Kommunalwahl in Niedersachsen

SPD-Kandidat Steffen Krach: „Region Hannover soll zum Vorbild werden“

Krach SPD-Bewerber für Regionspräsident Hannover
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SPD-Politiker Steffen Krach will Regionspräsident in Hannover werden. Und dafür hat er große Pläne: Hannover soll Vorbild für andere Kommunen sein. Aber wie soll das gelingen?

Hannover – Wer wird der neue Regionspräsident in Hannover? Diese Frage stellen sich zur Kommunalwahl in Niedersachsen am 12. September 2021 knapp 1,2 Millionen Menschen. Denn so viele Bürger leben in den 21 Kommunen der Region Hannover. SPD-Politiker Steffen Krach möchte der Nachfolger von Parteikollege Hauke Jagau werden. Der gebürtige Hannoveraner ist aktuell noch Staatssekretär für Wissenschaft und Forschung im Senat von Berlin. Nun will er allerdings zurück in seine alte Heimat. Warum er Regionspräsident werden möchte und welcher Politiker ihn von der SPD überzeugt hat, erzählt er im Gespräch mit www.kreiszeitung.de.

Im Live-Ticker zur Kommunalwahl in Niedersachsen berichtet kreiszeitung.de am Sonntag, 12. September 2021, über die aktuellen Entwicklungen, die Ergebnisse, die gewählten Bürgermeister und Landräte.

Name: Steffen Krach
Partei:SPD
Funktion: Kandidat als Regionspräsident Hannover
Geburtstag: 7. August 1979 (42 Jahre)
Seit 1998 engagieren Sie sich bereits politisch. Was hat Sie schon als Schüler an dem Arbeitsfeld fasziniert?
Eigentlich war ich schon immer politisch interessiert. So richtig politisiert wurde ich allerdings erst, als Gerhard Schröder (SPD) im Jahr 1998 zum Bundeskanzler gewählt wurde. Bis dahin kannte ich nur einen Kanzler: Helmut Kohl. Und mit seinem Regierungsstil war ich nicht zufrieden.
Welche Werte von Altkanzler Gerhard Schröder waren es am Ende, die Sie von der SPD überzeugten?
Pragmatismus gepaart mit dem Fokus auf sozialer Gerechtigkeit – das ist letztendlich ausschlaggebend für mich und beschreibt bis heute meinen Stil, Politik zu gestalten. Investitionen in Bildungspolitik sind dafür ein ausgezeichnetes Beispiel, denn darin liegt der Schlüssel zu einer gerechteren Gesellschaft. Der Bildungsweg darf niemals vom wirtschaftlichen Hintergrund, der Herkunft oder anderen diskriminierenden Faktoren abhängen.

Warum der Berliner SPD-Staatssekretär Steffen Krach neuer Regionspräsident in Hannover werden will

Von Berlin zieht es sie nun wieder in Ihre alte Heimat Hannover. Warum?
Der Schritt ist keine Entscheidung gegen Berlin, sondern ganz klar für Hannover. Auch in Berlin habe ich nie den Bezug zur Region Hannover verloren. Viele meiner Freunde und große Teile meiner Familie leben hier. Hannover und das Umland sind meine Heimat. Da ist es für mich nur klar, die Chance zu nutzen, die Region in der ich aufgewachsen bin, weiterzuentwickeln.
Ihr Lebensmittelpunkt war jetzt einige Jahre in Berlin. Ist der Blick von außen ein Vorteil oder vielleicht auch ein Nachteil für das angestrebte Amt?
Ich sehe das ganz klar als Vorteil. In Berlin habe ich sieben Jahre eine Verwaltung geführt und maßgeblich daran mitgewirkt, die Hauptstadt als Wissenschafts- und Forschungsstandort auszubauen. Diesen Ehrgeiz und die Erfahrung bringe ich nun mit in die Region Hannover. Sicher erwarten mich dort andere Aufgaben, aber genau darin liegt auch der Reiz.
Mit welchen konkreten neuen Erfahrungen kommen Sie nach Hannover zurück?
Zum Beispiel kenne ich die Rahmenbedingungen, die es braucht, um Unternehmen für eine Ansiedelung in der Region zu begeistern. In Berlin habe ich sehr dafür gekämpft, dass neue Institutionen sich für die Stadt als Standort entscheiden. In der Region Hannover müssen wir dafür zum Beispiel das Umland stärken, damit nicht alle Unternehmen nur in die Landeshauptstadt gehen. Dafür brauchen wir aber familienfreundliche Strukturen, flächendeckenden Nahverkehr und bezahlbare Wohnungen für die Fachkräfte. Dafür mache ich Politik.

Corona-Pandemie: Was muss die Region Hannover für Kinder und Jugendliche tun, Steffen Krach?

Viele sehen die Region Hannover einzig als Verwaltungsorgan. Aber eigentlich steckt ja noch viel mehr dahinter. Wie würden Sie das Konzept der Region Hannover einem Kind erklären?
Das ist gar nicht so einfach – und auch eine Herausforderung im Wahlkampf. Ich habe es mal versucht, meinen eigenen Kindern zu erklären, die sind vier und sieben Jahre alt. Mein Großer erzählt immer, dass ich der Chef von Hannover werden will. Ich würde es vielleicht so versuchen: Ganz viele Orte, die Nachbarn sind, haben sich überlegt, dass es ja viel einfacher wäre, wenn sie bestimmte Sachen zusammen entscheiden würden. Das ist wie beim Fußball: Einer alleine kommt nicht weit, aber zusammen kann man sogar Weltmeister werden. Richtig klar wird es allerdings auch so nicht. Umso wichtiger wird es nach der Wahl, das Konzept mit all seinen Vorteilen für die Bürger bekannter zu machen.
Auf Ihren Wahlplakaten zeigen Sie sich im Pullover, statt mit Krawatte – warum ist Politik auf Augenhöhe so wichtig?
Ich wurde auf keins meiner Plakate so häufig angesprochen wie dieses. Das Feedback war dabei überwältigend positiv. Unsere Plakatkampagne tut vor allem eins: auffallen. Und das freut mich sehr.
Kinder und Jugendliche haben in der Pandemie auf vieles verzichten müssen. Was muss die Region Hannover jetzt konkret für die junge Generation tun?
Ich selbst war drei Mal mit meinen Kindern in Quarantäne und weiß nur zu gut, wie herausfordernd die Coronavirus-Pandemie für Familien war – und auch weiterhin ist. Familien und Kinder leiden besonders unter den sozialen Langzeitfolgend der Pandemie. Deshalb wollen wir direkt nach der Wahl die ersten Maßnahmen anschieben. Dazu gehört Sprachförderung, kostenlose Nachhilfeangebote und Schnupperkurse, um die verlorene Lern- und Freizeit wieder in das Leben der Kinder zu integrieren. Besonders wichtig ist mir kostenloser Schwimmunterricht. Denn durch die Pandemie konnten deutschlandweit 1,5 Millionen Kinder nicht schwimmen lernen – und das ist schlicht gefährlich.

Klimaschutz, Digitalisierung, Bildung: SPD-Kandidat Steffen Krach will Hannover zur Nummer-1-Region machen

Digitalisierung ist das Gebot der Stunde. Wie sieht eine moderne Verwaltung im 21. Jahrhundert idealerweise aus?
Eine moderne Verwaltung sollte flexible Arbeitszeiten bieten und die Mitarbeiter flexibel nach ihren Fähigkeiten einsetzen. Außerdem gehören natürlich digitale Verwaltungsvorgänge und ein umfangreiches Bürgerangebot dazu. Verwaltung muss zudem in eine Vorbildfunktion für unsere Gesellschaft hineinwachsen. Statt zu sagen, dass etwas nicht ginge, müssen wir Wege finden, wie es möglich gemacht werden kann.
Klimaschutz ist das mit Abstand wichtigste Thema in diesem Wahljahr. Woran hakt es Ihrer Meinung nach aktuell noch am meisten in der Region?
Vor allem an der Geschwindigkeit. Wir haben ein klares Ziel: Klimaneutralität bis 2035 in der gesamten Region Hannover. Da folge ich strikt der wissenschaftlichen Expertise, denn unser Planet ist unsere Lebensgrundlage. Dafür müssen wir aber schneller werden im Ausbau von Erneuerbaren Energien und der Infrastruktur für Öffentliche Verkehrsmittel.
Gesundheit, Klimaschutz, Wirtschaft, Bildung – Hannover soll, wenn es nach Ihnen geht, die Region Nummer eins werden. Aber macht das nicht auch Druck?
Der Nummer-1-Gedanke meint nicht, dass die Region in allen Bereichen einsame Spitze werden soll. Das Ziel ist es viel mehr, dass die Region mit ihrem in Deutschland einmaligen Konzept ein Vorbild für andere Kommunen sein kann, wenn es um die Themen Mobilität, Innovation und Klimaschutz geht.

Wo steht die Region Hannover in fünf Jahren mit Ihnen, Steffen Krach?

Welche drei Baustellen in der Region wollen Sie als erstes angehen, wenn Sie gewählt werden?
Corona wird auch nach der Wahl weiterhin unseren Alltag beeinflussen. Deshalb werden wir als erstes die Hilfsangebote für Kinder und Jugendliche und das 365-Euro-Ticket für den Öffentlichen Nahverkehr auf den Weg bringen. Außerdem sollen die Konzepte für das große Ziel der klimaneutralen Region Hannover bis 2035 aufgestellt werden. Mir schwebt dazu auch ein Klimamonitoring vor Augen, also eine ständige Kontrolle unseres Fortschritts beim Erreichen der Klimaziele.
Wo steht die Region Hannover in fünf Jahren, wenn Sie gewählt werden?
Die Region wird sich positiv entwickelt und ein anderes Bild im Inneren und Äußeren haben. Die ersten Schritte zur Klimaneutralität sind gegangen und das 365-Euro-Ticket gilt deutschlandweit als Vorbild für bezahlbaren Nahverkehr. Ziel ist, dass die Region Hannover eine Modellfunktion in vielen Bereichen des Lebens einnimmt.

An den Kommunalwahlen in Niedersachsen wollen neben CDU, SPD, Grünen, FDP, der Linken und der AfD 20 weitere Parteien teilnehmen. *kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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