Bestandsmanagement unzulässig

Klöckner in der Kritik: Gezielte Wolfs-Abschüsse wären gegen EU-Recht

CDU-Politikerin Julia Klöckner forderte vor kurzem den gezielten Abschuss frei lebender Wölfe in Niedersachsen. Dafür hagelt es nun Kritik.

Hannover – Die Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, Julia Klöckner, hat am 21. Juni gefordert, Abschüsse von Wölfen zu erleichtern. Der gute Erhaltungszustand, so Klöckner, sei beim Wolf in einigen Bundesländern erreicht – darunter auch in Niedersachsen. „Deswegen setzen wir uns für ein regionales Bestandsmanagement ein“, so die CDU-Politikerin.

Tierart Wolf
Bestand in Niedersachsen250 bis 300
Wolfsrudel in NiedersachsenMindestens 30
Bestand in Deutschland (2020)rund 1300

Für diese Äußerungen hagelte es jedoch scharfe Kritik vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit: „Wer ein ‚regionales Bestandsmanagement‘ wie Frau Klöckner fordert, führt die Betroffenen in die Irre und erzeugt Erwartungen, die die Politik allein deswegen schon nicht erfüllen kann, weil sie EU-rechtswidrig wären.“

Astrid Scharf, Pressesprecherin Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit, verrät: „Der Erhaltungszustand des Wolfes wird alle sechs Jahre nach den Vorgaben der europäischen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinien) für alle Arten und Lebensraumtypen ermittelt“. Die Bewertung erfolge demnach entsprechend der Vorgaben der EU in Bezug auf ganz Deutschland und nicht einzelne Bundesländer: „Die von Bundeslandwirtschaftsministerium Klöckner geäußerte Bewertung zum Erhaltungszustand in Niedersachsen existiert so nicht.“

Kein offizieller Erhaltungszustand für Wölfe in Niedersachsen

Dabei wurde der Erhaltungszustand des Wolfes in der atlantischen biogeografischen Region Deutschlands 2019 als „ungünstig-schlecht“ bewertet: „Dem hat auch das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) zugestimmt“, so Scharf.

Setze sich die positive Entwicklung der Wolfspopulation aufgrund des Schutzregimes auch langfristig fort und erfolgt diese Entwicklung auch bei den Parametern „Verbreitung“, „Habitat“ und „Zukunftsaussichten“, sei eine zukünftige Verbesserung des Erhaltungszustands zum nächsten FFH-Bericht möglich. Die von Bundeslandwirtschaftsministerium Klöckner geäußerte Bewertung zum Erhaltungszustand in Niedersachsen existiert so nicht.

Gezielte Abschüsse von Wölfen sind laut dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit unzulässig.

Ein Bestandsmanagement in dem Sinne, dass eine bestimmte Anzahl von Wölfen unabhängig vom Vorliegen der Ausnahmevoraussetzungen nach der FFH-Richtlinie abgeschossen würde, sei auch bei günstigem Erhaltungszustand unvereinbar mit der FFH-Richtlinie. Auch dann müssten weiterhin Schutzmaßnahmen getroffen werden: „Der Vorstoß von Ministerin Klöckner erstaunt daher“, so Scharf. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © dpa/Sina Schuldt

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