Zugverspätungen

Kein Formular mehr nötig: Bahn erstattet Tickets online bei Verspätung

Zugverspätungen bei der Deutschen Bahn sind für Reisende immer ärgerlich. Aber in vielen Fällen gibt es Geld zurück. Das zu beantragen wird ab 1. Juni einfacher.

Berlin/Hannover – Wer nach einer Zugverspätung bei der Deutschen Bahn (DB) eine Entschädigung beantragen will, hat bisher einen mitunter umständlichen Weg zu gehen. Bis jetzt musste jedes Mal das sogenannte Fahrgastrechte-Formular ausgedruckt, ausgefüllt und entweder per Post an die DB geschickt oder in einem der Reisezentren in den Bahnhöfen abgegeben werden. Ab 1. Juni wird sich dies nun ändern, dann soll das Ganze online funktionieren.

Konzern:Deutsche Bahn AG
Gründung:1. Januar 1994
Sitz:Berlin
Leitung:Richard Lutz (Vorstandsvorsitzender) und Michael Odenwald (Aufsichtsratsvorsitzender)
Mitarbeiteranzahl:322.768 (Stand: 2020)
Umsatz:39,9 Milliarden Euro (2020)

Bahn kündigt Online-Erstattung von Tickets an: Geld kann einfach über die Bahn-App eingefordert werden

Ab dem 1. Juni bietet der Konzern neben dem analogen Erstattungsantrag die Möglichkeit, das Geld bei einem online oder mobil gekauften Ticket über die Bahn-App einzufordern*. „Die Erstattung über das Smartphone ist künftig kinderleicht und mit wenigen Klicks in fünf Minuten erledigt“, so Bahnchef Richard Lutz. „Unsere Kunden müssen keine Zugnummern mehr heraussuchen oder Fahrkarten einreichen. Damit machen wir die Entschädigung deutlich einfacher.“ Seit Jahren kritisieren Kunden das aufwendige analoge Prozedere, schließlich schreibt sich der Konzern die Digitalisierung groß auf die Fahnen.

Ab 1. Juni können Kunden der Deutschen Bahn ihr Fahrgastrecht auch online über die App DB Navigator wahrnehmen und sich bei Verspätungen Geld erstatten lassen. (Symbolbild)

Zahlreiche Start-ups witterten in der Vergangenheit gar eine Marktlücke und boten selbst einen entsprechenden Online-Dienst an: Die Kunden reichen ihre Verspätungs- und Zugdaten digital bei den Unternehmen ein und diese kümmern sich gegen eine Provision um den analogen Briefverkehr mit der Bahn. Nun zieht der Konzern selber nach und macht einen riesigen Schritt auf seine Kunden zu.

Bahn kündigt Online-Erstattung von Tickets an: 80 Prozent aller Zugbuchung werden online abgewickelt

Die Online-Erstattung ist dabei nur ein Teil des generellen Umbaus der digitalen Vertriebssysteme bei der Bahn. Nach und nach baut der Konzern seine App, den DB-Navigator, um und aus. Schon lange etwa können darüber digitale Zugtickets gebucht werden. 80 Prozent aller Buchungen würden inzwischen online abgewickelt, heißt es dazu vom ehemaligen Staatskonzern. Seit einiger Zeit haben Reisende auch die Möglichkeit, per Handy im Zug einzuchecken. Auch die automatische Übertragung von Reservierungen bei einem unplanmäßigen Zugwechsel ist inzwischen möglich.

Die neue Erstattungsoption bedeute indes nicht das Ende des Fahrgastrechte-Formulars, betonte die Bahn. Wer will, kann sein Geld weiter über den analogen Weg zurückfordern. Auch die Höhe der Erstattung ändere sich nicht: Ab einer Stunde Verspätung überweist die Bahn ein Viertel des ursprünglichen Fahrpreises zurück, ab zwei Stunden ist es die Hälfte.

Fahrgastverband Pro Bahn befürwortet die neue Möglichkeit, will aber analogen Weg beibehalten

Der Fahrgastverband Pro Bahn befürwortet die neue Möglichkeit. „Das gehört zu einer modernen Eisenbahn dazu, dass man dieses Erstattungsformular elektronisch ausfüllen kann“, sagte der Ehrenvorsitzende Karl-Peter Naumann der Deutschen Presse-Agentur. „Wichtig ist, dass die Bahn daneben auch weiter das analoge Fahrgastrechte-Formular anbietet. Es gibt immer noch viele Menschen, die diesen Weg bevorzugen.“ (Mit Material der dpa) * kreiszeitung.de und merkur.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Future Image

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