Impflicht oder nicht?

Landes-Kassenarztchef will Reiseverbot für Ungeimpfte

Schlechte Nachrichten für Ungeimpfte: Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung will Ungeimpften aufgrund der Corona-Lage die Urlaubsreisen verbieten.

Mainz – Peter Heinz, der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung in Rheinland-Pfalz, strebt ein klares Umdenken bei Ungeimpften an. „Die Nicht-Geimpften haben nicht die Freiheit, ihre Maske abzulegen. Sie dürfen nicht ins Stadion, nicht ins Schwimmbad und nicht ohne Maske im Supermarkt einkaufen. Und man darf Ungeimpften und jenen mit nur einer einfachen Impfung nicht mehr gestatten, in den Urlaub zu fahren“, forderte Heinz in der Samstag-Ausgabe der Rhein-Zeitung.

Landes-Kassenarztchef fordert Reiseverbot für Ungeimpfte

Im Hinblick auf die Entwicklung der Delta-Variante als dominierende Mutation eine Forderung, die nicht nur seiner Ansicht nach eine gewisse Berechtigung haben könnte. Martin Stürmer, Facharzt für Mikrobiologie in Frankfurt, beispielsweise spricht für klares Augenmaß aus, bei der Wahl des Urlaubsziels.

Reiseverbot für Ungeimpfte: Experte warnt vor Urlaubsreisen nach Großbritannien, Portugal und Spanien

Vor allem vor Urlaubsreisen nach Spanien, Großbritannien und Portugal warnt der Mikrobiologe*. „Wenn ich mir England und Portugal ansehe oder jetzt aktuell ganz Spanien: Das sind schöne Urlaubs­gegenden, aber dort verbreitet sich das Virus und deshalb würde ich nicht empfehlen, dorthin zu fahren“, sagte der Mediziner dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

„Man sollte genau hinschauen, wohin es geht“, befand der Virologe. „Und eben nicht unbedingt in ein Gebiet reisen, bei dem absehbar ist, dass es dort über kurz oder lang richtig krachen wird.“

Reiseverbot trotz negativem Corona-Test für Ungeimpfte

Selbst mit einem negativen Test dürften Ungeimpfte seiner Ansicht nach keine Urlaubsreise unternehmen: „Das Freitesten schützt ja nicht. Wer zum Beispiel auf eine Insel mit einem negativen PCR-Test fährt, kann sich dort sehr wohl anstecken, fährt wieder nach Hause und ist Virusträger.“

„Ohne Impfungen keine Freiheiten“ - Landeskassenarztchef forder massive Einschränkungen für Ungeimpfte (Symbolfoto).

„Wer Ungeimpften Freiheiten zurückgibt, verspielt die Chance, alle Menschen mit der Impfung zu erreichen“, fügte Heinz auch im Hinblick auf die einsetzende Impfmüdigkeit hinzu. Bremen beispielsweise zerstört Impfstoff von Astrazeneca, weil Impftermine sausen gelassen werden. Man müsse den Menschen verdeutlichen: „Ohne Impfung gibt es keine Freiheiten. Ohne diesen Druck werden wir die Menschen nicht überzeugen.“ Ungeimpfte seien eine Gefahr für die Gesellschaft und sollten daher nicht die gleichen Freiheiten wie Geimpfte genießen.

Impfprämien für Impfmuffel „absurd“ – Impflicht kommt einer „Bevormundung“ gleich

Impfprämien wie etwa kolportierte 500 Euro hält Heinz für „absurd“. Gleichzeitgig sprach er sich auch gegen eine Impfpflicht aus, da diese einer „Bevormundung“ gleichkäme. Darüber hinaus verdeutlichte er nochmals, dass seiner Ansicht nach Freiheiten, die man nur Geimpften gäbe, nicht mit einer versteckten Impfpflicht gleichzusetzen wäre, „sondern eine zwangsläufige Schlussfolgerung aus einer pandemischen Lage“.

Dennoch ist die Lage weiterhin ernst. Alleine die steigenden Inzidenzwerte haben veranlasst, dass Bremen bereits wieder über schärfere Corona-Maßnahmen nachdenkt. In anderen Bundesländern wird man sich sicherlich auch mit dem Thema beschäftigen, vor allem in Hinblick auf die Infektionszahlen.

Ärztekammerpräsidentin Wenker warnt vor „politischem Lockerungswettlauf“

Ärztekammerpräsidentin Martina Wenker hat angesichts der zunehmenden Ausbreitung der Delta-Variante des Coronavirus eindringlich vor zu großen Lockerungen gewarnt. „Der politische Lockerungswettlauf, den manche in Bund und Ländern derzeit veranstalten, ist aus medizinischer Sicht fatal. Vorsicht und Maßhalten sind weiter die Gebote der Stunde“, empfahl die Chefin der Interessenvertretung von mehr als 43 000 Ärzten in Niedersachsen der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ).

Vor allem Abstands-, Hygiene- und Maskenregeln sollte es weiterhin keine zwei Meinungen geben. Diese müssten strikt eingehalten werden. „Wie kann man sich nur ernsthaft vom Maskentragen verabschieden wollen, wenn die meisten Kinder voraussichtlich gar keine Chance auf eine Impfung bekommen werden?“, fragte die Fachärztin für Innere Medizin, Lungen- und Bronchialheilkunde. „Das Coronavirus wird uns noch sehr lange beschäftigen.“

Inzidenz in Deutschland steigt den vierten Tag in Folge

Die Sieben-Tage-Inzidenz bei Corona-Infektionen ist am vierten Tag in Folge angestiegen. Der Inzidenzwert befand sich bei 5,8 Neuinfektionen in sieben Tagen pro 100 000 Einwohner. Am Vortag stand er noch bei 5,5 und in der der Vorwoche bei 4,9. Das Robert Koch-Institut (RKI) erhielt von den deutschen Gesundheitsämtern die Meldung, dass binnen eines Tages 952 Corona-Neuinfektionen erfasst worden sind. Das liest sich aus den Aufzeichnungen vom Samstagmorgen heraus, die den Stand des RKI-Dashboards von 4:17 Uhr wiedergeben.

Zur Einordnung: In der vergangenen Woche hatte der Wert bei 671 Infektionsfällen gelegen.

Inzidenz in Niedersachsen: Fünf Kommunen mit Inzidenzwert von über 10

Die Sieben-Tage-Inzidenz ist auch in Niedersachsen den vierten Tag nacheinander gestiegen. Laut Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) vom Samstag lag die durchschnittliche Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus je 100 000 Einwohner innerhalb von einer Woche zuletzt bei 5,1. Am Freitag hatte sie noch 4,9 betragen, am Dienstag hatte diese noch einen Wert von 3,7.

Die absolute Summe der registrierten Neuinfektionen war mit 90 fast doppelt so hoch wie am Freitag (57). Es wurden vier weitere Todesfälle gemeldet. Insgesamt starben in Niedersachsen bisher 5798 Menschen im Zusammenhang mit dem Covid-19-Virus.

In gleich fünf Kommunen lag die Sieben-Tage-Inzidenz am Samstag über der Schwelle von 10. Stade, Cloppenburg, Wolfsburg, Braunschweig und die Region Hannover müssen das neue Infektionsgeschehen wieder verstärkt ins Auge fassen.

Corona-Inzidenz in Deutschland: 35 Todesfälle im Zusammenhang mit Sars-Cov-2

Deutschlandweit gab nach den neuen Angaben binnen 24 Stunden 35 Todesfälle zu beklagen. Vor einer Woche waren es hingegen „nur“ 16 Tote gewesen. Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie verzeichnete das RKI 3.735.420 nachgewiesene Infektionen im Zusammenhang mit Sars-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden.

Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit 3.634.000 an. Die Zahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 verstarben, stieg somit auf 91.225. * kreiszeitung.de und merkur.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa | Moritz Frankenberg (Symbolbild kreiszeitung.de)

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

Hitzewelle im Anflug auf Europa: Diese Urlaubsländer trifft die Sahara-Wärme

Hitzewelle im Anflug auf Europa: Diese Urlaubsländer trifft die Sahara-Wärme

Hitzewelle im Anflug auf Europa: Diese Urlaubsländer trifft die Sahara-Wärme
Hochinzidenzgebiet Portugal: Reiseplan von Stephan Weil sorgt für Irritation

Hochinzidenzgebiet Portugal: Reiseplan von Stephan Weil sorgt für Irritation

Hochinzidenzgebiet Portugal: Reiseplan von Stephan Weil sorgt für Irritation
Gender-neutral: Kind wächst ohne Geschlecht auf – und wird „es“ genannt

Gender-neutral: Kind wächst ohne Geschlecht auf – und wird „es“ genannt

Gender-neutral: Kind wächst ohne Geschlecht auf – und wird „es“ genannt
Landkreis Rotenburg: Frau fährt Wolf tot

Landkreis Rotenburg: Frau fährt Wolf tot

Landkreis Rotenburg: Frau fährt Wolf tot

Kommentare