Was der Krieg mit einem Soldaten macht

„Wir wollten helfen“

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Die zwei Welten des Johannes Clair: Als Infanterist für spezielle Operationen im Einsatz in Nordafghanistan und zurück in Deutschland als junger Buchautor.

Seedorf - Von Michael Krüger. „Wir waren dort, um zu kämpfen. Wir wurden gedrillt, auf Menschen zu schießen. So wurde es uns gesagt, und so ist es gekommen.“ Das schreibt Johannes Clair. Er wollte als Soldat etwas bewegen in Afghanistan, in diesem „widersprüchlichen Land“.

Doch ist das überhaupt möglich? Warum setzt man als junger Mann sein Leben für ein abstraktes Ziel aufs Spiel? „Es ist doch scheißegal, ob das hier richtig oder falsch ist, weil das sowieso niemand sagen kann“, heißt es im Buch des 27-Jährigen. Wir haben trotzdem nachgefragt.

Bilder zum Buch "Vier Tage im November“

Johannes Clair, Autor des Buchs „Vier Tage im November“, war als Infanterist für spezielle Operationen Stabsgefreiter in einer Fallschirmjägerkompanie und Teil der Task Force Kunduz. Sein „Golf-Zug“ löste die Kameraden aus der Heimatkaserne Seedorf (Kreis Rotenburg) ab, die bei einem Gefecht im Unruhedistrikt Char Darah am Karfreitag 2010 drei Opfer zu beklagen hatten. © Econ Verlag / privat
Johannes Clair, Autor des Buchs „Vier Tage im November“, war als Infanterist für spezielle Operationen Stabsgefreiter in einer Fallschirmjägerkompanie und Teil der Task Force Kunduz. Sein „Golf-Zug“ löste die Kameraden aus der Heimatkaserne Seedorf (Kreis Rotenburg) ab, die bei einem Gefecht im Unruhedistrikt Char Darah am Karfreitag 2010 drei Opfer zu beklagen hatten. © Econ Verlag / privat
Johannes Clair, Autor des Buchs „Vier Tage im November“, war als Infanterist für spezielle Operationen Stabsgefreiter in einer Fallschirmjägerkompanie und Teil der Task Force Kunduz. Sein „Golf-Zug“ löste die Kameraden aus der Heimatkaserne Seedorf (Kreis Rotenburg) ab, die bei einem Gefecht im Unruhedistrikt Char Darah am Karfreitag 2010 drei Opfer zu beklagen hatten. © Econ Verlag / privat
Johannes Clair, Autor des Buchs „Vier Tage im November“, war als Infanterist für spezielle Operationen Stabsgefreiter in einer Fallschirmjägerkompanie und Teil der Task Force Kunduz. Sein „Golf-Zug“ löste die Kameraden aus der Heimatkaserne Seedorf (Kreis Rotenburg) ab, die bei einem Gefecht im Unruhedistrikt Char Darah am Karfreitag 2010 drei Opfer zu beklagen hatten. © Econ Verlag / privat
Johannes Clair, Autor des Buchs „Vier Tage im November“, war als Infanterist für spezielle Operationen Stabsgefreiter in einer Fallschirmjägerkompanie und Teil der Task Force Kunduz. Sein „Golf-Zug“ löste die Kameraden aus der Heimatkaserne Seedorf (Kreis Rotenburg) ab, die bei einem Gefecht im Unruhedistrikt Char Darah am Karfreitag 2010 drei Opfer zu beklagen hatten. © Econ Verlag / privat
Johannes Clair, Autor des Buchs „Vier Tage im November“, war als Infanterist für spezielle Operationen Stabsgefreiter in einer Fallschirmjägerkompanie und Teil der Task Force Kunduz. Sein „Golf-Zug“ löste die Kameraden aus der Heimatkaserne Seedorf (Kreis Rotenburg) ab, die bei einem Gefecht im Unruhedistrikt Char Darah am Karfreitag 2010 drei Opfer zu beklagen hatten. © Econ Verlag / privat
Johannes Clair, Autor des Buchs „Vier Tage im November“, war als Infanterist für spezielle Operationen Stabsgefreiter in einer Fallschirmjägerkompanie und Teil der Task Force Kunduz. Sein „Golf-Zug“ löste die Kameraden aus der Heimatkaserne Seedorf (Kreis Rotenburg) ab, die bei einem Gefecht im Unruhedistrikt Char Darah am Karfreitag 2010 drei Opfer zu beklagen hatten. © Econ Verlag / privat
Johannes Clair, Autor des Buchs „Vier Tage im November“, war als Infanterist für spezielle Operationen Stabsgefreiter in einer Fallschirmjägerkompanie und Teil der Task Force Kunduz. Sein „Golf-Zug“ löste die Kameraden aus der Heimatkaserne Seedorf (Kreis Rotenburg) ab, die bei einem Gefecht im Unruhedistrikt Char Darah am Karfreitag 2010 drei Opfer zu beklagen hatten. © Econ Verlag / privat
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Johannes Clair, Autor des Buchs „Vier Tage im November“, war als Infanterist für spezielle Operationen Stabsgefreiter in einer Fallschirmjägerkompanie und Teil der Task Force Kunduz. Sein „Golf-Zug“ löste die Kameraden aus der Heimatkaserne Seedorf (Kreis Rotenburg) ab, die bei einem Gefecht im Unruhedistrikt Char Darah am Karfreitag 2010 drei Opfer zu beklagen hatten. © Econ Verlag / privat
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Johannes Clair, Autor des Buchs „Vier Tage im November“, war als Infanterist für spezielle Operationen Stabsgefreiter in einer Fallschirmjägerkompanie und Teil der Task Force Kunduz. Sein „Golf-Zug“ löste die Kameraden aus der Heimatkaserne Seedorf (Kreis Rotenburg) ab, die bei einem Gefecht im Unruhedistrikt Char Darah am Karfreitag 2010 drei Opfer zu beklagen hatten. © Econ Verlag / privat
Johannes Clair, Autor des Buchs „Vier Tage im November“, war als Infanterist für spezielle Operationen Stabsgefreiter in einer Fallschirmjägerkompanie und Teil der Task Force Kunduz. Sein „Golf-Zug“ löste die Kameraden aus der Heimatkaserne Seedorf (Kreis Rotenburg) ab, die bei einem Gefecht im Unruhedistrikt Char Darah am Karfreitag 2010 drei Opfer zu beklagen hatten. © Econ Verlag / privat
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Warum haben Sie das Buch geschrieben?

Johannes Clair: Ich wollte mich lösen von einer Bewertung des Afghanistan-Einsatzes. Mir ging es um die kritische Sicht des Soldaten. Um den Staub, die Hitze und das, was mir um die Ohren fliegt.

Warum wollten Sie Soldat werden?

Clair: Schon als Kind, ohne zu wissen, was das bedeutet, wollte ich zur Bundeswehr. Ich kann mich nicht erinnern, diesen Gedanken mal nicht gehabt zu haben.

Was bedeutet das Soldatentum für Sie?

Clair: Für mich stellt der Soldat jemanden dar, der schützt: diese Bürger und dieses Land. Dieser Beruf ist in Deutschland etwas Ehrenwertes, weil wir durch unsere problematische Vergangenheit eine kritischere Sicht auf das Tätigkeitsfeld der Soldaten haben.

Sie sind Fallschirmjäger und haben Höhenangst.

Clair: Das war Selbsttherapie. Hat aber nicht ganz geklappt. Jeder Sprung war die Hölle. Wenn ich recht überlege, war die Entscheidung auch Irrsinn. Ich habe die Konfrontation mit meiner Angst gesucht.

Sie sprechen vom Krieg in Afghanistan. Das war lange Zeit ein Tabu.

Clair: Auch bevor mein damaliger Dienstherr, Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, zum ersten Mal von Krieg gesprochen hat, war für uns Soldaten schon klar, dass es ein Krieg ist. Die Bundeswehr war dort seit 2001 immer an Kriegshandlungen beteiligt. Dass wir nur patrouillieren und Brunnen bauen, ist Blödsinn.

Und trotz der Kriegszustände wollten Sie freiwillig nach Afghanistan.

Clair: Von Dienstbeginn an habe ich mir die Frage gestellt, was ich als Soldat mache: Ich werde auch eingesetzt. Ich hatte keine Sehnsucht nach Krieg, ich wollte nicht in den Kampf. Ich habe mich nicht danach gesehnt, auf Menschen zu schießen oder dass auf mich geschossen wird. Aber da ich der Meinung war, dass wir dort etwas Sinnvolles tun, nämlich helfen, wollte ich auch dabei sein.

Spielt Geld bei so einer Entscheidung eine Rolle?

Clair: 110 Euro täglich steuerfrei zum Wehrsold sind es nicht wert, zu riskieren, bekloppt zu werden. Wenn ein Soldat sagt, er geht für das Geld hin, kann ich das nicht verstehen. Wenn ein Zivilist sagt, ihr macht es fürs Geld, macht mich das wütend.

Im Buch heißt es, sie wollten ihren „Urinstinkten nachgehen“. Rachegelüste?

Clair: Rache ist ein zu heftiges Wort. Es geht eher um Gerechtigkeit, weil etwas gegen deine Moralvorstellungen verstoßen hat. Uns ging es im Einsatz darum, das Karfreitagsgefecht auszugleichen. Wir wollten für den Tod von drei Kameraden jemanden zur Rechenschaft ziehen. Was nicht heißen soll, dass wir hingingen, um alle zu erschießen.

In Afghanistan erwartete Sie zunächst deutsche Bürokratie und ein mieses Klo.

Clair: Die Toiletten am Flughafen waren wirklich das Schlimmste, was ich in meinem Leben gesehen habe. Und der Betrieb im Feldlager gleicht halt einer deutschen Kaserne, da gibt es viele Vorschriften. Ein Kamerad wurde mit einem Gefechtsfahrzeug von den Feldjägern geblitzt: 2 000 Euro Strafe. Man darf auch nicht ohne Mütze herumlaufen. Der Müll wird streng getrennt, von den Afghanen abgeholt und auf einem Haufen zusammen verbrannt. Manche Regeln sind schlichtweg idiotisch.

Ist die Bundeswehr für den Afghanistan-Einsatz gerüstet? Sie schreiben, dass Sie sich ihren Kampfhelm selbst gekauft haben, weil das US-Modell besser ist.

Clair: In den zehn Jahren wurden viele schmerzhafte Erfahrungen gemacht. Die Bundeswehr ist sehr unflexibel, was die Kampferfahrung angeht. Wir mussten erst zehn Jahre in Afghanistan sein, um zu merken, dass wir wirklich in Gefahr sind und auch Artillerie-Unterstützung brauchen. Das Fehlen von geeigneten Hubschraubern, um Verwundete vom Schlachtfeld zu holen, ist ein Skandal.

Was die Bundeswehr in Afghanistan wirklich macht, wird in Deutschland kaum gesehen, bemängeln Sie.

Clair: Solange es nicht den eigenen Vorgarten betrifft, wollen sich viele Menschen mit diesem Thema nicht beschäftigen. Deutschland steuert auf so eine neue Art Biedermeier zu: Die Leute verkriechen sich, um ihren Teil zu bewahren.

Wissen die Soldaten denn, was Sie dort erwartet?

Clair: Viele nicht. Sie denken nicht drüber nach, was sie dort sollen.

Sie schreiben, Sie wollten jemandem „in den Arsch treten“. Aber wer ist denn überhaupt der Feind?

Clair: Das ist das größte Problem des Einsatzes: Das Feindbild ist nicht klar. Nur die Taliban? Das stimmt nicht. Jeder kann der Feind sein: Clanchefs, Warlords, Waffenschmuggler, korrupte Politiker.

Wie geht man als Soldat mit dieser unklaren Front um?

Clair: Wir machen unseren Job. Es geht immer nur ums Reagieren, wir können nie die ersten sein. Und das belastet wahnsinnig. Wir konnten nur darauf warten, dass es irgendwo knallt.

Bei der „Operation Halmazag“ lagen Sie vier Tage im Schützengraben und mussten kämpfen.

Clair: Ich hatte eine Scheißangst, die mich fast handlungsunfähig machte.

Die Schilderungen sind sehr ausführlich. Nur an einem Punkt bricht die Erzählung ab: „Es war der vierte Tag im November, als ich abdrückte.“

Clair: Ich wollte es offen lassen, was passiert ist. Weil nicht das Ereignis entscheidend ist, sondern die Entwicklung, die dahinführte. Trotz der Angst war ich wieder in der Lage, zu handeln. Dass ich auf Menschen geschossen habe, steht auch an anderen Stellen im Buch.

Haben Sie Menschen getötet?

Clair: Ich weiß nicht, ob ich jemanden erschossen habe. Wir haben nie Leichen gefunden, weil sie sofort beseitigt wurden. Der Gegner will seine Verluste immer verbergen. Ich habe in meinem Einsatz auch nur einmal einen Gegner gesehen, bevor der erste Schuss gefallen ist. Der Feind weiß ja, dass wir überlegen sind. Also operiert er aus dem Hinterhalt.

Ist diese Ungewissheit, dass man nicht weiß, ob man jemanden erschossen hat, von Vorteil?

Clair: Ich habe vor dem Einsatz die persönliche Entscheidung getroffen, dass ich bereit bin, auf Menschen zu schießen. Mir war klar, was das bedeutet: dass ich einem Menschen das Leben nehmen kann. Wenn jemand auf mich schießt, steht es außer Frage, dass ich zurückschieße. Oder dass ich zuerst schieße.

Auch wenn man gar nicht genau weiß, wer der Feind ist?

Clair: Das ist Krieg. Er bringt unglaubliche Grausamkeit über die Zivilbevölkerung. Wir Deutschen sind aber keine Aggressoren. Wir gehen da nicht hin mit dem Ziel, Menschen zu töten.

Im Buch heißt es „Ich sehnte mich nach dem ersten Kampf“, und als es dann soweit war: „Ich freute mich irrsinnig.“ Kann man sich über Krieg freuen?

Clair: Die Konfrontation beendet das lähmende Gefühl der Unsicherheit. Wochenlang passierte nichts. Irgendwas musste passieren. Nicht, weil ich mich nach dem Gefecht sehnte, sondern weil ich das furchtbare Gefühl des Wartens loswerden wollte. Als es soweit war, sorgte das Adrenalin über Stunden für Euphorie. Wie ein Drogenrausch. Angst gab es da nicht. Wir waren stolz auf unsere Arbeit und froh, heil da rausgekommen zu sein.

Darf man sich über den Tod anderer freuen?

Clair: Ich habe mich nie gefreut, wenn ein Feind gefallen ist. Das ist Blödsinn. Es gibt auf unserer Welt aber immer noch archaische Prinzipien, die zu solchen Dingen führen. Das müssen wir akzeptieren. Die Frage ist: Wie möchte ich leben, und was bin ich bereit, dafür einzusetzen?

Sie wollten „verstehen, was all diese Gewalt mit uns anrichtete“.

Clair: Krieg führt zu Verrohung. Soldaten stumpfen ab, auch wenn man sich noch so viele Gedanken macht. Das kann sich ganz stumpf ausdrücken: Kameraden sprachen bei Einheimischen immer von „Kuddeln“, ich empfand das als furchtbare Herabsetzung.

Haben Sie in Afghanistan etwas verbessert?

Clair: Zumindest im Kleinen. Indem ich einem Jungen einen Fußball geschenkt habe, habe ich einen Samen gesät, der vielleicht aufgeht. Das hat mir das Gefühl gegeben, etwas getan zu haben. Nach der „Operation Halmazag“ haben uns die Dorfbewohner wie Befreier empfangen. Das war greifbarer Fortschritt.

Würden Sie als Soldat mit heutigem Wissen nochmal nach Afghanistan gehen?

Clair: Ja. Es waren zwar teilweise schreckliche Erfahrungen, ich habe aber auch viel für mich persönlich mitgenommen. Politisch kann ich den Einsatz nicht bewerten. Ob wir etwas bewirkt haben, weiß ich nicht. Es gibt keine einfache Antwort. Aber wir hatten einen Grundsatz: Wir wollten helfen.

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