Solar- statt Öl-Raffinerie

Kraftstoff aus Sonne und Luft: Schweizer Innovation bereits industriereif

Ein Kraftstoff nur aus Sonnenstrahlen und Luft – die Entwicklung gelang jetzt Schweizer Forschern: Die Innovation ist als Treibstoff absolut CO2-neutral.

Zürich – Die Debatte um Kraftstoff ist momentan in aller Munde – nicht nur wegen des Klimawandels. Tankstellen geht aufgrund von dramatischen Lieferengpässen der Sprit aus und Strom, Tanken sowie Energie sollen diesen Winter noch richtig teuer werden*. Doch nun gibt es bezüglich Treibstoff auch gute Neuigkeiten: Schweizer Forscher waren in der Lage, einen Kraftstoff aus purem Sonnenlicht und reiner Luft und zu entwickeln – synthetisch und CO2-neutral! Dieser ist sogar schon reif für eine industrielle Anwendung.

Hochschule in Zürich, Schweiz:Eidgenössische Technische Hochschule Zürich
Adresse:Rämistrasse 101, 8092 Zürich, Schweiz
Gründung:1855, Schweiz
Präsident:Joël Mesot

Kraftstoff aus Sonnenstrahlen und Luft ist CO2-neutral und reif für die Industrie

Verantwortlich für diese revolutionäre Erfindung ist das Team um Aldo Steinfeld, Professor für Erneuerbare Energieträger an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH). Mit einer sogenannten Solarraffinerie haben die Forscher aus Zürich und Potsdam aus Sonnenlicht und Luft Kraftstoff hergestellt.

Dieser Treibstoff würde sich besonders für den Luft- und Schiffsverkehr als extrem brauchbar erweisen. Denn derzeit sind diese Fortbewegungsmittel dem Team zufolge für etwa acht Prozent der menschlichen CO2-Emissionen verantwortlich, mit steigender Tendenz. Kohlenstoff-neutraler Verkehr sei zwar durch Elektromotoren möglich, die dafür nötigen Batterien seien aber schon wegen ihres Gewichts für Langstreckenflüge ungeeignet, schreibt das Team im Fachjournal „Nature“ laut „n-tv“.

Nachhaltige Alternative: Kraftstoff aus Sonne und Luft von Schweizer Forschern

Deswegen machten sich die Forscher daran, eine weitere nachhaltige Alternative zu schaffen und bauten auf dem Dach eines ETH-Labors in Zürich eine kleine Solarraffinerie auf. Der Prozess der Entwicklung von synthetischem Kraftstoff passiert dabei in drei Schritten:

Eine Forschungsanlage auf dem Dach des ETH Zürich, die Kraftstoff aus Sonnenstrahlen und Luft gewinnt.

Als Erstes werden aus der Luft CO2 und Wasser gefiltert, diese gelangen in einen Solarreaktor im Fokus eines Parabolspiegels, welcher wiederum im Inneren des keramischen Reaktors eine Hitze von 1500 Grad Celsius erzeugt. Aufgrund der Hitze werden das Wasser und CO2 in eine Mischung aus Wasserstoff und Kohlenmonoxid umgewandelt, erklärt „n-tv“. Diese Synthesegase können am Ende als sogenannte „Drop-in-Treibstoffe“ anderen Kraftstoffen wie Benzin, Kerosin oder Methanol beigemengt werden.

Kraftstoff aus Sonne und Luft aktuell noch zu wenig produziert – Herstellung muss hochskaliert werden

Der große Vorteil des synthetischen Kraftstoffes liegt darin, dass die Drop-in-Treibstoffe bei der Verbrennung nur so viel Kohlendioxid freigeben, wie zuvor aus der Luft entnommen wurde. „Wir konnten die technische Machbarkeit der gesamten thermochemischen Prozesskette zur Umwandlung von Sonnenlicht und Umgebungsluft in Drop-in-Treibstoffe erfolgreich nachweisen“, bestätigt Steinfeld laut „n-tv“ und fährt fort: „Das Gesamtsystem arbeitet unter realen Sonneneinstrahlungsbedingungen stabil und dient uns als einzigartige Plattform für weitere Forschung und Entwicklung.“

Die Technik sei reif für den Transfer in die Industrie – aber einen Haken in dem perfekten Plan gibt es noch: In sieben Stunden (ein typischer Sonnentag) erzeugten die Forscher nur 32 Milliliter Methanol mit der Versuchsanlage. Zum Kontrast: Im Jahr 2019 hat die Luftfahrt global etwa 441 Milliarden Liter Kerosin verbraucht. Für einen praktischen Einsatz müsste das System dementsprechend hochskaliert werden.

Ein kleines Fläschchen mit dem Kraftstoff, den die ETH Zürich aus Luft und Sonne herstellt.

Bleiben Sie mit unserem Newsletter stets auf dem Laufenden – kostenlos mit einem Klick anmelden.

Kraftstoff von Schweizer Forschern benötigt politische finanzielle Unterstützung

Um den kompletten Bedarf der Flugindustrie zu decken, wäre Kalkulationen der Forscher zufolge eine Fläche von 45.000 Quadratkilometern nötig, das entspricht etwa 0,5 Prozent der Sahara oder den Flächen von Sachsen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein zusammen.

Bei der Produktion des Treibstoffs würde ein Liter im industriellen Maßstab den Forschern zufolge 1,20 bis zwei Euro kosten, berichtet „n-tv“. Als Produktionsorte erscheinen Wüstenregionen mit hoher Sonneneinstrahlung sinnvoll. Doch politische Unterstützung ist aufgrund der hohen anfänglichen Investitionskosten vonnöten. Die bestehenden Förderinstrumente der Europäischen Union würden nicht ausreichen, um die Marktnachfrage nach Solartreibstoffen zu fördern, äußert Ko-Autor Johan Lilliestam, Professor für Energiepolitik an der Uni Potsdam laut „n-tv“.

Aus dem Grund sollten den Forschern zufolge Fluggesellschaften dazu verpflichtet werden, einen Anteil ihres Treibstoffes aus solaren Quellen zu decken. Das würde Fliegen ihrer Meinung nach kaum teurer machen, aber den Aufbau von Produktionsanlagen ermöglichen. Einige Fluggesellschaften gehen jedoch bereits ihren eigenen Weg in dem Versuch, nachhaltigeres Fliegen möglich zu machen: Alaska Airlines entwickelt gerade ein Wasserstoff-Flugzeug mit einer Reichweite von 800 KilometernWasserstoff gilt nämlich als Benzin der Zukunft* – und Airbus lässt ein Testflugzeug mit altem Speiseöl fliegen. Sogar Elektroautos könnten bald der Vergangenheit angehören, da ein deutsches Unternehmen den Wasserstoffmotor revolutioniert. * kreiszeitung.de und 24hamburg.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © ETH Zürich/Alessandro Della Bella/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Meistgelesene Artikel

Lockdown sofort: Welche Corona-Maßnahmen bei explodierender Inzidenz kommen

Lockdown sofort: Welche Corona-Maßnahmen bei explodierender Inzidenz kommen

Lockdown sofort: Welche Corona-Maßnahmen bei explodierender Inzidenz kommen
Corona-Regeln im Supermarkt: Was im Dezember bei Aldi, Lidl, Edeka und Rewe gilt

Corona-Regeln im Supermarkt: Was im Dezember bei Aldi, Lidl, Edeka und Rewe gilt

Corona-Regeln im Supermarkt: Was im Dezember bei Aldi, Lidl, Edeka und Rewe gilt
Weihnachtshaus in Niedersachsen verzaubert im Advent mit 60.000 Lichtern

Weihnachtshaus in Niedersachsen verzaubert im Advent mit 60.000 Lichtern

Weihnachtshaus in Niedersachsen verzaubert im Advent mit 60.000 Lichtern
Tschüss, Elektroautos? Deutsches Unternehmen revolutioniert Wasserstoffmotor

Tschüss, Elektroautos? Deutsches Unternehmen revolutioniert Wasserstoffmotor

Tschüss, Elektroautos? Deutsches Unternehmen revolutioniert Wasserstoffmotor

Kommentare