Kinderbetreuung in Niedersachsen und Bremen stockt

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Niedersachsen und Bremen haben bei der Kinderbetreuung riesigen Nachholbedarf. Die Betreuungsquoten liegen weit unter dem für 2013 angestrebten Wert.

Wiesbaden/Hannover - Der Ausbau der Kinderbetreuung in Niedersachsen und Bremen kommt nicht wie geplant voran. Zwar gibt es in den beiden Bundesländern mehr Betreuung als vor einem Jahr. Doch die von Bund, Ländern und Kommunen für 2013 angestrebte Quote von rund 35 Prozent wird im Nordwesten nach derzeitigem Stand klar verpasst.

Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Dienstag mitteilte, gab es in beiden Bundesländern zwischen März 2010 und März 2011 überdurchschnittlich hohe Zuwächse. Die Betreuungsquote stieg in Niedersachsen um 3,2 auf 19,1 Prozent. Fast 37 000 Kinder unter drei Jahren werden in Krippen, Kitas, Krabbelstuben oder bei Tageseltern betreut. Bremen verzeichnet einen Anstieg der Quote um 3,4 auf 19,6 Prozent. Rund 3200 Kinder haben dort einen Betreuungsplatz.

Bundesweit liegt Niedersachsen aber auf dem vorletzten, Bremen auf dem drittletzten Rang. Besonders niedrig ist die Betreuungsquote den Statistikern zufolge mit knapp 16 Prozent in Nordrhein-Westfalen. In Sachsen-Anhalt (56 Prozent) geht die Mehrheit der Kleinkinder in die Krippe. In den neuen Ländern ist die Quote mit 49,0 Prozent mehr als doppelt so hoch wie in den alten (20,0 Prozent).

„Dieses Ergebnis ist für Niedersachsen beschämend und für die Landesregierung blamabel“, sagte die schulpolitische Sprecherin der SPD, Frauke Heiligenstadt. Die bildungspolitische Sprecherin der Linken, Christa Reichwaldt, kritisierte: „Das Land beschränkt sich nur darauf, das Förderprogramm des Bundes auf minimalem Niveau gegenzufinanzieren - ohne selbst tätig zu werden.“ Kritik kam auch vom Deutschen Gewerkschaftsbund in Niedersachsen. Der Landesvorsitzende Hartmut Tölle sagte: „Es ist ein Armutszeugnis, dass die Landesregierung nicht aktiv wird.“

Angesichts der für 2013 angepeilten Betreuungsquote will Kultusminister Bernd Althusmann (CDU) noch in diesem Jahr erneut mit den kommunalen Spitzenverbänden über den Finanzplan reden. „Wenn nötig, werden wir dann auch das Gespräch mit dem Bund suchen.“ Althusmann sieht Fortschritte beim Kita-Ausbau: Im März 2006 habe die Quote noch bei 5,1 Prozent gelegen. Das Land stelle bis 2013 rund 462 Millionen Euro für den Ausbau von Betreuungsplätzen bereit.

Für Kleinkinder fehlen bundesweit bis 2013 rund 233 000 Betreuungsplätze - und zwar ausschließlich im Westen. Derzeit gibt es in den alten Bundesländern nur für jedes fünfte Kind unter drei Jahren (20,0 Prozent) einen Platz in einer Krippe oder bei einer Tagesmutter. Die neuen Bundesländer und Berlin erfüllen die für 2013 angestrebte Quote von rund 35 Prozent dagegen schon.

Bund, Länder und Kommunen hatten den Ausbau der Kinderkrippen 2007 vereinbart. Der Bund versprach den Ländern damals, dafür bis 2013 insgesamt vier Milliarden Euro zur Verfügung zu stellen.

Schon am Montag war bekanntgeworden, dass die angestrebte Quote von 35 Prozent - das wären bundesweit 750 000 Plätze - im Westen bis 2013 wohl nicht mehr zu erreichen ist. Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) hatte den Ländern mangelndes Engagement beim Ausbau der Kleinkinderbetreuung vorgeworfen.

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