Missbrauch in evangelischer und katholischer Kirche

Kinderpornografie: Bistum Osnabrück stellt Pfarrer frei

Das Bistum Osnabrück hat einen Pfarrer wegen Kinderpornografie-Ermittlungen freigestellt. Inzwischen ist die Staatsanwaltschaft dabei, Datenträger auszuwerten.

Update vom 8. November 2021, 15:56 Uhr: Im Zuge der Ermittlungen wegen des Verdachts der Kinderpornografie-Straftaten gegen einen Osnabrücker Pfarrer, hat die Staatsanwaltschaft mit der Auswertung von Datenträgern begonnen. Diese seien bei dem Beschuldigten in der vergangenen Woche sichergestellt worden, sagte eine Sprecherin der zuständigen Staatsanwaltschaft Hannover am Montag.

„Wir ermitteln seit vergangenem Donnerstag aufgrund eines Hinweises“, so die Sprecherin. Die Auswertung der Datenträger erfolge mit Blick auf die Vorwürfe mit hoher Priorität. Wann die Ergebnisse vorliegen, sei noch nicht zu sagen.

Erstmeldung vom 8. November 2021, 12:17 Uhr: Osnabrück/Bremen – Das Bistum Osnabrück hat einen Pfarrer mit sofortiger Wirkung vorläufig aus dem Dienst entfernt. Wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet, sei der Schritt erfolgt, nachdem bekannt wurde, dass gegen den Mann Ermittlungen wegen des Verdachts von Kinderpornografie-Straftaten eingeleitet wurden. Der Pfarrer hat demnach Bischof Franz-Josef Bode über die Ermittlungen gegen ihn persönlich informiert. Die Aufarbeitung von sexuellen Missbräuchen in der katholischen Kirche beschäftigt die Bistümer seit Jahren*.

Bistum:Osnabrück
Diözesanbischof:Franz-Josef Bode
Generalvikar:Ulrich Beckwermert
Pfareien:208 (Stand: 2018)
Katholiken:552.990

Die Ermittler der Staatsanwaltschaft Hannover berichteten am Sonntag: „Wir haben ein Verfahren in diesem Fall.“ Nähere Details wurden zunächst nicht genannt. „Es ist jetzt gerade erst angelaufen.“ Bei den Strafverfolgern in der Landeshauptstadt gibt es eine Zentralstelle, die sich unter anderem auf die Bekämpfung der Nutzung und Verbreitung gewaltdarstellender und pornografischer Schriften spezialisiert hat.

Die Ermittler werten Datenträger aus. Diese seien bei dem Beschuldigten in der vergangenen Woche sichergestellt worden, sagte eine Sprecherin der zuständigen Staatsanwaltschaft Hannover am Montag. „Wir ermitteln seit vergangenem Donnerstag aufgrund eines Hinweises.“ Die Auswertung der Datenträger erfolge mit Blick auf die Vorwürfe mit hoher Priorität. Wann die Ergebnisse vorliegen, sei noch nicht zu sagen.

Bistum Osnabrück stellt Pfarrer wegen Kinderpornografie frei: „Von allen kirchlichen Aufgaben entbunden“

Wie es in der Erklärung des Bistums heißt, soll der Pfarrer während des kompletten Ermittlungsverfahrens „von allen kirchlichen Aufgaben entbunden“ werden. Die Gemeinde des Geistlichen wurde inzwischen über die Maßnahmen informiert. Aktuell leitet der Osnabrücker Stadtdechant Martin Schomaker die Gemeinde übergangsweise.

Wie der Norddeutsche Rundfunk berichtet, sprach der Generalvikar des Bistums, Ulrich Beckwermert, von einem „großen Entsetzen, ganz viele Fragen stellen sich“. Man werde nun die Ermittlungen abwarten und dann weitere Entscheidungen treffen. Die „Entpflichtung“ eines Pfarrers vom priesterlichen Dienst bedeutet, dass dieser zum Beispiel die Messe nicht mehr lesen darf.

Franz-Josef Bode, Bischof des Bistums Osnabrück, wurde von dem betroffenen Pfarrer selber über die laufenden Ermittlungen informiert. (Archivbild)

Zum Bistum Osnabrück gehören Teile des westlichen Niedersachsens sowie Bremen. Auch in Gemeinden der katholischen Kirche im Nordwesten ist es in den vergangenen Jahrzehnten zu sexueller Gewalt an Kindern gekommen, wie externe Studien feststellten.

Bistum Osnabrück stellt Pfarrer wegen Kinderpornografie frei: Auch evangelische Kirche betroffen

Das Osnabrücker Bistum hatte zudem erst Mitte Oktober erklärt, Hinweisen auf einen mutmaßlichen schweren Machtmissbrauch durch einen ehemaligen Leiter des Referats für Ehe-, Familien-, Lebens- und Erziehungsberatung nachzugehen. Auslöser waren demnach Berichte von ehemaligen Mitarbeitern und Klienten der Beratungsstellen, die sich als Betroffene an die Kirchenleitung gewandt hätten. Der inzwischen gestorbene Referatschef war von 1969 bis 1996 in der Funktion tätig.

Wenn von Missbrauch in der Kirche die Rede ist, ist meist die katholische Kirche gemeint.  Doch auch bei den Protestanten hat es sexuellen Missbrauch gegeben, vor allem in Kinderheimen der Nachkriegszeit. Die Ursachenforschung steht bei den Protestanten noch am Anfang – und nach dem Auftakt der 13. Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) am Sonntag, 7. November 2021, in Bremen* unter einem ähnlich schlechten Stern wie in der katholischen Kirche.

Der scheidende EKD-Ratsvorsitzende, Bayerns Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, machte zum Beginn der Tagung in Bremen jedenfalls keine gute Figur und wurde auch von Betroffenen auf das heftigste kritisiert. Trotzdem zeigte sich Bedford-Strohm am Sonntag zum Auftakt der Synode in Bremen selbstkritisch: „Beim Thema sexualisierte Gewalt bin ich trotz allem, was wir schon angestoßen und erreicht haben, überhaupt nicht zufrieden. Wir haben hier das Vertrauen vieler Menschen verloren*, und es ist uns bisher nicht gelungen, es in ausreichendem Maße zurückzugewinnen“, sagte er der dpa.

Sexueller Missbrauch in der evanglischen Kirche: Betroffene sollen bei EKD-Synode zu Wort kommen

Die EKD hat für rund 3,6 Millionen Euro eine Studie angestoßen, die die Ursachen des Missbrauchs erforschen soll. „Die Ergebnisse liegen noch nicht vor, aber wir haben bereits Hinweise darauf, dass bei uns andere Gefahrenquellen und Risikofaktoren vorhanden sind“, sagte Bedford-Strohm. Es sei wohl unter anderem gerade der lockere, mitunter geradezu freundschaftliche Umgang bei den Protestanten, der in Distanzlosigkeit und dann sexualisierte Gewalt umschlagen könne.

Die Aufarbeitung des Missbrauchs durch Mitarbeiter der evangelischen Kirche steht am Montag, 8. November 2021, im Mittelpunkt der EKD-Synode. Dazu hören die Kirchenparlamentarier einen Bericht des Beauftragtenrates, dessen Sprecher der Braunschweiger Landesbischof Christoph Meyns ist. In einer anschließenden Diskussion sollen auch Betroffene zu Wort kommen. Einige von ihnen gehörten einem Beirat an, haben sich aber aus Enttäuschung über fehlende Fortschritte daraus zurückgezogen.

Hauptaufgabe der Synode ist es, einen neuen Rat der EKD und einen neuen Vorsitz zu wählen. Dies soll am Dienstag und Mittwoch stattfinden.

Transparenzhinweis: Dieser Artikel wurde um die später bekannt gewordenen Information, dass die Staatsanwaltschaft Datenträger auswertet, erweitert. * kreiszeitung.de und merkur.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Friso Gentsch/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Sechs Monate Audible inkl. Gratis-Hörbücher für monatlich 4,95 Euro statt 9,95 Euro

Sechs Monate Audible inkl. Gratis-Hörbücher für monatlich 4,95 Euro statt 9,95 Euro

Das sind die Minister und Ministerinnen der Ampel-Koalition

Das sind die Minister und Ministerinnen der Ampel-Koalition

iPhone 13 jetzt schon sichern – zu diesen Hammer-Konditionen

iPhone 13 jetzt schon sichern – zu diesen Hammer-Konditionen

Angela Merkel: die wichtigsten Momente ihrer Karriere

Angela Merkel: die wichtigsten Momente ihrer Karriere

Meistgelesene Artikel

E-Autos im Test: Bei 130 km/h schafft kein Modell mehr als 440 Kilometer

E-Autos im Test: Bei 130 km/h schafft kein Modell mehr als 440 Kilometer

E-Autos im Test: Bei 130 km/h schafft kein Modell mehr als 440 Kilometer
Weil heterosexuell: Aldi erntet Shitstorm wegen Karottenfamilie

Weil heterosexuell: Aldi erntet Shitstorm wegen Karottenfamilie

Weil heterosexuell: Aldi erntet Shitstorm wegen Karottenfamilie
Corona-Inzidenz in Niedersachsen: Weil will Kontaktbeschränkungen für Geimpfte

Corona-Inzidenz in Niedersachsen: Weil will Kontaktbeschränkungen für Geimpfte

Corona-Inzidenz in Niedersachsen: Weil will Kontaktbeschränkungen für Geimpfte
Aldi nimmt veganen Bacon ins Sortiment – Fleischesser-Kunden rasten aus

Aldi nimmt veganen Bacon ins Sortiment – Fleischesser-Kunden rasten aus

Aldi nimmt veganen Bacon ins Sortiment – Fleischesser-Kunden rasten aus

Kommentare