Wissenschaftler machen Entdeckung

Gletscher schmelzen immer schneller - Simulation zeigt Bedrohung

Luftaufnahme zeigt den am längsten und am schnellsten fließenden Gletscher der Antarktis, den Pine-Island-Gletscher.
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Der Pine-Island-Gletscher schmilzt. Bis Ende des Jahrhunderts könnte allein dadurch der Meeresspiegel um zwei Zentimeter steigen, in 200 Jahren sogar um fünf. (Archivbild)

Der Pine-Island-Gletscher schmilzt. Bis Ende des Jahrhunderts könnte allein dadurch der Meeresspiegel um zwei Zentimeter steigen, in 200 Jahren sogar um fünf.

Ellsworthland/Seattle – Der Klimawandel bedroht unser aller Leben*. Das Zwei-Grad-Ziel* beschreibt das Ziel der internationalen Klimapolitik, die globale Erwärmung auf weniger als zwei Grad Celsius bis zum Jahr 2100 zu begrenzen – im Vergleich zum Zeitalter vor der Industrialisierung. Die Folge, wenn dies nicht gelingt: Die Gletscher schmelzen unter anderem weiter und erhöhen damit den Meeresspiegel. Gerade Regionen in Küstennähe – wie beispielsweise Niedersachsen, Bremen oder Hamburg – werden dadurch in den kommenden Jahrzehnten noch viele Aufgaben zu bewältigen haben.

Eisstrom in Westantarktika:Pine-Island-Gletscher
Lage:Ellsworthland, Westantarktika
Länge:250 Kilometer
Fläche:162.300 Quadratkilometer
Eisdicke:⌀ 2 Kilometer

Da kommt die Entdeckung amerikanischer Wissenschaftler zur Unzeit: Sie stellten jüngst laut einem Beitrag im Fachjournal „Science Advances“ fest, dass in den kommenden 200 Jahren allein der Pine-Island-Gletscher in der Antarktis gut fünf Zentimeter zur Erhöhung des weltweiten Meeresspiegels beitragen könnte. Bis zum Ende des Jahrhunderts könnten es so womöglich bereits zwei Zentimeter sein, schreiben die Forscher in ihrem Fachbeitrag in dem Journal. Bereits vor rund zehn Jahren stellte die Nasa einen langen Riss in dem Gletscher fest*.

Pine-Island-Gletscher schmilzt: Für rund 40 Prozent des Eisverlustes in der Westantarktis verantwortlich

Derzeit mache das Abschmelzen des Pine-Island-Gletscher in der Westantarktis rund 40 Prozent des Eisverlustes aus. Dieses Gebiet ist laut dem Forscherteam um Ian Jourghin von University of Washington in Seattle besonders stark von der Abschmelze betroffen.

Der Pine-Island-Gletscher schiebt Eis in die Amundsensee im Westen der Antarktis. Dort gibt es Windmuster, die sich im Laufe von Jahrzehnten ändern und die mal mehr, mal weniger warmes Tiefenwasser zu den Mündungsgebieten von Gletschern treiben. Daraus resultierten erhebliche Unsicherheiten in den Vorhersagen des Beitrags der Antarktis zur Meeresspiegelhöhe, erläutern die Wissenschaftler.

Um trotzdem eine Vorhersage hinzubekommen, simulierte das Team von Joughin mithilfe eines Computermodells das Abschmelzen des Gletschers für die kommenden 200 Jahre. Dies anhand von Messdaten aus dem Jahr 2017. Für Abschmelzraten von 57, 75, 100 und 125 Milliarden Tonnen Eis pro Jahr führten sie jeweils 30 Simulationen durch.

Pine-Island-Gletscher schmilzt: Modell könnte Berechnungen für Eisverluste in Zukunft vereinfachen

„Trotz der Komplexität des Modells sagt ein einziger Wert, der 200-Jahres-Durchschnitt der Schmelzrate, fast vollständig den Beitrag des Pine-Island-Gletschers zur Meeresspiegelhöhe in den kommenden 200 Jahren voraus“, so die Forscher. Diese Entdeckung könnte die Berechnung von künftigen Eisverlusten ähnlicher Gletscher sehr vereinfachen.

Möglicherweise ist dieser Zusammenhang der speziellen Form des Pine-Island-Gletschers geschuldet: Er wird aus einem großen Einzugsgebiet gespeist, ist aber wegen der Landschaftsform zum Meer hin relativ schmal. In der engen Stelle beschleunigt sich die Bewegung des Eises, so wie auch Wasser in engeren Passagen schneller fließt.

Wo der Gletscher auf das Meer trifft, ist das auf dem Wasser aufliegende Schelfeis ebenfalls verhältnismäßig schmal. „Während unsere Hypothese für einen Gletscher bestätigt wurde, gilt sie wahrscheinlich für andere Gletscher mit eng begrenzten Schelfen“, schreiben die Studienautoren. Das sollen weitere Untersuchungen klären.

Pine-Island-Gletscher schmilzt: Abschmelzen der Gletscher beschleunigt sich seit zwei Jahrzehnten

Joughin und Kollegen gehen davon aus, dass der Pine-Island-Gletscher und andere Gletscher in dieser Bucht der Amundsensee auch über 200 Jahre hinaus sehr viel Eis verlieren werden. Über mehrere Jahrhunderte hinweg könne dies zu einem vollständigen Zusammenbruch des westantarktischen Eisschildes führen.

Schon in den vergangenen zwei Jahrzehnten hat sich das Abschmelzen der Gletscher in der Antarktis und auf Grönland beschleunigt, berichteten Wissenschaftler im April 2021 im Fachblatt „Nature“. So brach beispielsweise 2018 ein rund 200 Quadratkilometer großer Eisberg von dem Gletscher ab*.

In den ersten fünf Jahren dieses Zeitraums seien es 227 Milliarden Tonnen Eis gewesen, in den letzten fünf Jahren 298 Milliarden Tonnen. Das weltweit schmelzende Gletschereis* habe etwa 21 Prozent oder 0,74 Millimeter pro Jahr zum beobachteten Anstieg des globalen Meeresspiegels beigetragen. * kreiszeitung.de, hna.de, fr.de und merkur.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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