Fall Daniel S.: Zeugin korrigiert Aussage

Falsches Alibi:„Ich hatte Angst“

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Christian (l) und Tobias S., die beiden Brüder des im März zu Tode getretenen 25 Jahre alten Daniel, nahmen am 10.09.2013 als Nebenkläger am Prozess gegen den mutmaßlichen Täter teil.

Verden - Von Martin Sommer. Ihren Auftritt vor dem Landgericht Verden hatten sich die beiden Freundinnen Annika L. (20) und Bianca H. (19) gänzlich anders vorgestellt.

Als Zeuginnen im Mordprozess um den Tod von Daniel S. am Kirchweyher Bahnhof im März dieses Jahres wollten sie so ziemlich gar nichts mitbekommen haben – außer, dass sich ihre beiden Begleiter, die Brüder Thahir und Shahid A., friedlich abseits des tödlichen Geschehens aufgehalten hätten. Das aber nahm ihnen gestern weder das Gericht noch die Verteidiger des Angeklagten Cihan A. ab.

Dieser hatte die befreundeten Brüder in der Tatnacht zum Bahnhof in Kirchweyhe bestellt, weil er auf der nächtlichen Busfahrt von einer Wildeshauser Disko nach Kirchweyhe „Stress“ mit anderen Reisenden hatte. Annika, Bianca, Thahir und Shahid kamen gerade von einer feucht-fröhlichen Disko-Tour aus Bremen. Am Kirchweyher Bahnhof stoppten sie ihr Auto nur wenige Meter hinter dem Disko-Bus. Bianca, Thahir und Shahid gingen in Richtung Getümmel, die Fahrerin Annika folgte ihnen im Abstand. Irgendwann drehte sich Bianca H. suchend nach ihrer Freundin um. Deshalb will Bianca von den Prügelszenen auf dem Bahnhofsvorplatz nichts mitbekommen haben. Und ihre Freundin Annika beteuert, dass ihre Begleiter Thahir und Shahid nicht in die tobende Massenschlägerei eingegriffen hätten.

Dabei hatten die Brüder sogar selbst der Polizei berichtet, sich in das Getümmel gestürzt zu haben – der eine, Sahid, um zu schlichten, der andere, Tahir, um seinen jüngeren Bruder zu suchen. Weil der Angeklagte Cihan A. allerdings einen der beiden beschuldigt, Daniel S. angegriffen zu haben, machen die Brüder von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch. Vor Gericht möchten sie nicht aussagen. Das überlassen sie den Mädchen – und die redeten sich gestern beinahe um Kopf und Kragen.

Als der Vorsitzende Richter Joachim Grebe die Zeugin Annika L. eindringlich ermahnte, angesichts der Widersprüche doch endlich wahrheitsgemäß auszusagen, brach die 20-jährige Krankenpflegerin in Tränen aus. Dann erklärte sie, dass sie Angst gehabt habe. „Vor wem?“, hakte der Richter nach. „Ich hatte Angst vor Cihan und seinem Bruder.“ – Raunen und spöttisches Lachen im Publikum. Anschließend rückte sie von der Darstellung, ihre Begleiter Thahir und Shahid A. auf dem Kirchweyher Bahnhofsvorplatz ununterbrochen im Auge gehabt zu haben, ab: „Ich hab‘ sie nicht die ganze Zeit gesehen.“ Und weshalb hatte sie ihren Freunden zuvor ein falsches Alibi gegeben? „Ich wollte sie nicht dadurch belasten, dass ich sie nicht mehr gesehen habe.“

Wahr sei aber, dass der Angeklagte Cihan A. irgendwann aus der Menge herausgestürmt kam, an ihr vorbeirannte und rief: „Scheiße, der ist tot!“

Ihre Freundin Bianca will den Satz auch gehört haben, erinnert sich aber nicht mehr an den Zeitpunkt. Präsenter ist der 19-jährigen angehenden Friseurin dagegen, wie sie sich anschließend mit dem Angeklagten Cihan sowie den Brüdern Thahir und Shahid auf dem Gelände eines Autohauses vor der Polizei versteckte. Da habe Cihan aggressiv gesagt: „Ich habe sein Leben gefickt.“

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