Menge zu verringern, sondern es müssten auch die Wirkstoffklassen in den Blick genommen werden, sagte Meyer. Ziel müsse sein, die für die Humanmedizin lebenswichtigen Reserveantibiotika in der Tierhaltung zu verbieten.

Seiner Ansicht nach gebe es keinen Zusammenhang zwischen der Betriebsgröße und der Tiergesundheit, sagte der Vorsitzende des Niedersächsischen Geflügelwirtschaftsverbandes, Friedrich-Otto Ripke. „Ich glaube, das hängt mehr vom Management ab, von der Betreuung der Herde, von der Verantwortung des Tierhalters, sich regelmäßig um den Bestand zu kümmern, als von der Anzahl der Tiere.“ Das nun angewendete Modell, das jedem Betrieb eine Kennzahl gibt, wo es im Vergleich mit anderem Höfen beim Antibiotikaeinsatz stehe, werde von den Geflügelhaltern begrüßt und unterstützt. „Die schlechtesten 25 Prozent müssen sich an diesem Durchschnitt messen und sich mit eigenen Maßnahmen und mit Unterstützung des Tierarztes verbessern“, sagte Ripke. „Besser geht es eigentlich nicht.“

„Das Antibiotikamonitoring ist dafür enorm wichtig und wird von der Branche sehr ernst genommen“, sagte auch der Geschäftsführer der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN), Torsten Staack. Das Monitoring sei eine sinnvolle Managementhilfe für die Tierhalter. Allerdings sollten alle Betriebe erfasst werden, nicht nur die Großen. Bei den Schweinehaltern seien etwa Betriebe mit weniger als 250 Schweinen von der gesetzlichen Meldepflicht zu ihren Antibiotikaeinsatz komplett ausgenommen. Eine realistische Einschätzung, ob die Betriebsgröße ein Faktor ist, lasse sich daher gar nicht ableiten.

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