Niedersächsischer Verbraucherschutzbericht

Tiefgefrorene Filets oft mit Wasser aufgepumpt

+
Landwirtschaftsminister Christian Meyer stellt den Niedersächsischen Verbraucherschutzbericht 2016 vor. 

Hannover - Wer gesundheitsbewusst ist, greift gerne zu Fisch. Doch Fischfilets aus der Kühltruhe enthalten oft zuviel teures Wasser. Das ist eines der Ergebnisse des niedersächsischen Verbraucherschutzberichtes. Auch wer zu seinem Eis gerne Sahne bestellt, der sollte vorsichtig sein.

Niedersachsen ist im vergangenen Jahr nach Einschätzung von Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) von größeren Lebensmittelskandalen verschont geblieben. Sowohl bei der Vogelgrippe wie auch im jüngsten Fall der mit Fipronil belasteten Eier habe man schnell reagieren können, sagte der Minister am Freitag bei Vorstellung des Verbraucherschutzberichts. "Wir sind deutlich krisenfester geworden, viele andere Bundesländer beneiden uns um das hohe Niveau des Verbraucherschutzes."

Im vergangenen Jahr nahmen die Prüfer der amtlichen Veterinär- und Lebensmittelüberwachung rund 64.000 Kontrollen in gut 42.000 Betrieben vor. Von den rund 28.000 Proben, die sie dabei nahmen, mussten 16 Prozent beanstandet werden. Einige Beispielfälle:

Tiefgefrorene Fischfilets: 

Jedes fünfte tiefgefrorene Fischfilet in Niedersachsen ist künstlich mit Wasser aufgepumpt. "Der Wasserzusatz führt zu einem höheren Volumen. Das ist Verbraucherbetrug zulasten derer, die das nicht machen", sagte Meyer. Das Institut für Fische und Fischereierzeugnisse in Cuxhaven hatte im vergangenen Jahr 124 Proben von Fischfilets untersucht. Dabei wurden in 26 Proben Carbonate gefunden - sie werden als wasserbindende Stoffe dem Fischfilet zugesetzt, damit es mehr Wasser aufnehmen kann. Der Einsatz von Carbonaten in unverarbeiteten Fischerzeugnissen ist aber verboten.

Schlagsahne in Eisdielen und Cafés: 

Fertige Schlagsahne, wie sie gerne zu Kuchen, Kakao oder Eis bestellt wird, ist häufig mit Keimen verunreinigt. Bei den Proben stellten die Prüfer im vergangenen Jahr fest, dass 31 Prozent eine erhöhte und 15 Prozent sogar eine stark erhöhte Keimzahl enthielten. Hintergrund: Zum Aufschlagen der Sahne setzten Cafés und Eisdielen häufig Automaten ein. Häufig werden diese Maschinen nicht regelmäßig gereinigt und desinfiziert, so dass die Keime in die Sahne gelangen.

Mariniertes Fleisch in der Gastronomie:

In Gaststätten werden verschiedene Fleischsorten häufig in großen Mengen auf Vorrat in Stücke geschnitten und mariniert. Bei 18 von insgesamt 98 Proben stellten die Prüfer Abweichungen fest, acht Proben waren sogar verdorben. "Das hätten wir nicht auf den Teller gebracht", sagte der Präsident des Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelschutz, Eberhardt Haunhorst.

Bio-Einweggeschirr: 

Geschirr aus Maisstärke oder Bambusfasern liegt im Trend. Die Prüfer untersuchten 33 Produkte, die als nachhaltig oder umweltschonend beworben wurden. Die Analyse ergab aber, dass auch alternative Kunststoffe unter Einsatz von schwer abbaubaren Zusätzen wie Schmiermitteln und UV-Stabilisatoren hergestellt wurden. In allen fünf untersuchten Produkten aus Bambusfasern wurde Melaminharz gefunden - ein Kunststoff, der auch Formaldehyd enthält.

dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Richter verkündet Strafmaß für Bill Cosby

Richter verkündet Strafmaß für Bill Cosby

Alternativer Nobelpreis an Korruptionsjäger und "Waldmacher"

Alternativer Nobelpreis an Korruptionsjäger und "Waldmacher"

Herbststurm "Fabienne" hinterlässt große Schäden

Herbststurm "Fabienne" hinterlässt große Schäden

Weltkommission: Staaten müssen Drogenhandel regulieren

Weltkommission: Staaten müssen Drogenhandel regulieren

Meistgelesene Artikel

Drei Wochen Moorbrand im Emsland - Lage entspannt sich

Drei Wochen Moorbrand im Emsland - Lage entspannt sich

Ministerium: Nachhaltige Schäden durch Moorbrand zu erwarten

Ministerium: Nachhaltige Schäden durch Moorbrand zu erwarten

16-Jähriger stirbt beim Überqueren eines Gleisbetts in Lunestedt

16-Jähriger stirbt beim Überqueren eines Gleisbetts in Lunestedt

Todesfalle Smartphone: Kontrollen an etwa 300 Orten in Niedersachsen

Todesfalle Smartphone: Kontrollen an etwa 300 Orten in Niedersachsen

Kommentare