Für mehr Sicherheit im Straßenverkehr

Jahreskarte für Bus und Bahn gegen Führerschein: Bundesland bietet Senioren Tausch an

Ein Projekt in Baden-Württemberg setzt sich für mehr Sicherheit im Straßenverkehr ein: Senioren können ihren Führerschein eintauschen. Gegen ein ÖPNV-Jahresticket.

Stuttgart – Bei den meisten Menschen lassen im Alter die Beweglichkeit und das Reaktionsvermögen im Laufe der Jahre nach. Außerdem hören und sehen viele Rentner schlechter und ihre Konzentrations- sowie Aufmerksamkeitsleistung nimmt ab. Aus dem Grund gelten ältere Fahrer häufig als Risikofaktor im Straßenverkehr. Baden-Württemberg will nun dagegen vorgehen und bietet Personen über 65 Jahren ein kostenloses Jahresticket des öffentlichen Personennahverkehrs an – im Tausch gegen ihren Führerschein.

Deutsches Land:Baden-Württemberg
Fläche:35.751 km²
Bevölkerung:11,07 Millionen (Stand: 2019)
Hauptstadt:Stuttgart

Jahreskarte für öffentliche Verkehrsmittel: Dafür können Senioren in Baden-Württemberg ihren Führerschein eintauschen

„Es braucht keinen Führerschein, um mobil zu sein“, äußert sich Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) laut Spiegel zur Erklärung des bundeslandweiten Projekts. Ab dem 1. Dezember 2021 können Senioren in einigen Regionen Baden-Württembergs einmalig ein kostenloses Jahresticket für den Nahverkehr beantragen und müssen im Gegenzug dafür ihren Führerschein für das Jahr abgeben. Im Zuge dessen müssen sie ihren Führerschein an die Fahrerlaubnis­behörde zurückgeben. Wer unabhängig vom Alter bald wohl seinen Führerschein abgeben muss, ist CDU-Politiker Philipp Amthor* – weil er 50 km/h zu schnell gefahren ist!

Eine weitere Voraussetzung für die Teilnahme an der Aktion ist ein Erstwohnsitz in einem der jeweiligen Verbundgebiete. Für das Projekt hat das Landesministerium für Verkehr einen Kooperationsvertrag mit zahlreichen Verkehrsverbünden geschlossen, die im folgenden aufgelistet werden und die laut Spiegel unter anderem an dem Projekt beteiligt sind:

  • bodo (Bodensee-Oberschwaben Verkehrsverbund GmbH)
  • DING (Donau-Iller-Nahverkehrsverbund-GmbH)
  • HNV (Heilbronner Hohenloher Haller Nahverkehr GmbH)
  • htv (Heidenheimer Tarifverbund)
  • KVV (Karlsruher Verkehrsverbund GmbH)
  • OstalbMobil (OstalbMobil GmbH)
  • RVL (Regio Verkehrsverbund Lörrach GmbH)
  • VHB (Verkehrsunternehmen Hegau-Bodensee Verbund GmbH)
  • VVR (Verkehrsverbund Rottweil GmbH)
  • VVS (Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart GmbH)
  • WTV (Waldshuter Tarifverbund GmbH)
Baden-Württemberg: Ältere Personen können ihre Fahrerlaubnis gegen ein ÖPNV-Ticket tauschen. (kreiszeitung.de-Montage)

Straßenverkehr soll sicherer gestaltet werden: ÖPNV-Jahresticket im Tausch für den Führerschein von Senioren

Verkehrsminister Hermann zufolge beteiligt sich das Land Baden-Württemberg mit bis zu drei Millionen Euro an dem Tausch-Projekt. Die übrigen Kosten, mindestens aber 50 Prozent, würden von den Verkehrsverbünden übernommen, berichtet der Spiegel. In der norddeutschen Stadt Lübeck wird dieses Modell bereits getestet: Dort können Autofahrer – unabhängig vom Alter – ihren Führerschein gegen Bustickets eintauschen*.

Indem ältere Menschen zunehmend in Busse und Bahnen gelockt werden, soll der Straßenverkehr sicherer gestaltet werden. Denn über ein Drittel von tödlich verunglückten Verkehrsteilnehmern seien 65 Jahre und älter, betont Hermann gegenüber dem Spiegel. Außerdem tragen Senioren ihm zufolge als Fahrer in mehr als zwei von drei Unfällen auch die Hauptschuld. Da sie eine „Gefahr für den Verkehr“ darstellen, sollen ältere Menschen nun auch zum Führerschein-TÜV.

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Jahreskarte-Projekt erntet deutliche Zustimmung – denn Zahlen von Senioren in Deutschland werden steigen

Aufgrund des demografischen Wandels und der damit stets zunehmenden Zahl an Rentnern und Senioren in Deutschland ist nicht davon auszugehen, dass diese Zahlen in Zukunft abnehmen werden – im Gegenteil: Angaben des Ministeriums zufolge sei in den kommenden Jahren mit einer wachsenden Anzahl von Verkehrsteilnehmern über 65 Jahren zu rechnen.

Von Bernd Ebert aus dem Landesseniorenrat erntet das Projekt deutliche Zustimmung: Dieses stelle für ältere Menschen eine Möglichkeit dar, „eine längst fällige, aber aufgeschobene Entscheidung zu treffen. Wenn das Führen eines Pkw im Stadtverkehr wegen körperlicher Gebrechen oder wegen nachlassender Leistung im Sehen und Hören immer schwerer fällt und man sich unsicher fühlt, kann dieses Angebot ein Anreiz oder ein letzter Anstoß sein, den Führerschein zurückzugeben“, erklärt Ebert laut Spiegel.

Doch natürlich sorgen nicht nur Senioren mit Führerschein für Chaos auf den Straßen: Insbesondere jüngere Personen treiben ohne Fahrerlaubnis immer wieder ihr Unwesen im Straßenverkehr. Ein 20-Jähriger baute ohne „Lappen“ und Versicherung in Diepholz erst kürzlich einen Unfall* und ein 17-Jähriger überschlug sich – mit einem Kind im Auto und ohne Führerschein – bei einem Unfall mit einem Audi*. * kreiszeitung.de und 24hamburg.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Ute Grabowsky/imago/Andreas Arnold/dpa

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