Rechtsextreme und Salafisten werben im Internet um jungen Nachwuchs

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Der Islamwissenschaftler Rüdiger Lohlker (v.l.), die Verfassungsschutzpräsidentin Maren Brandenburger und der Innenminister Boris Pistorius (SPD) stehenwährend des Symposiums des niedersächsischen Verfassungsschutzes zum Thema Salafismus und Islamfeindlichkeit in Hannover (Niedersachsen) zusammen.

Hannover - Die auch in Niedersachsen wachsende Salafisten-Szene ist für Neonazis ein gefundenes Fressen: Sie setzen die Extremisten mit dem Islam gleich und machen Stimmung gegen alle Muslime. Beide Extremisten-Gruppen gefährden die Demokratie, warnt Innenminister Pistorius.

Der Extremismus kommt aus unterschiedlichen Ecken, ist aber für die Demokratie gleichermaßen gefährlich. Zudem hat er es mit seiner Internet-Propaganda auf junge Leute abgesehen. Die wachsende Zahl radikaler Salafisten auch in Niedersachsen leistet nach Einschätzung von Innenminister Boris Pistorius (SPD) einer Islamfeindlichkeit Vorschub, aus der Rechtsextreme Profit schlagen.

„Wir müssen verhindern, dass Muslime pauschal für die Taten von wenigen Extremisten verantwortlich gemacht werden“, sagte Pistorius am Mittwoch zum Auftakt einer Experten-Tagung des Verfassungsschutzes in Hannover. Rechtsextreme nämlich machten sich eine bis in die Mitte der Gesellschaft reichende Angst vor Islamisten zunutze, um gegen Muslime im Allgemeinen Stimmung zu machen.

Die vier Millionen Muslime in Deutschland hätten gemeinsam, dass sie ein ganz normales Leben führten. Protestbewegungen wie Pegida aber, in denen sich viele Rechtsextreme tummelten, versuchten, den Islam mit der kleinen Minderheit der Salafisten über einen Kamm zu scheren, sagte Pistorius. „Für das Funktionieren der Demokratie stellt die pauschale Verunglimpfung des Islams und der Muslime durch rechtsextreme Islamhasser eine mindestens ebenso große Gefahr dar, wie islamistische Einstellungen.“

Aktuell schätzt der Verfassungsschutz die Zahl der Salafisten in Niedersachsen auf etwa 400 - die Tendenz ist steigend. Dem rechtsradikalen Umfeld werden rund 1400 Menschen zugeordnet, darunter etwa 350 Neonazis.

Verfassungsschutzpräsidentin Maren Brandenburger betonte auf der Tagung, dass von den aus Syrien zurückkehrenden Islamisten eine unverändert hohe Gefahr ausgehe. „Die größte Herausforderung für die Sicherheit in Deutschland resultiert derzeit zweifellos aus den Aktivitäten des sogenannten Islamischen Staates.“ Die Gefahr der Rückkehrer liege darin, dass bei ihnen ein Motiv zur Durchführung von Anschlägen und die Fähigkeit dazu vermutet werden können.

Nach Einschätzung des Islamwissenschaftler Prof. Rüdiger Lohlker lockt die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) verstärkt Frauen an. Neuerdings gebe es ein gezieltes Anwerben von Frauen mit medizinischen Kenntnissen. In Europa und auch in Tunesien gebe es eine wachsende Faszination von Frauen für die Terrormiliz. „Das ist ein völliges Novum.“

dpa

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