2,28 Millionen Test deutschlandweit

Labore am Limit: PCR-Tests sorgen für dauerhafte Belastung

Die Inzidenzen steigen und immer mehr Menschen wollen wegen Omikron einen PCR-Test. Das Ergebnis kann dauern und die Quarantäne verzögern.

Hannover/Bremen. Es werden immer mehr Corona-Infektionen und -durchbrüche in Niedersachsen und Bremen. Und immer mehr Männer und Frauen wollen einen PCR-Test. Der „Flaschenhals“ sind die Kapazitäten, denn jedes Labor kann nur eine bestimme Anzahl an Tests pro Tag durchführen. Ziel ist es, dass die Ergebnisse binnen 24 Stunden vorliegen. Verschiebt sich das Zeitfenster, können auch positive Fälle erst später ans Gesundheitsamt gemeldet werden. Dies führt dann zu Verzögerungen bei einer möglichen Quarantäneanordnung.

BundeslandNiedersachsen
Fläche47.614 km²
Einwohner7,982 Millionen (2019)
MinisterpräsidentStephan Weil (SPD)

In Niedersachsen übernehmen das Landesgesundheitsamt und die „Akkreditierten Labore in der Medizin“ (ALM) die Testungen. Wobei das Landesgesundheitsamt nach eigener Aussage nur einen sehr kleinen Teil abdeckt. Sie sind eher im Landesauftrag im Einsatz, dies sind beispielsweise JVAs. Den Löwenanteil übernehmen Privatlabore. Sie arbeiten länderübergreifend. Heißt: Proben aus Niedersachsen können auch in Hessen untersucht werden oder umgekehrt.

Corona PCR-Test: So ist die Situation in den Laboren

In der ersten Woche des neuen Jahres wurden bei den fachärztlichen Laboren in Deutschland rund 56 Prozent mehr SARS-CoV-2-PCR-Tests angefordert als noch in der Silvesterwoche, heißt es in einer Pressemitteilung der ALM. Die Auslastung der Testkapazität der Labore stieg wieder deutlich an und lag bundesweit bei 64 Prozent.

Für die laufende Woche wurde von den teilnehmenden Laboren eine SAR-CoV-2-PCR-Testkapazität von rund 2,28 Millionen Tests ermittelt (Zunahme von 4,7 Prozent zur Vorwoche). Zur Diskussion über Kapazitätsengpässe in den Laboren äußert sich Vorsitzender Dr. Michael Müller: „Die Belastung in den Laboren ist zwar erheblich, aber ich sehe keinen Grund für zu große Sorgen.“

Auslastung der Labore für PCR-Tests variiert in Niedersachsen

In Niedersachsen variiert die Auslastung der medizinischen Labore von Labor zu Labor. „Insbesondere hängt die Auslastung davon ab, ob auch Geräte, Reagenz und am wichtigsten das qualifizierte Personal zur Verfügung stehen. Durch dauerhafte Belastung sind die Geräte stark belastet und natürlich auch die Menschen stark angespannt“, sagt Dr. Jan Kramer auf Anfrage von kreiszeitung.de. Er ist Internist und Laborarzt sowie stellvertretender Vorsitzender der ALM.

Nach Einschätzung von Kramer erreichen die Labore langsam ihre Kapazitätsgrenze. „In Niedersachsen ist die Kapazität über alle Labore in etwa in der letzten Kalenderwoche mit 65 bis 70 Prozent ausgelastet. Da für medizinische Notfälle und Ausbruchssituationen genügend Möglichkeiten zur Sicherheit offen bleiben sollten, sollte eine Belastung über alle Labore nicht über 75 bis 80 Prozent hinausgehen.“

Labore in Bremen kommen an Grenze der PCR-Kapazitäten

In Bremen werden dagegen die PCR-Kapazitäten knapp. Das geht aus einem Schreiben des Krisenstabs an die Testzentren in der Stadt hervor, berichtet buten un binnen. Die Testzentren werden darin aufgefordert, bei einer roten Warnmeldung in der Corona-Warn-App erst einen Antigen-Schnelltest durchzuführen. Nur wenn dieser positiv anschlägt, soll ein PCR-Test gemacht werden. Ziel sei es, die Testkapazitäten nicht weiter zu belasten und die Tests zu priorisieren. Bisherige Erkenntnisse zeigen: Besonders bei geringerer Viruslast schlagen Antigentests, zu denen etwa Schnell- und Selbsttests gehören, oft nicht an.

Wenn es so weitergehe, komme es zur Überlastung bei der Testauswertung, glaubt Mariam Klouche, ärztliche Leiterin und Geschäftsführerin im Medizinischen Versorgungszentrum Bremen LADR. „Darum müssen wir priorisieren und zum Beispiel Krankenhauspatienten vorziehen. Die bekommen Ergebnisse tagesaktuell.“ Bei Kontaktpersonen dauert es 24 bis 48 Stunden. Aktuell gilt in Bremen Warnstufe 4.

Eine biologisch-technische Assistentin bereitet die Sequenzierung von positiven PCR-Tests in der PCR-Analytik im Labor vom Niedersächsischen Landesgesundheitsamt (NLGA) vor (gestellte Szene).

Dass PCR- und Antigentests unterschiedlich exakt sind, liegt an ihrer Funktionsweise. Bei PCR-Tests werde in komplexen Arbeitsschritten mithilfe eines speziellen PCR-Geräts das Erbmaterial des Erregers im Labor nachgewiesen, erklärt Martin Roskos vom Labor-Dienstleister Synlab Deutschland. Bei Antigentests werden Proteine, die charakteristisch für das Virus sind, nachgewiesen – durch Selbsttests oder Schnelltests, etwa zu Hause oder bei einer Teststelle. Auch eine laborbasierte Auswertung von Proben, die generell genauer sei als bei Selbst- oder Schnelltests, so Roskos, ist möglich.

Studienergebnisse geben Hinweise darauf, dass Antigentests bei Omikron frühe Infektionen übersehen könnten. Laut einer Studie eines Teams um Blythe Adamson (University of Washington) zeigte ein direkter täglicher Vergleich von PCR-Tests im Speichel und nasalen Antigentests bei einer Kohorte von 30 Menschen, dass letztere eine Omikron-Infektion oft erst wesentlich später erkannten. Die meisten Omikron-Infizierten waren demnach einige Tage lang infektiös, bevor dies durch Antigen-Schnelltests nachgewiesen werden konnte. Die Studie ist noch nicht in einem Fachjournal veröffentlicht.

Für diese Personen ist ein PCR-Test

Die nationale Teststrategie sieht kostenlose PCR-Tests für alle vor, die Symptome einer Corona-Erkrankung zeigen. Ein PCR-Test soll grundsätzlich immer erfolgen, wenn ein positiver Schnell- oder Selbsttest vorliegt. Gleiches gilt, wenn jemand direkten Kontakt zu einem Infizierten hatte. PCR-Tests kommen außerdem nach Ausbrüchen in Einrichtungen wie Schulen und Kitas sowie vor einer Aufnahme in Krankenhäuser oder Pflegeeinrichtungen zum Einsatz. (Mit Material der dpa) *kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Julian Stratenschulte/dpa

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