Virologe ordnet steigende Werte ein

Corona-Inzidenz steigt wieder: Lockern wir zu schnell?

Erstmals seit drei Wochen ist die Sieben-Tage-Inzidenz in Deutschland wieder höher als in den Tagen zuvor. Auch Niedersachsen und Bremen melden leicht steigende Inzidenzwerte.

Berlin/Hannover/Bremen – Die bundesweite Corona-Inzidenz steigt wieder leicht. Demnach wurden den Gesundheitsämtern am Mittwoch, 2. Juni 2021, 36,8 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche in Deutschland gemeldet. Einen Tag zuvor wurde der Wert mit 35,2 angegeben (Vorwoche: 58,4). Zuletzt gestiegen war die Inzidenz von 9. auf den 10. Mai, seitdem war sie kontinuierlich gefallen. Inzwischen wird sogar vor einer vierten Welle* gewarnt.

Region7-Tages-Inzidenz
Bremen:35,7 (Vortag: 31,4)
Niedersachsen:26,2 (Vortag: 24,0)
Deutschland:36,8 (Vortag: 35,2)

Der Corona-Inzidenzwert in Niedersachsen ist ebenfalls erneut leicht gestiegen, bleibt aber auf niedrigem Niveau. Die Sieben-Tage-Inzidenz lag am Mittwoch bei 26,2 und damit über dem Wert vom Vortag (24,0), wie aus den Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) hervorgeht. 370 neue Infektionsfälle wurden registriert.

Inzidenz steigt wieder: Stadt Emden ist mit einer Inzidenz von 138,2 Spitzenreiter in Niedersachsen

Weiterhin bleibt die Stadt Emden (138,2) die einzige mit einem kritischen Wert über 100. Alle anderen Kommunen liegen aktuell unter der Schwelle von 50, sodass zahlreiche Lockerungen greifen. In den Landkreisen Friesland, Uelzen, Harburg und Cuxhaven liegt die Inzidenz sogar unter 10.

Im Bundesland Bremen lag die Sieben-Tage-Inzidenz am Mittwoch bei 35,7 und damit über dem Wert vom Vortag (31,4). Aufgesplittet ergibt sich so ein Wert von 34,4 für die Stadt Bremen (Vortag: 34,5) und einen Wert von 37,0 in Bremerhaven (Vortag: 37,0). In Niedersachsen ist am Montag, 31. Mai eine neue Corona-Verordnung in Kraft getreten, die zahlreiche Lockerungen vorsieht. Auch in Bremen gelten seit Montag neue Corona-Regeln.

Corona-Inzidenz steigt wieder: Pfingstmontag trägt die Schuld an höherem Inzidenzwert

Lockern wir also doch schon zu früh? Was der Inzidenz-Anstieg genau bedeutet, ist nur schwer einzuschätzen. Das RKI hatte nach dem Pfingstmontag in der vergangenen Woche darauf hingewiesen, dass der Feiertag zunächst zu weniger gemeldeten Erregernachweisen – und damit einer niedrigeren Inzidenz – geführt haben dürfte.

Kommen die Lockerungen zu schnell? Bundesweit und in Niedersachsen steigen die Inzidenzwerte wieder leicht.

„Ich denke, man sollte das bisher noch nicht als Hinweis auf Umkehr des positiven – also abnehmenden – Trends der Inzidenzzahlen sehen“, erklärt dazu Virologe Matthias Stoll von der Medizinischen Hochschule Hannover im Gespräch mit kreiszeitung.de. Die Daten für heute seien die am Dienstag als Meldung beim Gesundheitsamt eingegangenen Daten: „Also im Wesentlichen an dessen Vortag diagnostizierte Fälle“, so der Professor für Infektiologie weiter.

Optimistisch zuwarten heißt die Devise, unterstreicht der Mediziner: „Bis wir Effekte der jetzt schrittweise um sich greifenden Lockerungen sehen, würde etwa 10 bis 14 Tage oder länger dauern! Wir müssen also wachsam bleiben.“ Stoll warnt gleichzeitig davor, bereits das Ende der Pandemie auszurufen: „43 Prozent Erstimgeimpfte und 18 Prozent Vollgeimpfte reichen noch nicht für eine Herdenimmunität.“

Inzidenzwert steigt wieder: Kontaktbeschränkungen sind nur gelockert, nicht aufgehoben

Deshalb würden derzeit ja noch viele Kontaktbeschränkungen bestehen bleiben: „Sie sind nur gelockert aber nicht aufgehoben.“ Inzwischen wurde sogar herausgefunden, dass die Mehrheit der Deutschen auch nach Corona beispielsweise auf eine Mund-Nasen-Bedeckung nicht verzichten möchten.

Ohne solche Restriktionen müsste derzeit mit einem Wiederanstieg der Fälle gerechnet werden. Das Motto kann laut Stoll daher nur sein: „Schrittweise reduzieren, dabei so behutsam und langsam in den Schritten vorangehen, dass man a rechtzeitig Gegenlenken kann und b erkennen kann, welcher Schritt im Abstand von mindestens 14 Tagen welche Auswirkungen zeigt.“ Exakte Vorhersagen wie es genau kommen wird, seien leider nicht möglich. * kreiszeitung.de und merkur.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Hauke-Christian Dittrich/dpa

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