Ein Kiosk ohne Alkohol für Kunden mit Herz

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Vor einem Jahr hat der Sozialpädagoge Eberhard Eisold Hannovers einzigen alkoholfreien Kiosk eröffnet.

Hannover - Als eines Morgens um halb zehn vor dem Kiosk in Hannover ein großer Lastwagen anhält, und der Fahrer „zwei Flachmänner, bitte“ verlangt, staunt die Verkäuferin nicht schlecht.

„Ein Lastwagenfahrer trinkt Schnaps, und das auch noch um diese Uhrzeit?“, sagt Klara Meier (Name geändert). Doch schnell zieht der Durstige wieder ab, als er erfährt, dass der Kiosk gar keinen Alkohol verkauft: „Was seid ihr denn für ein Laden?“, ruft er und schlägt die Tür zu. Klara Meier, 50 Jahre alt und eine Lesebrille auf der Nase, steht hinter der Theke des Kiosks an der Brühlstraße. In der Auslage liegen Zeitschriften, Süßigkeiten und Eis. Bier und Schnaps sucht man vergeblich. Dabei hatte ein Kundenberater aus dem Großhandel vor der Eröffnung noch gesagt, der Alkohol beschere den Kiosken den Hauptumsatz, ohne Bier gehe nichts. Doch Eberhard Eisold ging es nicht um Umsatz, und er eröffnete vor etwa einem Jahr den einzigen alkoholfreien Kiosk in Hannover.

Den alkoholfreien Kiosk betreibt der Verein „Balance“, ein Reha-Projekt für psychisch kranke Menschen. Damit sie nach ihrer Krankheit einen Weg zurück in den Arbeitsmarkt finden, soll der Kiosk den Menschen Tagesstruktur und ein geschütztes Arbeitsumfeld bieten, sagt Sozialpädagoge Eberhard Eisold, der das Projekt leitet. Die Stadt ist eine Hochburg für Kiosk-Liebhaber. An fast jeder Ecke werden bis in die Nacht hinein Bier, Zigaretten und Zeitungen verkauft. Insgesamt 229 Kioske und Trinkhallen zählt die Stadtverwaltung in Hannover. „Die Tätigkeit ist überschaubar und nicht so kompliziert“, sagt Eisold. Dennoch hätten die Menschen Kontakt zu „echten“ Kunden und gingen verantwortlich mit den Einnahmen und den Waren um. Seine Verkäufer seien ehrlicher als Normalbürger, behauptet Eisold. „Wenn sie dem Laden drei Cent schulden, können manche nachts nicht schlafen.“

Weil einige der Kioskverkäufer vor ihrer Reha drogen- oder alkoholabhängig waren, ist beides im Kiosk streng verboten. Die Nachfrage nach Bier hält sich aber ohnehin in Grenzen, da der Kiosk nur vormittags geöffnet hat. „Ich habe noch nie negative Reaktionen erlebt, alle waren eher überrascht“, sagt Klara Meier. Den Hauptumsatz des Ladens machten Kaffee und Zigaretten aus.

Tobias Jungnickel hätte den alkoholfreien Kiosk wohl nicht angesteuert. Der 27-jährige Informatikstudent stand eines Nachts in Hannover auf der Straße und war auf der Suche nach einem kühlen Bier. So kam er auf die Idee, eine Internetseite zu programmieren, mit der man Kioske in seiner Nähe finden kann. So entstand der „Kioskguide Hannover“, der inzwischen 169 der 229 Kioske im ganzen Stadtgebiet verzeichnet. Eine interaktive Karte zeigt nicht nur die Standorte, sondern auch Bierpreise, Öffnungszeiten und Bewertungen von Kunden. Der besondere Clou: Die verschiedenen Farben auf der Karte zeigen, ob der Kiosk gerade geöffnet hat. Vor allem Besitzer von Smartphones können so unterwegs nach einem Kiosk in der Nähe suchen, der noch offen hat.

Der alkoholfreie Kiosk ist noch nicht im Online-Führer von Tobias Jungnickel verzeichnet. Doch auch ohne den Eintrag wird am Ende des ersten Jahres die schwarze Null stehen, meint Eberhard Eisold. Noch viel wichtiger als das betriebswirtschaftliche Ergebnis ist aber, dass die Reha-Patienten wieder das Gefühl bekommen, gebraucht zu werden. Und dass sie wieder einen Bezug zur Realität bekommen. „Der Kiosk ist für mich sehr wichtig, weil er viel mit der Welt da draußen zu tun hat“, sagt Klara Meier. „Und der kann man ja leicht entfliehen.“

dpa

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