Jahresrückblick

Bremens und Niedersachsens Gewinner und Verlierer des Jahres 2021

Das Pandemie-Jahr 2021 war ein besonderes: Viele der Gewinnerinnen und Gewinner in Niedersachsen und Bremen 2021 hängen mit der Pandemie zusammen – doch auch einige der Verlierer.

Bremen – Die Pandemie hat vieles verändert, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler rückten immer mehr in die öffentliche Wahrnehmung. Ihre Bedeutung für die Gesellschaft wurde im Zuge der Corona-Pandemie immer klarer.

Jahresrückblick: Gewinner und Verlierer des Jahres 2021 in Bremen und Niedersachsen

Man nehme beispielsweise Christian Drosten, der zuletzt noch erklärt hatte „Omikron macht die Regeln“. Aus dem Virologen wurde einer der bekanntesten Männer Deutschlands. In Niedersachsen und Bremen gehört eine Wissenschaftlerin 2021 zu den Gewinnern – doch auch ein Lehrer und eine Politikerin zählen dazu.

Bundesland:Niedersachsen
Ministerpräsident:Stephan Weil
Einwohner:7,982 Millionen (Stand 2019)

Homeschooling während der Corona-Pandemie: „Lehrer Schmidt“ und die Mathe-Hilfe

Die Corona-Pandemie hat auch das Bildungswesen vor große Herausforderungen gestellt. Plötzlich dominierte eine Form der Wissensvermittlung, die zuvor höchstens Randerscheinung war: das Homeschooling. Eltern und Schüler brachte das nicht selten gleichermaßen an ihre Grenzen. Hilfe fanden sie dabei oft im Internet, bei Fragen aus dem Bereich der Mathematik konkret bei Kai Schmidt aus der Grafschaft Bentheim in Niedersachsen. Auf seinem Youtube-Channel vermittelt der Oberschulrektor Mathe-Basiswissen. Angefangen hatte er mit Videos für seine Schüler auf dem Schulserver, ehe er zu Youtube wechselte. Dort folgen „Lehrer Schmidt“ mittlerweile 1,2 Millionen Menschen.

Nicht nur Kinder müssen lernen: Melanie Brinkmann erklärt Jung und Alt die Corona-Pandemie

Doch auch Erwachsenen musste 2021 eine Menge Wissen vermittelt werden – vor allem rund um die Corona-Pandemie. Dabei spielte die Wissenschaftlerin Melanie Brinkmann (47) aus Braunschweig eine wichtige Rolle. Unermüdlich klärte die Forscherin im Rahmen der Pandemie auf. Aufgrund ihrer Expertise wurde sie in das Expertengremium zur wissenschaftlichen Begleitung der Covid-19-Pandemie berufen.

Brinkmann hatte zuerst Biologie studiert, bevor sie am Institut für Virologie der Medizinischen Hochschule Hannover promovierte. Im November hatte auch sie sich für strengere Corona-Regeln eingesetzt. Mediziner befürchten den Zusammenbruch des Gesundheitswesens und damit auch, dass Triagen wieder vermehrt notwendig werden könnten.

Bremen Vorreiter beim Impfen – das ist auch Claudia Bernhard zu verdanken

Zuletzt hatte Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil eine höhere Impfquote gefordert. In seinem Land ist die Impfkampagne in vollem Gange – Vorreiter ist jedoch das kleinste Bundesland: Bremen. Der Impferfolg der Hansestadt geht dabei vor allem auf Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (60) zurück, bei ihr laufen die Fäden zusammen. Eine schnelle Impfkampagne ist besonders in Anbetracht der um sich greifenden Omikron-Variante wichtig. In Bremen gilt ab Donnerstag Warnstufe 3.

Bremens Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Die Linke): Sie ist der Kopf hinter dem Impferfolg der Hansestadt und gehört damit zu den Gewinnerinnen und Gewinnern des Jahres 2021.

Die Linken-Politikerin organisierte die Pandemie-Bekämpfung in Bremen federführend und arbeitet eng mit Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) zusammen. Noch mehr als Bovenschulte steht Bernhard für Bremens Impferfolg – der wohl auch für Niedersachsen Vorbildcharakter hat.

Die Grüne Claudia Kalisch gewinnt in Lüneburg die Wahl zur Oberbürgermeisterin

Nach 30 Jahren SPD-Herrschaft ist das Rathaus in Lüneburg nun in grüner Hand: Grünenpolitikerin Klaudia Kalisch (49) beendet damit die Ära sozialdemokratischer Führung in der Stadt. Kalisch hat sich das Thema Miet- und Immobilienpreise auf die Fahnen geschrieben. Zudem möchte die Grünenpolitikerin Lüneburg fahrradfreundlicher machen und die Nahverkehrsnutzung verbessern, sie setzt sich für einen modernen Verkehrsplan ein.

Schwimm-Weltmeister Florian Wellbrock kommt aus Bremen

Auch ein Sportler aus Bremen gehört zu den Gewinnern 2021. Seine Bilanz im Pandemie-Jahr lässt sich sehen: Neben einem Weltrekord in Abu Dhabi konnte der Schwimm-Weltmeister bei den Sommerspielen in Tokio eine Goldmedaille über 10-Kilometer-Freiwasserschwimmen holen. Zuvor hatte er bereits über 1500 Meter Freistil eine Bronzemedaille gewonnen und das Treppchen über 800 Meter Freistil nur knapp verpasst. Sportlich läuft es für den Bremer, doch auch privat war es für ihn ein besonderes Jahr – er heiratete seine langjährige Freundin Sarah Köhler.

Der SV Meppen muss nicht absteigen und avanciert zum Spitzenteam

Glück gehabt und die Chance genutzt: Eigentlich war der SV Meppen im Mai aus der 3. Fußball-Liga abgestiegen – zumindest schien der Abstieg besiegelt. Doch die Niedersachsen hatten Glück im Unglück: Weil der KFC Uerdingen aufgrund wirtschaftlicher Probleme die Lizenz nicht erhielt, blieb der SV Meppen in der dritten Liga. Der Verein nutzte die unverhoffte Chance: Ein knappes halbes Jahr später steht der SV Meppen vor der Winterpause auf Platz drei.

Es gab nicht nur Gewinnerinnen und Gewinner: Für Staatsminister Hendrik Hoppenstedt war 2021 kein erfolgreiches Jahr

Es war eine große Überraschung für die meisten: Der Staatsminister und CDU-Bundestagsabgeordnete Hendrik Hoppenstedt (49) musste sein Direktmandat abgeben. Unter Angela Merkel wurde er 2018 zum Staatsminister, 2004 war er in Burgwedel der jüngste Bürgermeister Niedersachsens geworden. Zwar zog Hoppenstedt über die Liste trotzdem wieder in den Bundestag ein und ist parlamentarischer Geschäftsführer der Unionsfraktion, doch sein Direktmandat ist weg.

Dieter Bohlens Zeit in Castingshows ist abgelaufen

Es ist vorbei mit Dieter Bohlen und den Castingshows, im März verkündete RTL den Abschied des ehemaligen Modern-Talking-Mitglieds. Bohlen hatte über Jahre das Bild von Castingshows wie dem „Supertalent“ und „Deutschland sucht den Superstart“ geprägt. Dabei stand er immer wieder in der Kritik, Teilnehmer bloßzustellen. Über Jahre machte RTL sich Bohlens Potenzial zu polarisieren zunutze. Der Sender gibt nun an familienfreundlicher werden zu wollen – zuletzt waren jedoch auch die Quoten gesunken.

Auch eine Bank gehört zu den Verlierern 2021: Greensill

Die Insolvenz der Greensill-Bank betrifft verschiedene Städte in Niedersachsen schwer. Sie hatten hohen Renditeversprechen der Bank Glauben geschenkt und bezahlen das nun mit einem Minus in Millionenhöhe. Osnabrück ist mit einer Anlage von rund 14 Millionen Euro betroffen, Nordenham mit 13,5 und Garbsen mit 8,5 Millionen. Wegen drohender Überschuldung hatte das britisch-australische Finanzkonglomerat Greensill die Bremer Tochter geschlossen. Die Wahrscheinlichkeit, dass größere Teile der verlorenen Summen zurückkommen, ist äußerst gering – die Steuerverschwendungen dafür immens.

Im Bereich Sport machten besonders Werder Bremen und Markus Anfang dieses Jahr eine schlechte Figur

Der Verein von der Weser hat ein Krisenjahr hinter sich. Nach dem Abstieg des viermaligen deutschen Meisters* im Mai sollte die neue Saison im Zeichen des Aufbruchs stehen. Ruhe kam nicht in den Verein, dafür sorgte vor allem Trainer Markus Anfang: Gegen ihn und seinen Co-Trainer wurde wegen der Nutzung eines gefälschten Impfpasses ermittelt, Anfang trat deshalb von seinem Amt beim SV-Werder zurück. Die DFL sprach damals von einem „nicht hinnehmbaren Affront“. Das Verfahren gegen den ehemaligen Werder-Trainer ist noch nicht abgeschlossen.

Auch VW-Boss Herbert Diess verliert 2021 – vor allem an Kompetenz

VW-Vorstandschef Herbert polarisierte zuletzt immer wieder, auch Teile des Aufsichtsrats hatten sich im Zuge dessen gegen ihn gewendet. Nun ist klar, dass Diess VW-Boss bleibt, allerdings muss er Kompetenzen abgeben. Diess hatte sich zuvor Auseinandersetzungen mit dem Betriebsrat geliefert, nachdem er über Stellenabbau im Bereich von mehreren zehntausend Jobs spekuliert hatte.

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Zuletzt gab er sich etwas defensiver und erklärte mit Blick in Richtung des Betriebsrats und des Landes Niedersachsen, das Großaktionär ist, sich „in der Kommunikation“ besser abstimmen zu wollen. Erst kürzlich hatte Volkswagen Rieseninvestitionen in die E-Mobilität angekündigt, auch an Standorten in Niedersachsen. *kreiszeitung.de und deichstube.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Sina Schuldt/dpa

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