Viggo lebt in Bergen bei einer Familie

Ein Känguru im privaten Garten - Tierschützer finden es „gruselig“

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Der siebenjährige Robin spielt mit dem Känguru Viggo im Garten der Familie.

Bergen - Von Christina Sticht. Seit mehr als drei Jahren lebt Rotnackenwallaby Viggo bei einer Familie mit zwei Kindern aus Bergen. Jetzt droht der Landkreis Celle damit, das Beuteltier wegzunehmen, unter anderem weil sein Gehege zu klein ist. Warum halten Menschen exotische Haustiere?

Als Känguru Viggo im Juli ausbüxte, fing für die Familie von Benjamin Müller der Ärger an. Zwar konnte das exotische Haustier mit Hilfe der Polizei schnell wieder eingefangen werden, allerdings geriet es durch seinen Ausflug ins Visier des Veterinäramtes des Landkreises Celle. Tierärzte der Behörde besuchten Müller und seine Lebensgefährtin Sandra Arndt und stellten fest, dass der Garten, in dem Viggo herumhopst, nach den gesetzlichen Bestimmungen rund 50 Quadratmeter zu klein für ein Rotnackenwallaby ist. Darüber hinaus wurden die Familie aufgefordert, einen Sachkundenachweis zu erbringen und das Känguru an Artgenossen zu gewöhnen.

Es sei schwer, ein Haus mit größerem Garten zu finden, klagt Müller. Kontakte mit Züchtern habe er schon, aber es dauere, ein zweites Tier anzuschaffen. „Die Maßnahmen des Landkreises hängen von den Entwicklungen der nächsten Tage und der Rückmeldung der Familie ab“, teilt der Landkreis Celle mit. Wie die „Cellesche Zeitung“ berichtete, erhielt die Familie einen Brief mit der Androhung, dass ihr das Tier weggenommen werden könnte.

Benjamin Müller (r.) steht mit seiner Familie Sandra Arndt, Robin und Angela (v.l.n.r.) im Garten.

„Ich finde es gruselig, ein Känguru zu Hause zu halten“, sagt die Leiterin des Nabu-Artenschutzzentrums Leiferde, Bärbel Rogoschik. „Stellen Sie sich mal vor, Sie werden ihr Leben lang zu Gorillas gesperrt, ohne Kommunikation mit Artgenossen.“ Die Biologin beobachtet, dass immer mehr Menschen sich ein exotisches Haustier besorgen - etwa weil sie Berichte darüber im Fernsehen gesehen haben. Wird das Tier lästig, wird es oft ausgesetzt. Mehr als 2.400 Tiere wurden 2017 im Artenschutzzentrum in Leiferde versorgt. Darunter waren über 500 Reptilien, viele von ihnen beschlagnahmt aus Tierschutzgründen.

Die Zahl der in Niedersachsen gehaltenen Kängurus ist nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums in Hannover nicht bekannt. „Sie sind nicht meldepflichtig“, sagt eine Sprecherin. „Kängurus entfleuchen oft“, ist Rogoschiks Erfahrung. Dies sei ein Beleg dafür, dass Gehege nicht fachgerecht seien. „Kängurus sind absolut faszinierend, aber man kann ihnen als Laie und Privatperson nicht das bieten, was sie brauchen“, betont sie.

Das Känguru Viggo sitzt im Garten.

Benjamin Müller sieht das anders und berichtet, dass er Viggo zum Beispiel ein spezielles Känguru-Müsli zubereitet. Das Tier ist für ihn ein Familienmitglied. „Die Kinder drehen durch, wenn Viggo weg muss“, sagt er. Der siebenjährige Sohn Robin spiele Verstecken und Fangen mit ihm. Der Familie zufolge stammt Viggo aus einem Tierpark in der Nähe von Karlsruhe und wurde mit der Hand aufgezogen. „Als die Mutter starb, haben wir ihn zu uns genommen.“ Ein Rucksack wurde zum Ersatz-Beutel. Als er wieder an andere Kängurus gewöhnt werden sollte, habe er sich versteckt, beteuert Müller.

Dass Tiere vermenschlicht und allein gehalten werden, ist Rogoschik zufolge ein großes Problem. In fast allen Fällen gewöhnten sie sich im Artenschutzzentrum wieder an Artgenossen, sagt die Biologin: „Selbst bei Papageien, die ein Leben lang bei einem Menschen waren, gelingt dies noch nach Jahrzehnten.“

Sollte Viggo der Familie entzogen werden, wird sich eine Känguru-Gruppe für ihn finden. In Deutschland gibt es laut der Zootierliste im Internet 464 Haltungen von Rotnackenwallabys.

dpa

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