Unterrichtsausfall in Niedersachsen

Kultusminister Tonne hält an umstrittenen Lehrerabordnungen fest

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Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) hält an umstrittenen Lehrerabordnungen fest.

Hannover - Erstmals hat sich der neue Kultusminister zu einem Austausch mit den Bildungsverbänden in Niedersachsen getroffen. Dabei ging es unter anderem um Entlastungen von Lehrkräften und Schulleitungen. Der Gewerkschaft GEW und der FDP gehen die Vorschläge nicht weit genug.

An den Schulen in Niedersachsen werden auch im zweiten Halbjahr Lehrer „in erheblichem Umfang" an andere Schulen abgeordnet. Das kündigte Kultusminister Grant Hendrik Tonne am Donnerstag an. Ihm sei klar, dass dies eine große Zumutung und Belastung für alle Lehrkräfte sei, sagte der SPD-Politiker in Hannover. Genaue Zahlen konnte Tonne noch nicht nennen. „Wir stellen jetzt noch quasi täglich neue Lehrkräfte ein." Er hoffe, dass sich die Situation im Sommer normalisiere. 

Seine Vorgängerin Frauke Heiligenstadt (SPD) stand nach den Sommerferien in der Kritik, weil sie Hunderte Gymnasiallehrer kurzfristig zum Aushelfen an Grundschulen geschickt hatte. Dort hatten mehr als 150 Stellen nicht besetzt werden können. 

„Gymnasien an ihrer Schmerzgrenze"

Das neue Halbjahr startet nach den Zeugnisferien am 5. Februar, bis zu diesem Tag hofft das Land auf Neueinstellungen. Vor Weihnachten wurden die Gymnasien darüber informiert, wie viele Unterrichtsstunden sie gegebenenfalls abgeben müssen. „Selbstverständlich sind die Gymnasien auch an ihrer Schmerzgrenze", räumte der Minister ein. 

Nach Angaben des niedersächsischen Philologenverbandes muss an den Gymnasien derzeit in Einzelfällen Unterricht gekürzt werden oder er fällt sogar ganz aus. „Es betrifft besonders die musischen Fächer, aber auch Erdkunde oder Religion", sagte Verbandschef Horst Audritz. Seit den Sommerferien wurden nach seinen Angaben 1600 Lehrkräfte von 260 Gymnasien an andere Schulen geschickt, davon knapp die Hälfte an Grundschulen. „Manche von ihnen wurden nur für Aufsichten eingesetzt", kritisierte er. So etwas soll laut Tonne im kommenden Halbjahr nicht passieren. 

Verwaltungsaufgaben abgeben

Bei einem Gespräch mit den Spitzen der niedersächsischen Bildungsverbände standen am Donnerstag auch Entlastungen für Lehrkräfte und Schulleitungen auf der Tagesordnung. So müssen sich vom 1. März an die Leiter von rund 1900 Grundschulen und kleinen Schulen im Land nicht mehr um die Formalitäten bei der Einstellung pädagogischer Mitarbeiter kümmern. „Das ist ein Zeitfresser", sagte der Minister. 

Verwaltungsaufgaben soll zunehmend zentral die Landesschulbehörde übernehmen. Die Bildungsgewerkschaft GEW begrüßte die Entlastung der Lehrer von Verwaltungstätigkeiten. Landeschefin Laura Pooth sagte: „Letztlich darf dieser Schritt jedoch keinesfalls die Novellierung der Arbeitszeitverordnung mit spürbaren Entlastungen für Lehrkräfte ersetzen." Andere Bundesländer bezahlten die Lehrer außerdem jetzt schon besser. 

Der Bildungsexperte der FDP-Fraktion im Landtag, Björn Försterling, bezeichnete die von Tonne vorgeschlagenen Entlastungen als "nichts anderes als ein Trostpflaster". Notwendig sei eine neue Arbeitszeitverordnung. "Auch bei der Bezahlung für alle Lehrer nach A 13 und damit einhergehend die Mindestbezahlung der Schulleiter nach A 14 sollten sich CDU und SPD an ihre Versprechen aus dem Wahlkampf erinnern", sagte der FDP-Abgeordnete. In diesem Jahr soll Kultusminister Tonne zufolge ein Zeitplan für weitere Schritte hinsichtlich der Arbeitszeit und des Gehaltsgefüges der Lehrkräfte erstellt werden. Konkrete Zusagen machte er aber noch nicht. 

 dpa

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