Nach Tod von zwei Leiharbeitern

Kritik an Leiharbeiter-Praxis hält an

Emden/Papenburg - Die Kritik an Dumpinglöhnen und am Missbrauch von Werkverträgen geht weiter. Die Meyer Werft will ihre Standards für Zulieferer ausweiten, nachdem zwei Leiharbeiter bei einem Wohnhausbrand starben.

Nach dem Tod von zwei Leiharbeitern der Papenburger Meyer Werft bei einem Hausbrand hält die Kritik an Dumpinglöhnen und Werkverträgen an. Die Meyer Werft verwies auf klare vertragliche Regelungen mit Lieferanten und Zulieferern, um Missbrauchsfälle zu verhindern. Die Werft werde jedoch ihre bisherigen Standards ausweiten und diesen Verhaltenskodex zum Bestandteil von Verträgen für Auftragnehmer machen, kündigte ein Sprecher am Mittwoch an.

In Emden wies der Geschäftsführer einer Personal-Leasing-Firma am Mittwoch Vorwürfe zurück, wonach die Bewohner des Papenburger Hauses unterbezahlt gewesen sein sollen. In Medienberichten war von sklavereiähnlichen Zuständen und Stundenlöhnen um drei Euro die Rede gewesen. Gegenüber dem NDR-Hörfunk beschrieb ein Papenburger Arzt katastrophale Zustände in dem später abgebrannten Haus. Rumänische Arbeiter würden zudem seit Jahren ohne ausreichenden Krankenschutz beschäftigt.

„Die Politik kann derartige Zustände nicht länger ignorieren“, sagte der Regionsvorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Markus Paschke. „Ähnlich wie bei den bekanntgewordenen Missständen in der Fleischindustrie sind das keine Einzelfälle einzelner Branchen mehr, sondern sie zeigen eine gängige Praxis in Deutschland auf.“ Das gelte unter anderem für den Einzelhandel.

Auch in anderen Wirtschaftszweigen seien Arbeitskräftevermittler tätig, die Männer und Frauen aus Südosteuropa mit skandalösen Unterkünften und Niedriglöhnen ausbeuteten, sagte in Hannover der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Stefan Klein. Er rief Landkreise und Gemeinden auf, ihre Hinweise auf Skandalunterkünfte zusammenzutragen und an das Land zu melden. „Wenn Parlament und Regierung dieser modernen Form von Sklaverei wirkungsvoll begegnen wollen, dann müssen wir wissen, wie groß das Ausmaß ist“, sagte Klein. dpa

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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