Peinlicher Polizei-Fehler

LKA-Zeichner gibt zu: Bushido-Foto war Grundlage für Phantombild

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Die Ähnlichkeit der Phantomzeichnung (links) mit Rapper Bushido ist deutlich erkennbar. Jetzt bestätigt das LKA Niedersachsen, dass dieses Foto die Grundlage für die Zeichnung war.

Stade - Was am Donnerstag von der Netzgemeinde vermutet wurde, ist jetzt vom Landeskriminalamt Niedersachsen (LKA) bestätigt worden: Nach einem Raub ist das Fahndungsfoto auf Grundlage eines Bildes von Bushido erstellt worden.

„Die ersten Aussagen des Opfers zu markanten Tätermerkmalen dienten für den Polizeizeichner als Grundlage für eine Recherche im Internet, um entsprechende Bilder zu generieren“, teilt das LKA in Hannover auf Anfrage von kreiszeitung.de mit.

Das ist doch ein „fancy Filter“, der das Fahndungsfoto dem Rapper Ähnlichkeit verlieh, vermutete der Bildblog noch am Donnerstag. Nun gibt es Gewissheit. Das LKA erklärte zur Vorgehensweise des Zeichners: Bei der Internetrecherche „stieß er auf ein Bild von Bushido. Dieses Bild war für den Zeichner nun Grundlage für die Erstellung des später veröffentlichten Phantombildes“.

Zurück zur ursprünglichen Tat

Am Sonntag, 19. März, gegen 22.15 Uhr, kam es an der Bahnhofstraße in Buxtehude gegenüber des Stadthauses zu einem Überfall. Eine 33 Jahre alte Buxtehuderin war vom Bahnhof kommend auf dem Gehweg in Richtung Stadtmitte von zwei unbekannten Tätern festgehalten, durchsucht und bestohlen worden.

Am Mittwoch veröffentlichte die Stader Polizei nun ein Foto eines mutmaßlichen Täters mit folgender Beschreibung: Männlich, nicht älter als 30 Jahre, 1,90 bis 2 Meter groß, sportlich, schlank, südländisches Erscheinungsbild, kräftiger Vollbart. Außerdem habe der Mann gebrochen Deutsch gesprochen und ein dunkelrotes Basecap mit einem silbernen Button an der Unterseite der Schirms getragen. Dazu veröffentlichte die Polizei das Phantombild.

Bildblog weist auf Ähnlichkeit hin

Mehrere Medien veröffentlichten das Bild und baten ihre Leser und Follower um Hinweise zu dieser Person. Am Mittwoch lieferte der Bildblog dann eine überzeugenden Hinweis: Das ist doch ein Foto von Bushido.

„Gewisse Zweifel, dass er etwas mit dem Raubüberfall in Buxtehude zu tun hat, haben wir durchaus. Aber: Das auf dem Foto ist Bushido“, erklärt Autor Moritz Tschermak. Er beschreibt, dass beim genauen Blick sogar zu sehen sei, wo die Kette, die Bushido auf dem Original trägt, wegretuschiert worden sei.

Polizei widerspricht den Behauptungen zunächst

Ein Sprecher der Polizei in Stade widerspricht am Donnerstag jedoch dieser Behauptung: „Das Phantombild hat ein Zeichner des Landeskriminalamtes nach Angaben des Hauptopfers erstellt“, sagt Andre Janz von der Polizeiinspektion Stade auf Anfrage von kreiszeitung.de.

Es sei kein Foto des prominenten Rappers als Vorlage für dieses Bild genommen worden. Die Staatsanwaltschaft habe die Zeichnung zur öffentlichen Fahndung freigegeben. „Wenn es eine Ähnlichkeit zu dem Musiker gibt, dann mag das sein“, erklärt der Sprecher. Zurückgezogen werde die Grafik nicht, schließlich sei diese rechtlich einwandfrei.

Zum den aktuellen Ermittlungen zu dem Raubüberfall hat der Polizist aus ermittlungstechnischen Gründen keine Angaben gemacht. Auch die Frage, ob Bushido nun als Tatverdächtiger gelte, konnte der Pressesprecher nicht beantworten.

LKA: Bushido-Bild doch Grundlage

Jetzt gibt das LKA also zu, dass das Bushido doch die Grundlage für das veröffentlichte Fahndungsfoto gewesen ist. Ein peinlicher Fehler, zu dem die Behörde wenigstens steht. 

Gleichzeitig verweist der Sprecher ebenfalls darauf, dass weitere Einzelheiten mit Rücksicht auf das laufende Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Stade nicht genannt werden können.

Bushido nimmt es gelassen

Am Donnerstagnachmittag ist auch Rapper Bushido selbst auf das Fahndungsfoto gestoßen - und der Berliner bedankt sich sogar dafür bei den Polizisten. Er sieht die Grafik als Anregung.

Bei all der Aufregung bleibt abzuwarten, ob das Phantombild zur Ergreifung des mutmaßlichen Haupttäters führt.

jdw/jom

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