Gesundheit und Konsum

Neue Studie: Forscher führen Krebserkrankungen auf Alkohol zurück

Laut einer Studie sind weltweit rund vier Prozent der rund 741.000 Krebserkrankungen im Jahr 2020 möglicherweise auf den Alkoholkonsum zurückzuführen.

Lyon/Hannover – Nach der Einschätzung einer Expertenkommission könnten etwa vier Prozent aller im vergangenen Jahr erstmals festgestellten weltweiten Krebserkrankungen mit dem Konsum von Alkohol zusammenhängen. Das Team um Harriet Rumgay von der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) in Lyon präsentiert seine Studie im Journal „The Lancet Oncology“.

Stadt:Lyon
Staat:Frankreich
Bevölkerungsdichte:10.834 Einw./km²
Fläche:47,87 km²

Die Internationale Agentur für Krebsforschung ist eine Einrichtung der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Die Einrichtung mit Sitz im französischen Lyon ist in leitender sowie koordinierender Funktion für die Erforschung der Ursachen von Krebserkrankungen zuständig.

Personen mit „moderatem“ Trinkverhalten ebenfalls unter Betroffenen

Bei der Studie ging es um insgesamt rund 741.000 Fälle von Krebserkrankungen, die mit Alkoholkonsum verbunden sein könnten. In etwa drei Viertel dieser Fälle seien Männer betroffen. Unter den Diagnostizierten befänden sich zwar vor allem Menschen mit hohem Alkoholkonsum. In 14 Prozent der Fälle seien es jedoch auch Personen mit „moderatem“ Trinkverhalten gewesen – das entspreche 20 Gramm Alkohol pro Tag, also etwa zwei kleinen Gläsern Wein oder einem halben Liter Bier.

Etwa vier Prozent aller im vergangenen Jahr erstmals festgestellten weltweiten Krebserkrankungen könnten nach Einschätzung einer Expertenkommission mit dem Konsum von Alkohol zusammenhängen.

Nach Angaben der Studie beschädigt Alkohol die menschliche DNA und beeinflusst den Hormonhaushalt im Körper, was zu einer Krebserkrankung beitragen kann. Besonders häufig im Zusammenhang mit Alkohol seien Speiseröhren-, Leber- und bei Frauen auch Brustkrebs. In Australien wollen Krebsforscher kürzlich auch einen Zusammenhang zwischen einer Virusinfektion und Prostatakrebs* entdeckt haben.

Krebsgesellschaft nennt Alkohol als einen Risikofaktor für eine Krebserkrankung

„Alkohol ist ein Risikofaktor für einige Krebsarten, mehr aber auch nicht. Es gibt bestimmte Risikofaktoren, wodurch Krebs aber konkret verursacht wird, ist nicht nachvollziehbar. Auch Umweltfaktoren und genetische Veranlagung können einfließen“, sagt Carsten Pfeil, Sprecher der Niedersächsischen Krebsgesellschaft e.V.. Bei der Frage, wodurch Krebs verursacht wird, tappe man noch im Dunkeln. Auch die Studie nennt Alkohol als möglichen Grund, nicht aber in einem kausalen Zusammenhang zur Erkrankung.

Alkohol ist ein Risikofaktor für einige Krebsarten, mehr aber auch nicht. 

Carsten Pfeil, Sprecher der Niedersächsischen Krebsgesellschaft e.V.

Die Niedersächsische Krebsgesellschaft steht Patienten während, aber auch nach einer Krebserkrankung beratend zur Seite, leistet aber auch Aufklärungsarbeit. „Wir sind keine Mediziner, steigen daher auch nie tiefer in die medizinische Materie ein“, sagt Pfeil. Hauptaufgabe des Vereins sei die Beratung und Information in Form von Ausstellungen, Veranstaltungen, Broschüren, aber auch die Vermittlung an lokale Selbsthilfegruppen oder Ansprechpartner für medizinischen Rat findet statt. Eine Studie des Helios-Klinikums Berlin belegt, dass es allerdings während des Corona-Lockdowns im Frühjahr 2020 weniger Krebsbehandlungen* als zur gleichen Zeit 2019 gegeben hat.

Da Alkohol als einer von vielen Risikofaktoren gilt, gibt es auch keine konkreten Angebote für Patienten, deren Erkrankung in Zusammenhang mit Alkohol steht. „WIr beraten Patienten allgemein, die mit der Erkrankung psychisch schlecht umgehen können“, sagt Pfeil. Die Behandlungen werden besser, dennoch spiele immer auch die Todesangst mit rein. „Es gibt einige Krebsarten, wie Bauchspeicheldrüsen- oder Lungenkrebs, mit noch immer schlechten Prognosen“, sagt er.

Präventive Maßnahmen können persönliches Krebsrisiko verringern

Risikofaktoren spielen bei der Erkrankung eine Rolle. Aber auch Nichtraucher können an Lungenkrebs erkranken, wie Pfeil beispielhaft erklärt, „wobei aber 85 Prozent aller Lungenkrebs-Patienten Raucher sind“, ergänzt er. Die Kommission der Europäischen Union hat einen Kodex mit Regeln zur Krebsvorbeugung und Krebsfrüherkennung verabschiedet. Experten sind überzeugt, dass sich durch die Einhaltung dieser Regeln die Zahl der krebsbedingten Todesfälle deutlich senken lässt. „Verringern Sie Ihren Alkoholkonsum“ ist eine der aufgeführten Regeln.

Die Europäische Union hat einen Kodex mit zwölf Regeln zur Krebsvorbeugung und Krebsfrüherkennung verabschiedet. Damit soll das Risiko zu erkranken verringert werden.

„Die zwölf Regeln gegen den Krebs sind eine grobe Richtlinie. Wenn man sich an diesen Kodex hält, soll das persönliche Krebsrisiko um 50 Prozent gesenkt werden können. Das ist relativ sicher, wissenschaftlich belegt“, so Pfeil. Die restlichen 50 Prozent hingen mit anderen Faktoren, wie Umwelteinflüssen, genetischer Vorbelastung oder auch mit Berufen zusammen, bei denen mit krebserregenden Stoffen gearbeitet wird.

Die zwölf Regeln gegen den Krebs sind eine grobe Richtlinie. 

Carsten Pfeil, Sprecher der Niedersächsischen Krebsgesellschaft e.V.

Nach Angaben des Epidemiologischen Krebsregisters Niedersachsen (EKN) waren in den Diagnosejahren gemittelt pro Jahr 26.036 Männer und 23.200 Frauen von einer Neuerkrankung betroffen. Insgesamt also 49.236 Menschen. Die Niedersächsische Krebsgesellschaft zählt neben Beratung und Information auch die Unterstützung von Forschungsprojekten sowie Förderung als ihre Aufgaben. Jährlich vergibt sie daher auch einen Förderpreis an betreuende Angebote wie Initiativen oder Selbsthilfgruppen, die die Verbesserung der allgemeinen Umstände betroffener Personen im Blickfeld haben. Im vergangene Jahr ging dieser Preis mit dem jährlichen Bewerbungsschluss am 30. September an ein Sportprojekt der Uni Göttingen, das krebskranke Kinder unterstützt.

Deutschlandweit rund vier Prozent diagnostizierter Krebserkrankungen in Zusammenhang mit Alkohol

In Deutschland standen den Berechnungen in der Studie zufolge im vergangenen Jahr etwa 21.500 erstmals diagnostizierte Krebserkrankungen im Zusammenhang mit dem Konsum von Alkohol. Das sei ebenfalls ein Anteil von vier Prozent. Besonders hoch lag der geschätzte Anteil unter anderem in Osteuropa und Ostasien mit etwa sechs Prozent. Die geringste Rate hatten Nordafrika und Westasien.

Die Studie arbeitete mit geschätzten Werten. Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Alkoholkonsum sowie gemeldete Krebserkrankungen gingen daher nicht mit in die Ergebnisse ein. Mit Material der dpa. kreiszeitung.de, merkur.de und hna.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © picture alliance / Bernd Wüstneck / dpa

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