Kind stirbt nach Hirn-OP: Strafe gemildert

Hannover - Das Landgericht Hannover hat die Geldstrafe für einen Neurochirurgen reduziert, der durch einen Behandlungsfehler den Tod eines achtjährigen Mädchens verursachte. Zwar sah es das Gericht als erwiesen an, dass der Mediziner dem Kind 2003 nach einer Hirn-OP ein lebenswichtiges Hormonpräparat erst zu spät verabreichte. Dennoch wurde die Geldstrafe aus erster Instanz von 12.800 auf 9.600 Euro reduziert und zur Bewährung ausgesetzt.

Das heißt, dass der Arzt gar nichts zahlen muss, wenn er in den kommenden zwei Jahren straffrei bleibt. In seinem Urteil machte Richter Erhard Lüken deutlich, dass nicht nur der Neurochirurg, sondern auch andere Mediziner den Zustand des Kindes hätten erkennen müssen. Den Ärzten habe aber jegliches Problembewusstsein für die Komplikationen gefehlt, zu denen es nach einer Tumorentfernung bei einem Kind kommen könne. So habe sich der Chefarzt bei der Visite die Laborwerte des Mädchens noch nicht einmal angeschaut.

Das Kind litt nach der OP unter massivem Flüssigkeitsverlust, in zwei Stunden verlor das Mädchen fast einen dreiviertel Liter Urin. Eine Schwester und ein Pfleger machten den Arzt auf den Zustand des Kindes aufmerksam und schlugen die Gabe des wichtigen Hormonmedikamentes vor. Der Neurochirurg, damals im zweiten Jahr seiner Ausbildung, entgegnete der Schwester aber nur: „Wollen Sie sie umbringen?“

In dem Prozess waren mehrere Mediziner als Sachverständige gehört worden, alle waren übereinstimmend zu dem Schluss gekommen, dass der Arzt hätte wissen müssen, dass die Gabe des Medikamentes das Mädchen gerettet hätte.

Das Gericht hielt dem Mediziner bei der Urteilsfindung unter anderem zu Gute, dass er bislang nicht vorbestraft ist. Allerdings ermittelt die Justiz nach Angaben der Staatsanwaltschaft Hannover gegen den Arzt derzeit noch in einem weiteren Verfahren wegen fahrlässiger Tötung. So soll der Mediziner 2005 später im selben Krankenhaus eine Frau mit einem Schädel-Hirn-Trauma nur schleppend behandelt haben, so dass diese ebenfalls starb.

Die Eltern des achtjährigen Mädchens verfolgten den Prozess als Nebenkläger. Sie werteten das Urteil als zu milde. Allerdings hatte der Richter zwischenzeitlich eine Einstellung des Verfahrens gegen Geldbuße angeboten, die Staatsanwaltschaft hatte dies aber abgelehnt. „Immerhin hat es überhaupt ein Urteil gegeben“, sagte die Mutter der achtjährigen Saskia.

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