Junge Musiker holen dank Musik-Wettbewerb Dialekt zurück

"Plattsounds": Punk und Hardrock mit plattdeutschen Texten

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Mit Rock und Pop soll Plattdeutsch jungen Leuten wieder näher gebracht werden. Plattdeutsch soll nicht länger als Bildungshemmnis gelten. Die  Band "Hobo at the Railroadstation" nimmt dieses Jahr zum ersten Mal teil.

Osnabrück - von Thomas Wübker. Mit Rock und Pop soll jungen Leuten Plattdeutsch näher gebracht werden. Die Hoffnung: Was bei BAP auf Kölsch funktioniert, kann auch auf Plattdeutsch Erfolg haben - weil es echt und authentisch ist.

Menschen in Norddeutschland unter 50 Jahren sprechen kaum noch Plattdeutsch. Reinhard Goltz, der Geschäftsführer des Instituts für niederdeutsche Sprache in Bremen, findet das bedauerlich. Zusammen mit etlichen Mitstreitern versucht er deswegen seit einiger Zeit, Plattdeutsch auch bei jungen Leuten wieder populärer zu machen. Dazu wurde unter anderem der Musik-Wettbewerb „Plattsounds“ ins Leben gerufen. Im Internet kann schon über die besten Beiträge abgestimmt werden, am Samstag (21.) ist nun zum 5. Mal Finale, diesmal in Osnabrück.

„Ich habe noch nie so viel plattdeutschen Lärm gehört“, sagt Goltz augenzwinkernd. Die Musik sei nicht unbedingt immer sein Geschmack, sagt der 62-Jährige, aber die plattdeutsche Sprache werde dadurch am Leben erhalten.

Bei Jens Cramer hat der Wettbewerb sein Ziel schon erreicht. Cramer ist Sänger der Punkband „De Schkandolmokers“. Die Bandmitglieder kommen aus Oldenburg und dem Ammerland, beim „Plattsounds“-Wettbewerb vor drei Jahren belegten sie den zweiten Platz. Das sei eine Art Initialzündung für die Musiker gewesen, sagt der junge Mann. Nun singt er nur noch auf Plattdeutsch. „Plattdeutsche Texte eröffnen beim Songwriting ganz neue Möglichkeiten. Reimschemen, die im Hochdeutschen nicht möglich wären, können mit der plattdeutschen Sprache prima umgesetzt werden.“

Die Band von Dennis Athmer, Lead-Gitarrist der Osnabrücker Band „Hobo at the Railroadstation“, singt normalerweise in Englisch. Für den Wettbewerb hat sie mit Hilfe eines Mitarbeiters von „Plattsounds“ einen ihrer Texte ins Plattdeutsche übersetzt. Gitarrist Athmer ist die Sprache von seiner Oma geläufig, sie hat den neuen Text auch Korrektur gelesen. „Ich kann Platt verstehen, aber nicht sprechen“, sagt er. Athmer findet das Experiment interessant, glaubt aber, dass es für seine Band bei dem einen Mal bleibt. „Plattdeutsch ist eher was für Singer und Songwriter“, meint er. Seine Band dagegen mache Hard Rock mit Blues-Einflüssen.

Reinhard Goltz vom Institut für niederdeutsche Sprache erinnert sich noch daran, dass das Ansehen der plattdeutschen Sprache vor etwa 20 Jahren noch sehr, sehr schlecht gewesen sei. „Sie galt als Bildungshemmnis, als schlechtes Deutsch.“ Dagegen wollte Goltz etwas tun, unter anderem übersetzte er „Asterix“, „Donald Duck“ und „Harry Potter“ ins Niederdeutsche.

Bei einer Erhebung vor acht Jahren stellte sein Institut fest, dass die Sprache in den Städten beinahe ausgestorben ist, in kleineren Orten dagegen noch deutlich mehr gesprochen und gelebt wird. Mit einer Einschränkung: „Von jungen Menschen bis 34 Jahre wird Platt gar nicht mehr gesprochen“, sagt Goltz. Inzwischen aber wird in über 100 Kindergärten und Schulen in Norddeutschland Plattdeutsch-Unterricht angeboten. In Niedersachsen kümmern sich vor allem Grundschulen in Ostfriesland und eine Realschule darum, das Land unterstützt die Projekte.

Stefan Meyer von der Oldenburgischen Landschaft, die den Wettbewerb „Plattsounds“ federführend organisiert, gibt unumwunden zu, dass Plattdeutsch meistens noch mit Volksmusikanten und Shanty-Chören verbunden werde. Er sieht aber auch eine Bewegung bei jungen Musikanten hin zur niederdeutschen Sprache. Was bei BAP auf Kölsch funktioniere, könne seiner Meinung nach auch mit Plattdeutsch Erfolg haben. „Das ist echt und authentisch.“ dpa

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