Zweijährige Irakerin soll neues Gesicht bekommen

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Die beiden Ärztinnen Tina Peters (links) und Pirkko Fischer untersuchen im Klinikum in Braunschweig die zweijährige schwerstverbrannte Maryam, die heute operiert wird.

Braunschweig - Von Anita Pöhlig - Maryam ist ein fröhliches und neugieriges Kind. Katzen findet die Zweijährige spannend, Käse und Wurst gehören zu ihren Lieblingsspeisen. Das hört sich alles ganz normal an. Doch das Leben der kleinen Irakerin ist nicht normal. Gerade 40 Tage alt war das Mädchen, als ihr Gesicht im Februar 2008 bei einem Feuer in ihrem Elternhaus im Irak extrem verbrannte.

Selbst in Deutschland hätte sie kaum eine Überlebenschance gehabt. „Wir haben um ihr Leben gekämpft, das verbindet“, erzählt Pirkko Fischer, Ärztin für Plastische Chirurgie im Klinikum Braunschweig. Heute wurde Maryam dort operiert. Es war die dritte große und nicht die letzte Operation für Maryam.

Fischer hatte 2008 drei Monate im nördlichen Irak für die medizinische Nothilfeorganisation “Ärzte ohne Grenzen“ gearbeitet. „Rund 70 Brandopfer haben wir pro Monat in der dortigen Klinik behandelt“, erzählt die 33-Jährige. Nicht alle seien Kriegsopfer. Da im Irak häufig Kerosin zum Kochen und Heizen benutzt werde und auch schadhafte Gasleitungen in den Städten lägen, käme es sehr häufig zu Hausbränden. Auch in dem Haus, in dem die am 18. Januar 2008 geborene Maryam mit ihren Eltern und vier Geschwistern lebte, brannte es.

Da es auch im Irak im Winter kalt wird, lag Maryam dick eingewickelt in einer Wiege. Die Mutter rettete das Kind aus den Flammen, doch das kleine Gesicht war bereits stark verbrannt. Zudem hatte das nur drei Kilogramm schwere Baby eine Rauchvergiftung. Sechs Tage nach dem Brand war ihr Zustand dann so stabil, dass die Ärzte den ersten Eingriff wagten. In einer fünfstündigen Operation entfernten sie die verbrannte Haut und transplantierten Haut vom Oberschenkel in das Gesicht. Nun hatte Maryam eine Überlebenschance. Doch ihre Nase fehlt, ein Ohr ist verbrannt, ihr linkes Auge ist betroffen, ihren Mund kann sie nicht richtig schließen und viele Narben zeichnen ihr Gesicht.

Die kleine Maryam mit den Ärztinnen Tina Peters (links) und Pirkko Fischer.

Die deutsche Ärztin hält den Kontakt zu den Eltern. Eineinhalb Jahre später holt Pirkko Ficher das Kind mit der Hilfsorganisation „Luftbrücke Irak“ nach Deutschland. Im Sommer 2009 operieren Ärzte in Osnabrück das linke Auge. Am Freitag nun sollte der Mund gerichtet werden. „Wir wollen den Mund soweit rekonstruieren, dass Maryam das Essen nicht immer wieder rausrutscht und richtig sprechen lernen kann“, erläutert Oberärztin Tina Peters, die gemeinsam mit Fischer den Eingriff vornehmen wird.

Unterstützt werden sie im OP-Saal von dem Brandexperten Professor Oliver Rennekampff von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), einem Narkosearzt und drei OP-Schwestern. Sie alle stehen für die Operation unentgeltlich zur Verfügung, die Kosten für den Krankenhausaufenthalt übernimmt die Klinik. Für alle weiteren Aufwendungen wie Unterbringung und Pflege hat das Rote Kreuz ein Spendenkonto eingerichtet. Auch Pflegeeltern hat das Rote Kreuz für Maryam vermittelt.

Seit dem Sommer lebt Maryam etwa 20 Kilometer nördlich von Braunschweig bei der Altenpflegerin Claudia Seikowski und der Ingenieurin Andrea Willert. Sie waren sofort bereit Maryam bei sich aufzunehmen. Täglich gilt es mit dem Kleinkind Mundmassage, Schnuller- und Augentraining zu absolvieren. „Sie ist ein fröhliches Mädchen, das selten jammert und quengelt“, erzählt Willert. Wie andere Zweijährige auch, fange sie an zu sprechen und sei begeistert von Tieren, insbesondere von Katzen.

Wenn alles gut geht, kann Maryam in sechs bis acht Wochen wieder zu ihrer Familie in den Irak fliegen. Um ein halbwegs normales Leben führen zu können, muss das Mädchen bis es ausgewachsen ist, allerdings noch viele Operationen über sich ergehen lassen. Pirkko Fischer, Tina Peters, Claudia Seikowski, Andrea Willert und alle anderen Helfer wollen Maryam soweit wie möglich auch dann zur Seite stehen.

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