Blindgänger aus den Weltkriegen

Kampfmittelräumdienst findet in Nordsee so viel Munition wie noch nie

Ein Torpedo geht im Juni 2021 bei einer kontrollierten Sprengung auf einer Sandbank zwischen den Nordseeinseln Norderney und Juist in die Luft
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Erst Anfang Juni wurde in der Nordsee zwischen den Inseln Norderney und Juist auf einer Sandbank ein Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg kontrolliert gesprengt.

In der niedersächsischen Nordsee sind im Jahr 2020 7,35 Tonnen Weltkriegsmunition entdeckt worden. Das ist das Zehnfache des Gesamtgewichts von 2019.

Hannover – Der niedersächsische Kampfmittelbeseitigungsdienst (KBD) hat in der Nordsee im vergangenen Jahr rund 7,35 Tonnen Weltkriegsmunition entdeckt. Darunter befand sich auch eine Seemine. Dies sei fast das Zehnfache des Gesamtgewichts von 2019, teilte das niedersächsische Innenministerium am Montag in Hannover mit.

Die Nordsee ist vor allem durch den Bau von Offshore-Windparks und den Ausbau von Kabeltrassen verstärkt in den Fokus der Kampfmittelräumer gerückt.

Einrichtung des Landes Niedersachsen:Kampfmittelbeseitigungsdienst
Gründung:11. März 1948
Übergeordnete Behörde:Niedersächsisches Ministerium für Inneres und Sport
Zuständiger Landesminister:Innenminister Boris Pistorius (SPD)

Die Funde im Meer machten aber nur einen Bruchteil der entdeckten Blindgänger aus. Insgesamt wurden rund 111 Tonnen Kampfmittel aus der Zeit der beiden Weltkriege geborgen und entsorgt – viele in den Großstädten Hannover, Braunschweig und Osnabrück.

Mehr Blindgänger als je zuvor in der Nordsee entdeckt: Entschärfer 1100 Mal im Einsatz

Der Kampfmittelbeseitigungsdienst war seinem Jahresbericht zufolge mehr als 1100 Mal im Einsatz. 2019 waren 133 Tonnen in gut 900 Einsätzen beseitigt worden. In der Pandemie konnten die Spezialkräfte bis Anfang 2021 nur eingeschränkt arbeiten.

Innenminister Boris Pistorius sagte: „Dass es im vergangenen Jahr wiederum keinen einzigen Unfall oder Verletzte gegeben hat, ist ein eindrucksvoller Beleg für die Expertise und die herausragende Arbeit aller Beteiligten.“

Blindgänger aus den Weltkriegen: Alte Munition wird nicht ungefährlicher mit der Zeit

Alte Munition wird im Laufe der Zeit nicht ungefährlicher. Gefährdet seien immer wieder Kinder, Sammler, Schatzsucher und das Personal aus Land- und Forstwirtschaft sowie von Tiefbau- und Metallrecyclingfirmen, hieß es. So hatten ein Vater und sein Sohn 2020 beim Magnetangeln im Stichkanal Linden in Hannover den Blindgänger einer Brandbombe herausgefischt und mit nach Hause genommen, weil sie ihn für einen alten Auspuff hielten.

Als dieser gereinigt werden sollte, entzündete sich der Inhaltsstoff. Die Feuerwehr zog den Kampfmittelbeseitigungsdienst hinzu, der die Bombe sicher verpackte und anderswo entsorgte. Drei Menschen kamen wegen der giftigen Rauchgase vorsorglich ins Krankenhaus. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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