Tanzverbot noch zeitgemäß?

Karfreitag im Norden: in Niedersachsen still, in Bremen lauter

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An Karfreitag und anderen Feiertagen herrscht in weiten Teilen Deutschlands das "Tanzverbot".

Hannover / Bremen - Laute Feten am Karfreitag? Das dürfte in weiten Teilen Deutschlands wohl unvorstellbar sein. Auch in Niedersachsen herrscht an dem Tag Ruhe - und das soll auch so bleiben. In Bremen ist es etwas anders.

Am Karfreitag steht in Niedersachsen das öffentliche Leben still. Das „Niedersächsische Gesetz über die Feiertage“ verordnet dann nämlich nicht nur Arbeitsruhe, sondern verbietet auch öffentliche Sportveranstaltungen und alle Aktionen, die über den Schank- und Speisebetrieb hinausgehen. In Bremen dagegen sieht man es - wie auch in Bayern - etwas lockerer.

Während inzwischen auch der Gesetzgeber in Baden-Württemberg an einer Lockerung arbeitet, will die rot-grüne Landesregierung in Hannover das Thema nicht anpacken. „Es gibt keine Bestrebungen dazu“, sagte eine Sprecherin des niedersächsischen Innenministeriums. Nach den Intentionen des Feiertagsgesetzes solle mit dem „Tanzverbot“ lediglich das gemeinsame Tanzen der Gäste verhindert werden. Reine Konzerte seien davon nicht betroffen.

Die evangelische-lutherische Landeskirche begrüßt die niedersächsische Regelung. „Das tut der Gesellschaft gut. Es ist wichtig, in unserer hektischen Welt auch einmal einen ruhigen Tag zu haben und über Vergänglichkeit und Sterben nachzudenken. Vor allem vor dem Hintergrund der aktuellen Ereignisse“, sagte Sprecher Johannes Neukirch.

Weniger Verständnis für den stillen Feiertag hat der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband Niedersachsen. „Die Lebenswirklichkeit entwickelt sich seit Jahren in die Richtung, dass die Leute, gerade die jüngeren, trotz dieser „hohen Kirchentage“ ein Bedürfnis nach Zerstreuung empfinden und dies gerne tanzend befriedigen würden“, sagte Geschäftsführer Rainer Balke.

In Bremen wurde die Feiertagsregelung schon 2013 wegen einer Petition aufgelockert. Hier gilt die gesetzlich verordnete Karfreitagsruhe nur noch von 6 bis 21 Uhr. Ab 2018 soll sie ganz abgeschafft werden. Auch der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband in Bremen unterstützt die Abschaffung. „Man muss sich fragen, ob das noch zeitgemäß ist“, sagte Geschäftsführer Thomas Schlüter. „Ich bin erst froh, wenn die Regelung ganz weg ist.“

Trotz aller Lockerungen drehen sich am Karfreitag allerdings keine Karussells auf dem Bremer Volksfest Osterwiese. Wie in allen Jahren bleibt das Fest an dem Tag geschlossen. Die Osterwiese wurde am 27. März eröffnet und dauert bis zum 12. April.

Kritik an der Auflockerung kommt vom Katholischen Gemeindeverband Bremen. “Wir hoffen, dass darüber noch mal diskutiert wird. Privat können die Leute ja feiern, wie sie möchten. Ich finde, das ist eine Frage der Toleranz“, sagte Sprecherin Martina Höhns. dpa

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