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Kampf dem Plastikmüll: Lokales Start-up startet mit Lufthansa und Otto durch  

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Von: Tanja Kipke

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Plastikmüll ist ein globales Problem. Ein Start-up aus Niedersachsen will mit kompostierbaren Materialien entgegenwirken. Lufthansa und Otto sind bereits an Bord.

Buchholz – Die Welt ertrinkt im Müll. In Medienberichten ist immer wieder von sogenannten Müllstrudeln auf den Weltmeeren oder Bergen von Plastikabfall in Dritte-Welt-Ländern die Rede. Auch in der Nordsee ist Plastikmüll ein Problem, schwimmende Mülleimer sollen helfen. Über 200 Kilogramm Verpackungsmüll verursacht laut Umweltbundesamt jeder Bürger in Deutschland pro Jahr. Wiederverwertet wird davon nur knapp über die Hälfte. Was wäre, wenn die Verpackungen, sobald sie in der Natur landen, einfach spurlos verschwinden? Könnte das die Lösung des Plastikproblems sein? Ein Start-up aus Niedersachen entwickelte genau das: kompostierbares Material.

Start-Up:Traceless
Gründung:September 2020 in Hamburg
Leitung:Anne Lamp und Johanna Baare
Preise:Future Hamburg Award 2021

Start-up „Traceless Materials“ in Niedersachsen: Kompostierbare Verpackungen anstatt Plastik

Das multikulturelle Team von „Traceless“ in Buchholz in der Nordheide tüftelt Tag und Nacht an innovativen Materialien, um dem globalen Plastikproblem entgegenzuwirken. „Wir stellen uns eine Welt vor, in der sich die von uns verwendeten Materialien positiv auf den Planeten auswirken, anstatt zu Umweltverschmutzung und Abfall zu führen“, schreibt das Start-Up auf seiner Website. Die Verfahrenstechniker und Chemiker kommen neben Deutschland aus der Türkei, Frankreich, Italien, Indien und China.

Das Start-Up „Traceless“ hat Materialien entwickelt, die kompostierbar sind.
Das Start-Up „Traceless“ hat Materialien entwickelt, die kompostierbar sind. © Philipp Schulze/dpa

In einem Labor, nicht größer als eine Garage, entwickeln sie den Stoff, der nicht nur völlig abbaubar ist, sondern sich auch kostengünstig herstellen lässt. „Mit unserer Technologie produzieren wir eine neuartige Generation biozirkulärer und plastikfreier Materialien.“ Ihre zum Patent angemeldete Technologie soll es ermöglichen, pflanzliche Nebenprodukte der Agrarindustrie zur Herstellung eines Basismaterials für Folien, feste Materialien und hauchdünne Beschichtungen zu verwenden, die die guten Eigenschaften von Kunststoffen bieten. In der Natur ist das Material vollständig abbaubar.  

Plastikfreie Verpackungen: Gründerinnen des Start-Ups werden von Anfragen überrollt

Anne Lamp und Johanna Baare, die zwei Gründerinnen von „Traceless Materials“ haben schon einige Förderpreise eingeheimst. Zudem stehen Investoren bei ihnen Schlange, wie die dpa berichtet. „Wir haben drei bis fünf Anfragen pro Woche“, erzählt die 31 Jahre alte Lamp. „Mir fällt kein Unternehmen ein, dessen Kunden den Einsatz von Plastik gut fänden.“ Die Gründerinnen wollen nicht nur einen grünen Anstrich, sondern ein kompromisslos nachhaltiges Produkt. Herkömmliche Bio-Kunststoffe mit ökologischen Schwachstellen gebe es genug.

Johanna Baare und Anne Lamp sind die Gründerinnen des Start-Ups „Traceless“ aus Buchholz.
Johanna Baare und Anne Lamp sind die Gründerinnen des Start-Ups „Traceless“ aus Buchholz. © Philipp Schulze/dpa

So sind der Laborraum der Pilotanlage und die Büros auch nur mit gebrauchten Möbeln eingerichtet, statt Papierrollen zum Wegwischen wird hier in den Sack alter T-Shirt-Fetzen gegriffen. Sie wollen die globale Plastikverschmutzung an Land sowie im Wasser beenden. „Von unseren Kunden bekommen wir die Rückmeldung, dass vergleichbare Lösungen woanders nicht zu finden sind“, erzählt Baare, die das Wirtschaftliche im Blick hat.

Start-Up entwickelt nachhaltiges Material: Kompostierbare Versandtasche für Otto kommt

„Wir versuchen aus pflanzlichen Abfällen etwas zu machen und haben die wissenschaftliche Sicht darauf“, erklärt Lamp, die an der Technischen Universität Hamburg in Verfahrenstechnik promovierte. Ganz wichtig ist dabei: „Der Preis muss stimmen, nur dann können wir auf den Markt gehen. Das ist der Clou, konkurrenzfähig im Industriemaßstab zu sein.“ Als eines der ersten Produkte soll in diesem Jahr eine plastikfreie Versandtasche über den Otto Versandhandel vertrieben werden. Das Hamburger Unternehmen war der erste Kontakt von Lamp mit der Firmenwelt.

Plastikfreies Material von „Traceless“: „Wir haben die Chance, den Unterschied zu machen“

Dann kam die Lufthansa, die sich für ihr Catering nach Alternativprodukten umsieht. „Es ist ein ganz toller Moment auf den Markt zu gehen, das Problembewusstsein ist da, es bewegt sich viel“, sagt Baare. „Wir haben die Chance, den Unterschied zu machen.“ Im Vorjahr bekamen sie die Zusage für 2,4 Millionen Euro aus einem EU-Innovationsförderprogramm. 21 Festangestellte helfen mit, das kleine Start-up bis 2024 profitabel zu machen. Und weil das Problem der Umweltverschmutzung mit Plastik so groß ist, arbeiten sie bereits mit einer Vielzahl von Partnern und können sich auch eine Zusammenarbeit mit Konkurrenten vorstellen.

Davon gibt es auch nicht wenige. „Es gibt ganz viel Potenzial, etwas zusammenzumachen“, bestätigt Baare. Das Unangenehme: Es gibt einige, die auch gern abkupfern und seien es nur die Formulierungen auf der Homepage. Deshalb sind Baare und Lamp auch vorsichtig geworden, wem sie ihre Produktionsstätten zeigen.  

Start-up sucht neuen Standort im Landkreis Harburg

Nur fünf Jahre dürfen die jungen Unternehmerinnen im Innovationszentrum bleiben, doch dann werden ihnen die Räumlichkeiten sowieso zu klein geworden sein. Derzeit sind sie auf der Suche nach einem Standort in einem Industriegebiet im Landkreis Harburg. Kerstin Helm von der Wirtschaftsförderung würde Start-ups wie Traceless gern im Kreis behalten. „Uns geht es darum, den jungen Unternehmen das Mietrisiko ein bisschen zu nehmen“, sagt sie. Für Traceless sucht sie einen langfristigen Standort. (Mit Material der dpa) *kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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