Bestand verdoppelt

Kraniche breiten sich weiter aus

Feuchte Landschaften sind ihr Metier: Kraniche haben ihren Bestand in Deutschland in 15 Jahren verdoppelt. Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Brandenburg sind Hochburgen des Vogels.

Karow - Von Winfried Wagner. Der Graukranich breitet sich in Deutschland weiter aus. Etwa 10.000 Brutpaare wurden zuletzt in Deutschland gezählt - etwa doppelt so viele wie noch vor 15 Jahren. In seinem Hauptbrutgebiet wird der Großvogel aber durch Trockenheit auf harte Proben gestellt, wie Wolfgang Mewes vom Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Kranichschutz Deutschland am Samstag auf dem Jahrestreffen der Kranichbetreuer Mecklenburg-Vorpommerns in Karow bei Ludwigslust erklärte. „In Westeuropa wurden inzwischen 55 Brutpaare in den Niederlanden und Frankreich beobachtet“, sagte Mewes. Damit habe sich die Verbreitungsgrenze stark nach Westen verschoben.

Den majestätischen Vögeln komme zu Gute, dass sie ihre Lebensweise den landschaftlichen Strukturen anpassten und dies ihren Jungen auch schnell beibrächten. Die hohe Fortpflanzung sorge seit Jahrzehnten für wachsende Bestände, zudem greife der internationale Schutz. Viele Kraniche überwinterten bei milderen Wintern immer weiter nördlich und sparten so Kräfte.

Mit rund 5.000 Brutpaaren zieht die Hälfte der in Deutschland heimischen Kraniche in Mecklenburg-Vorpommern ihre Jungen auf. Es folgen Brandenburg (2750), Niedersachsen (1.500), Sachsen-Anhalt (660), Schleswig-Holstein (550) und Sachsen mit rund 300 Brutpaaren. In Nordrhein-Westfalen wurden bisher 17 brütende Paare, in Thüringen acht und in Bayern 21 Paare registriert. „Darunter sind in Sachsen und Bayern auch Brutpaare, die auf 600 Metern Höhe im Osterzgebirge und auf 500 Metern Höhe im Alpenvorland brüten“, erklärte Mewes. Einige Kraniche seien aus der sächsischen Oberlausitz nach Tschechien übergesiedelt, andere aus dem Westen Tschechiens nach Bayern.

Doch die außergewöhnliche Trockenheit des Sommers 2018, dessen Niederschlagsmangel im Osten Deutschlands bisher nicht ausgeglichen werden konnte, werde die Kraniche 2019 auf eine harte Probe stellen, erläuterte Mewes. „Durch lange Trockenheit sind im Nordosten viele Feuchtgebiete, in denen die Großvögel Nester haben, noch trocken.“ Das werde für weniger Nachwuchs als bisher sorgen. Kraniche brüten in Brüchen und Söllen, weil sie dort Schutz vor Feinden, wie Füchsen, Waschbären oder Wildschweinen haben. Bei trocken liegenden Nestern legten Kraniche meist gar keine Eier. Aber solch eine Art, die schnell lerne und eine stabile Population bildet, überstehe auch das, sagte Mewes.

Die Kraniche kamen Mitte der 1970er Jahre nach Angaben der Kranich-Experten in Deutschland nur noch östlich der Elbe mit etwa 800 Brutpaaren vor. Seither sei die Population langsam und stetig gewachsen. Über Schleswig-Holstein sei inzwischen auch Dänemark mit etwa 500 Brutpaaren komplett wieder von den Großvögeln besiedelt. Eine Sprecherin des bundesweiten Kranich-Informationszentrums Groß Mohrdorf (Vorpommern-Rügen) kritisierte Planungen für Windparks in der Friedländer Großen Wiese, die als bedeutendes Brut- und Rastgebiet für viele Zugvogelarten - darunter die Kraniche - gilt.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa-tmn

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