Ärztekammer warnt

Seit Ausbruch der Corona-Krise: Junge Menschen greifen wieder häufiger zur Zigarette

Die Ärztekammer hat eine bedenkliche Entwicklung in der Coronakrise festgestellt: Junge Menschen rauchen wieder mehr - trotz erhöhtem Risiko schwer an Corona zu erkranken.

Hannover - Eine aktuelle Befragung der Ärztekammer in Niedersachsen ergibt, dass immer mehr junge Menschen in der Corona-Krise häufiger zur Zigarette greifen. Deshalb warnt Ärztekammer-Präsidentin und Lungenfachärztin Martina Wenker vor dem Einstieg in den Tabakkonsum. Langjähriges Rauchen berge das Risiko für viele Erkrankungen wie Asthma, Herzerkrankungen oder Krebs, so Werner. Doch auch die Corona-Krise biete einen Grund mehr, mit dem Rauchen aufzuhören.

KammerÄrztekammer Niedersachsen
OrganisationsformKörperschaft des öffentlichen Rechts
PräsidentinMartina Wenker
Zugehörige40.000

„Das Risiko, schwer an Covid-19 zu erkranken und zu sterben ist für Raucher bis zu 50 Prozent höher als für andere“, sagt WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus in Genf. „Mit dem Rauchen aufzuhören ist deshalb das beste, was Raucher tun können, um sowohl ihr Risiko einer schweren Covid-19-Erkrankung zu verringern als auch das Risiko, Krebs und Herz- und Atemwegserkrankungen zu bekommen.“

Junge Menschen greifen wieder zur Zigarette: Das sind die Gründe

Aktuell rauchen in Deutschland rund 9 Prozent aller 12- bis 17-Jährigen regelmäßig. Vor der Coronakrise war die Zahl der Raucherinnen und Rauchern rückläufig. Doch vor allem bei jungen Menschen ist nun wieder ein Anstieg zu verzeichnen.

Gründe für junge Menschen mit dem Rauchen anzufangen seien häufig Neugierde, Experimentierfreude oder der Wunsch nach Gruppen-Zugehörigkeit. Doch auch aus Langeweile würden viele junge Menschen in der Coronakrise häufiger zur Zigarette greifen.

Deutschland im Thema Rauchen „Sorgenkind“

Beim Rauchen gehört Deutschland zu den „Sorgenkindern“ der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Das sagte der WHO-Direktor für Gesundheitsförderung, Rüdiger Krech. In allen anderen EU-Ländern werde mehr getan, um die Menschen zum Aufhören zu bewegen. „Deutschland ist in der EU bei Maßnahmen zur Eindämmung des Rauchens das Schlusslicht.“ Die Bundesrepublik gehört deshalb zu den 29 Ländern, in denen die WHO zum Weltnichtrauchertag eine Kampagne unter anderem in sozialen Medien gestartet hatte, um mehr Menschen zum Aufhören zu bewegen.

In der Coronakrise rauchen junge Menschen mehr als vorher.

Weltweit will nach Schätzung der WHO mehr als jeder Dritte der 1,3 Milliarden Tabaknutzer aufhören. Tabak wird auch gekaut, geschnupft oder per Wasserpfeife konsumiert. In Deutschland sind die geschätzt 17 Millionen Tabaknutzer überwiegend Raucherinnen und Raucher.

WHO will 100 Millionen Tabaknutzer entwöhnen

Die WHO will mit der Kampagne bis Ende des Jahres 100 Millionen Tabaknutzer weltweit zu einem ernsthaften Entwöhnversuch bewegen. Statistisch schafften es nur zehn Prozent der Menschen, die einen Aufhör-Versuch starten, dauerhaft vom Tabak loszukommen, sagt Krech. Die WHO hofft, dass sie mit ihrer Kampagne drei Millionen Menschen vor einem frühzeitigen Tod durch den Tabakkonsum bewahren kann.

Unter anderem werden auf sozialen Medien wie Instagram und TikTok Informationen gestreut, wie man aufhören kann. Raucher werden animiert, sich etwa über Whatsapp, Viber oder Facebook zu Entwöhn-Gruppen zusammenzuschließen. Zudem soll es gezielte Botschaften zum Durchhalten geben, wenn jemand fürchtet, schwach zu werden. In Deutschland läuft zusätzlich eine Kampagne der Drogenbeauftragten der Bundesregierung.

Deutschland und das Problem mit Tabaksteuern

Die WHO beurteilt den Einsatz der Länder bei der Tabakprävention nach mehreren Kriterien, bei denen Deutschland schlecht abschneidet. „Deutschland hat ein echtes Problem mit den Tabaksteuern“, sagt Krech. Die Steuern seien zuletzt 2005 deutlich erhöht worden. Der Anteil der Steuern am Gesamtpreis von Tabakprodukten sei zwischen 2008 und 2018 von fast 76 auf gut 68 Prozent gesunken. „Wir wissen, dass hohe Preise weniger Raucher bedeuten“, sagt Krech. „Wir empfehlen deshalb einen Steueranteil von mindestens 75 Prozent.“

Die WHO sieht Deutschland im Thema Rauchen als „Sorgenkind“.

Wenn der Zigarettenpreis alle gesellschaftlichen Kosten abdecken müsste, die Rauchen verursacht - etwa Arzt- und Krankenhauskosten, Krankengeld und Produktionsausfälle durch Krankheit - müsste eine Packung 23 Euro kosten, sagt Krech. In etwa so hoch ist der Preis in Australien, dem Champion der Tabakprävention. Das ist mehr als dreimal so viel wie in Deutschland.

Zudem erlaube in Europa kaum noch ein Land Außenwerbung für Tabak - Deutschland schon. Dass Tabakwaren wie hierzulande einfach in Supermärkten gekauft werden können, sei in vielen anderen Ländern längst undenkbar. Die WHO setzt sich dafür ein, dass Krankenkassen die Kosten für Entwöhnprogramme übernehmen. * Kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © imago

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