20 Mio. tote Küken allein Niedersachsen

Bundestag verbietet Kükentöten

Rund 20 Millionen Küken werden jedes Jahr allein in Niedersachsen getötet. Nun hat das Parlament ein Verbot erlassen. Doch es gibt auch Kritik.

Berlin – Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) spricht von einem „Meilenstein für den Tierschutz“. Nach jahrelangem Ringen hat der Bundestag nun ein Verbot erlassen, dass das massenhafte Töten männlicher Küken Anfang 2020 in Deutschland beenden soll. Über eine entsprechende Änderung im Tierschutzgesetz wurde am Donnerstagabend abgestimmt.

Deutsche Politikerin:Julia Klöckner
Partei:CDU
Derzeitiges Amt:Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
Geboren:16. Dezember 1972 (Alter 48 Jahre) in Bad Kreuznach

Dabei geht es um neue Verfahren, die vorsehen, das Geschlecht bereits im Ei zu erkennen und männliche Küken gar nicht erst schlüpfen zu lassen. Derzeit werden jährlich mehr als 40 Millionen männliche Küken kurz nach dem Schlüpfen routinemäßig getötet, weil sie keine Eier legen und nicht so viel Fleisch ansetzen. Allein in Niedersachsen, dem Hühner-Land Nummer eins*, sind es rund 20 Millionen Tiere.

Verbot der Kükentötung: Deutschland als weltweites Vorbild

Oft werden die Tiere mit Gas umgebracht, aber in der Praxis kommt auch das sogenannte „Küken-Schreddern“ zum Einsatz. Ab Anfang 2024 sollen dafür nur noch Methoden erlaubt sein, die frühzeitiger beim Brüten der Eier funktionieren. Das soll Schmerzen für den Embryo vermeiden.

Männlichen Küken werden in der Legehennenzucht vergast oder geschreddert. Doch damit soll ab 2022 Schluss sein.

„Damit sind wir weltweit Vorreiter“, sagte Klöckner. Um das Kükentöten jetzt rechtssicher verbieten zu können, seien Millionenbeträge in Spitzenforschung investiert worden. Brütereien stünden dadurch nun Alternativen zur Verfügung. „Damit zeigen wir, dass Tierschutz und Wirtschaftlichkeit zusammengeht“, betonte die Ministerin. „Wir lagern Tierschutzfragen nicht einfach ins Ausland aus, sondern bieten hier in Deutschland eine Lösung an. Dieses Modell wollen wir zum Exportschlager machen.“

Kritik am Verbot der Küken-Tötung

Doch genau vor diesem nationalen Alleingang warnt der FDP-Agrarpolitiker und niedersächsische Bundestagsabgeordnete Gero Hocker: „Zukünftig werden noch mehr Produkte aus dem Ausland in unseren Regalen landen. Einfluss auf die Produktionsbedingungen wie das Tierwohl verlieren wir dann immer mehr.“ Nötig sei ein EU-weites Verbot des Kükentötens.

Kritik gibt es auch vonseiten des Tierschutzbundes. Auch mit der Gesetzesänderung sei das Kükentöten in Ausnahmefällen weiter erlaubt – etwa, wenn die Küken an andere Raubtiere verfüttert werden, beispielsweise an Wildvögel. So könnte das Verbot unterwandert werden, befürchten die Tierschützer.

Niedersächsischer Landvolkverband: „Vorgaben überfordern uns“

Der niedersächsische Landvolkverband befürwortet das Vorhaben – allerdings sei die Zeit für die Umsetzung zu knapp. Ulrich Löhr vom Landvolk Niedersachsen gegenüber dem NDR: „Diese Vorgaben der Bundesregierung überfordern uns.“ Löhr betreibt selbst eine Hähnchenmastanlage.

Erst Mitte März hatten niedersächsische Betriebe mit der Vogelgrippe* zu kämpfen. 70.000 Tiere mussten notgeschlachtet werden.

Das lange überfällige Ende.

Deutscher Tierschutzbund über das geplante Verbot

Friedrich-Otto Ripke vom Verband der Geflügelwirtschaft befürchtet Wettbewerbsnachteile – gerade für kleinere Brütereien in Deutschland. Die nun geplanten Maßnahmen könnten ihre Existenz gefährden.

Der Tierschutzbund forderte zuletzt, das „lange überfällige Ende“ der Kükentötung nicht noch aufzuweichen, sondern endlich festzuschreiben. Im schwarz-roten Koalitionsvertrag steht ein Aus bis 2019. Ein echtes Mehr an Tierschutz könnten nur die Abkehr von der Hochleistungszucht und die Förderung von Zweinutzungshühnern bringen, erläuterte der Verband – dabei sollen weibliche Küken Eier legen, männlichen Küken werden zur Mast aufgezogen. * kreiszeitung.de und 24hamburg.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Transparenz-Hinweis: Nach dem Bundestags-Beschluss am Donnerstagabend, wurde der Artikel am 21. Mai 2021, um 10 Uhr, aktualisiert.

Rubriklistenbild: © Peter Endig

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