Gesundheit

Ist Deutschland reif für Rauchverbote in der Außengastronomie?

Ein Aschenbecher auf einem Tisch in einem leeren Biergarten, davor ein Piktogramm montiert, das auf ein Rachverbot hinweist.
+
In der Innengastronomie gilt das Rauchverbot schon lange. Kommt es auch bald für die Außengastronomie? (kreiszeitung.de-Montage)

Das Rauchverbot in Gaststätten begleitet uns nun schon seit mehr als einem Jahrzehnt. Wir haben uns in Innenräumen daran gewöhnt. Aber was ist mit der Außengastronomie?

Hannover/Berlin – An das Rauchverbot in Gaststätten hierzulande haben sich die Raucherinnen und Raucher längst gewöhnt. Rauchverbote in der Gastronomie – das sorgte 2007 für einen Aufschrei in der Branche, Weltuntergangsszenarien für die Eckkneipe machten die Runde. Inzwischen herrscht in allen Bundesländern ein mehr oder weniger strikter Tabakbann in Kneipen und auch geöffnet haben die meisten der Bars noch. Selbst Lidl verbannte jüngst Tabakwaren aus seinen Regalen*. Aber was wäre, wenn man künftig nicht einmal mehr im Biergarten rauchen dürfte?

Land:Deutschland
Fläche:357.581 Quadratkilometer
Einwohner:83.155.031 (Stand: 31. Dezember 2020)
Internationale Vorwahl:+49
Regierungschefin:Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel (CDU)

Zugegeben, ein ziemlich unwahrscheinliches Szenario, das sicherlich aufgrund fehlender Akzeptanz auch noch schwer umzusetzen sein dürfte. Hat sich doch inzwischen fast jeder daran gewöhnt, an die frische Luft zu gehen, um eine zu qualmen.

Rauchverbot in der Außengastronomie: Englische Städte erlauben draußen nur noch Nichtraucherbereiche

Ganz so unrealistisch ist das Szenario allerdings nicht, zumindest andernorts: beispielsweise in England. Dort planen gleich mehrere Städte, das Rauchen zunehmend aus der Außengastronomie zu verbannen. So zum Beispiel die Städte Manchester oder Newcastle, die Lizenzen für erweiterte Sitzflächen auf Bürgersteigen ausgeben – allerdings nur, wenn dort ein Rauchverbot herrscht. Andere Kommunen wollen nachziehen, berichtet der „Guardian“. Selbst der Zigarettenkonzern Philipp Morris will in Großrbritannien bald keine Zigaretten mehr verkaufen*.

In England und Neuseeland wird das Rauchverbot in der Außengastronomie zusehends Realität – Kauf von Zigaretten ab dem Jahrgang 2004 verboten

So kündigte nun auch jüngst die Grafschaft Oxfordshire an, dass man bis 2025 rauchfrei werden will. Doch das ist noch nicht alles. Wie der „Guardian“ schreibt, will auch Neuseeland bis 2025 rauchfrei sein. Dafür hat die Regierung sich extra ein neues Verbot einfallen lassen, das auf diese Art und Weise ziemlich einmalig auf der Welt sein dürfte: Demnach darf keiner mehr Zigaretten kaufen in dem Land, der nach dem Jahr 2004 geboren wurde. Junge Menschen sollen also erst gar nicht anfangen zu qualmen.

Und in Deutschland? Im Vorfeld der Nichtraucherschutzgesetze gab es massive Sorgen, die Gastronomie könne pleitegehen – was sich in dem einen oder anderen Fall auch so bewahrheitet hat. Aber eben nicht überall. Letztendlich sei dies nicht wahr geworden, und man habe sich „in Windeseile daran gewöhnt“, glaubt der Psychologe und Soziologe Reiner Hanewinkel, Leiter des Kieler Instituts für Therapie- und Gesundheitsforschung. Doch für weitere einschneidende Schritte sieht er die Gesellschaft noch nicht bereit. „Das würde großes Geschrei geben.“

Rauchverbot in der Außengastronomie: Rauchender Anteil bei Erwachsenen liegt bei etwa 28 Prozent

Der Anteil rauchender Erwachsender liegt laut Bundesregierung derzeit bei etwa 28 Prozent, Tendenz sinkend. Auch der Anteil rauchender Jugendlicher hat sich demnach innerhalb der vergangenen zehn bis 15 Jahre um zwei Drittel verringert*. Allerdings steige der Konsum von E-Zigaretten – vor der die WHO warnt* – insbesondere bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen.

Aus der Sicht von Wissenschaftlern kann der Anteil rauchender Erwachsener und Jugendlicher mit entschlossenem Handeln der Politik auf fünf beziehungsweise zwei Prozent gedrückt werden. Eine Gruppe von Krebsforschern um das Krebsforschungszentrum (DKFS), die Deutsche Krebshilfe und andere Organisationen hat die Bundesregierung aufgefordert, den Konsum durch strenge Maßnahmen zu reduzieren.

Der Weg dahin führt aus Sicht der Forscher vor allem über die Preise: Sie fordern eine radikale Erhöhung der Tabaksteuer, um die Preise für Tabak jährlich um mindestens zehn Prozent zu steigern. Die Bundesregierung plant für 2022 bis 2026 nur mit Anhebungen von etwa 2,5 Prozent pro Jahr. Es überrascht nicht, dass die Bundesdrogenbeauftragte Daniela Ludwig sich eine andere Staffelung mit einer „intensiveren Lenkungswirkung“ hätte vorstellen können.

Rauchverbot in der Außengastronomie: Komplettes Verbot für Tabakwerbung um rauchfrei zu werden

Zur Strategie für ein tabakfreies Deutschland gehört demnach auch ein komplettes Verbot von Tabakwerbung. Das beinhaltet standardisierte Verpackungen, bei denen beispielsweise der Markenname nur in einer Standardschrift erscheinen darf. Einheitliche Packungsfarbe und Schrift, keine Logos oder andere grafischen Elemente sollen die Aufmerksamkeit der Jugendlichen für Warnhinweise erhöhen. Erste Studien deuten darauf hin, dass so der Anteil von Rauchern sinkt.

Zumindest die Werbung für Tabakprodukte wurde und wird in Deutschland immer mehr eingeschränkt - in kleinen Schritten. Ab Anfang 2022 soll Außenwerbung für Tabakprodukte nur noch in Ausnahmefällen möglich sein, Plakatwerbung für Zigaretten an Wänden und Haltestellen ist dann tabu. Von Anfang 2023 an gilt das auch für Tabakerhitzer und ab 2024 für E-Zigaretten. Im Kino darf schon seit Jahresbeginn nur noch bei Filmen Werbung für Tabakprodukte gemacht werden, die nicht für die Jugend freigeben sind.

Doch es geht auch anders. Australien beispielsweise verfolgt eine deutlich strengere Strategie: Schachteln werden laut einer Regelung von 2012 in Einheitsfarbe verkauft, ohne Logo und mit Horrorbildern etwa von Geschwüren. Zudem sind Zigaretten teuer: Eine 25er-Packung kann umgerechnet 30 Euro kosten. In Pubs gibt es ausgewiesene Raucherzonen, wo nicht gegessen werden darf, und andersherum.

Rauchverbot in der Außengastronomie: Kleine Eckkneipen sind mit den Jahren auf der Strecke geblieben

Draußen gar nicht mehr zu rauchen – das wäre ein weiterer Schritt eines Prozesses, bei dem man die Menschen mitnehmen müsse, meint Hanewinkel. Zuerst müsse ein komplettes Rauchverbot in den Gasträumen her – denn das gebe es nur in Bayern, Nordrhein-Westfalen und im Saarland. Auch an Bushaltestellen solle das Rauchen verboten werden, schlägt er vor. „Da würden viele mitgehen.“

Und was ist im Stadion? Oder im Auto? Fest steht aus seiner Sicht: „Wir haben uns an Verbote sehr schnell gewöhnt.“ In den Zügen der Deutschen Bahn sei der Anteil der Raucherbereiche im Laufe der Jahrzehnte immer weiter gesunken, sagt eine Bahnsprecherin. Seit vielen Jahren schon darf man in Zügen nun gar nicht mehr qualmen.

Rauchverbote in der Außengastronomie: Wo gegessen wird, wird nicht geraucht

Nach Einschätzung des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes berücksichtigen Rauchverbote mit klar definierten Ausnahmen nicht nur Nichtraucher- und Jugendschutz, sondern auch Wünsche der rauchenden Gäste und der Wirte. Es gelte: Wo gegessen wird, wird nicht geraucht. Das sei ein „guter Kompromiss“, heißt es in einer Stellungnahme. „In Ländern wie NRW und Bayern mit einem strikten Rauchverbot sieht es leider anders aus. Hier sind die Umsätze in der getränkegeprägten Gastronomie eingebrochen, viele kleine Eckkneipen sind mit den Jahren auf der Strecke geblieben.“

Ist Rauchen überhaupt noch angesagt? Sicher nicht, meint Hanewinkel. Vor allem Zigaretten seien „etwas out“ – anders als neue Produkte wie E-Zigarette oder Shisha. Das habe noch immer viel mit dem Image zu tun. Dass Menschen mit dem Rauchen beginnen, sei ein „soziales Geschehen“, wichtige Zeitpunkte seien die Pubertät und der Eintritt ins junge Erwachsenenalter. * kreiszeitung.de, fnp.de, fr.de, merkur.de und giessener-allgemeine.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Dampftag im Kreismuseum

Dampftag im Kreismuseum

Sauberhafte Zeiten: Vorwerk-Aktionssets mit gratis Extra sichern

Sauberhafte Zeiten: Vorwerk-Aktionssets mit gratis Extra sichern

Was Hobbyköche über die Schwarzwurzel wissen sollten

Was Hobbyköche über die Schwarzwurzel wissen sollten

Bin ich gegen Corona immun? Jetzt mit dem Corona-Antikörper-Selbsttest herausfinden

Bin ich gegen Corona immun? Jetzt mit dem Corona-Antikörper-Selbsttest herausfinden

Meistgelesene Artikel

Obszöne Rutsche auf Kinderspielplatz entsetzt: „Da fällt einem nix mehr ein“

Obszöne Rutsche auf Kinderspielplatz entsetzt: „Da fällt einem nix mehr ein“

Obszöne Rutsche auf Kinderspielplatz entsetzt: „Da fällt einem nix mehr ein“
E-Auto brennt ab – Fahrer soll General Motors 12.000 Euro zahlen

E-Auto brennt ab – Fahrer soll General Motors 12.000 Euro zahlen

E-Auto brennt ab – Fahrer soll General Motors 12.000 Euro zahlen
A1-Anschlüsse gesperrt: Posthausen und Stuckenborstel betroffen

A1-Anschlüsse gesperrt: Posthausen und Stuckenborstel betroffen

A1-Anschlüsse gesperrt: Posthausen und Stuckenborstel betroffen
„Traumatisiert“: Veganerin klagt KFC an – weil sie Fleisch gegessen hat

„Traumatisiert“: Veganerin klagt KFC an – weil sie Fleisch gegessen hat

„Traumatisiert“: Veganerin klagt KFC an – weil sie Fleisch gegessen hat

Kommentare