Änderung der Corona-Verordnung

Bundesweit höchste Inzidenz im Kreis Lüneburg: Ab heute gelten strengere Regeln

Nach einer Abi-Feier führt der Landkreis Lüneburg die Inzidenz-Liste in Niedersachsen an. Mit der neuen Corona-Verordnung des Landes setzt der Landkreis auf gezieltes Handeln.

Lüneburg – Der Kreis Lüneburg steht derzeit an höchster Stelle der niedersächsischen Landkreise und kreisfreien Städte im Vergleich der Inzidenzwerte. Mit einem Wert von 73,9 am Mittwoch hat der Kreis die mit Abstand höchste Inzidenz in Niedersachsen. Bundesweit lag er erst noch hinter Solingen auf Platz zwei, steht nun jedoch an der Spitze. Ursache des hohen Werts ist wohl vor allem eine Abiturfeier in Bardowick, bei der ein Teilnehmer unwissentlich mit dem Coronavirus infiziert war.

Landkreis:Lüneburg
Bundesland:Niedersachsen
Verwaltungssitz:Lüneburg
Kreisgliederung:43 Gemeinden

Nach Angaben der Sprecherin des Landkreises Lüneburg, Urte Modlich, sind aktuell rund 92 Infektionen auf die Feier zurückzuführen.

Inzidenz im Kreis Lüneburg: Neue Corona-Allgemeinverfügung gilt ab 28. Juli 2021

Am Montag teilte der Landkreis mit, dass über das Wochenende der Inzidenzwert noch einmal gestiegen sei. Der Inzidenzwert lag damit den dritten Tag in Folge über der Stufe von 50. In der Folge müsse der Landkreis eine neue Allgemeinverfügung veröffentlichen, mit Gültigkeit ab dem 28. Juli.

Der Kreis könne diesmal jedoch Ausnahmen für Bereiche festlegen, sofern das Land seine Verfügung wie angekündigt ändert. Diese Änderung hat Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD) in der wöchentlichen Pressekonferenz der Landesregierung nun vorgestellt. Am Dienstagnachmittag wolle sie die Änderungen unterschreiben und somit „scharf schalten“.

Wir nutzen den deutlich erweiterten Handlungsspielraum der neuen Landesverordnung, so dass viele Bereiche nicht von den strengeren Regeln betroffen sind.

Erster Kreisrat Jürgen Krumböhmer

Auch der Landkreis Lüneburg hat noch am Dienstagnachmittag die neue Allgemeinverfügung veröffentlicht. Diese bezieht sich, wie angekündigt, auf die Möglichkeit, einzelne Bereiche von Beschränkungen auszunehmen. „Die rasanten Entwicklungen der vergangenen Tage sind weit überwiegend auf eine Party zurückzuführen“, sagt Erster Kreisrat Jürgen Krumböhmer. „Insofern nutzen wir den deutlich erweiterten Handlungsspielraum der neuen Landesverordnung, sodass viele Bereiche nicht von den strengeren Regeln betroffen sind.“

Landkreis Lüneburg macht von Handlungsspielraum der Corona-Verordnung für den Einzelhandel Gebrauch

Festgelegt ist nun, dass private Treffen mit insgesamt einem Haushalt und zwei weiteren Personen eines anderen Haushalts möglich sind. Dies gilt sowohl drinnen, als auch draußen. Nicht eingerechnet werden Kinder bis 14 Jahre sowie vollständig Geimpfte und Genesene. In Kindertagesstätten gilt das Szenario B und für Kinder ab sechs Jahren eine Maskenpflicht.

Die Werte im Landkreis Lüneburg sind stark gestiegen, was wohl vor allem mit einer Abiturfeier in Bardowick zusammen hängt. Die neue Allgemeinverfügung berücksichtigt das einschränkbare Infektionsgeschehen und nimmt andere Bereiche von den neuen Regelungen aus.

Der Landkreis macht vom neuen Handlungsspielraum Gebrauch und nimmt den Bereich des Einzelhandels aus den neuen Regeln heraus. Da das Infektionsgeschehen eingrenzbar ist, wird der Einkauf auch weiterhin ohne Testnachweis möglich sein. Die Gastronomie kann ebenfalls mit Ausnahmen von den neuen Regeln arbeiten.

Corona-Regeln im Kreis Lüneburg: Innen- und Außengastronomie bleibt mit Hygienekonzept geöffnet

Die Innen- und Außengastronomie bleibt mit einem Hygienekonzept geöffnet. Im Innenbereich dürfen die Tische nur bis zu 50 Prozent belegt werden. Darüber hinaus ist für jeden Restaurant- oder Barbesuch ausschließlich im Innenbereich ein negativer Testnachweis, ein Impf- oder Genesenennachweis erforderlich.

Verringerte Kapazität, Hygienekonzept und Nachweise eines negativen Tests, Impfung oder Genesung sind auch in Kinos und Theatern notwendig. Gottesdienste dürfen mit erhöhten Anforderungen an ein Hygienekonzept stattfinden. Es muss eine medizinische Maske getragen werden, sofern der Sitzplatz nicht eingenommen ist und es darf nicht gesungen werden. Hotels, Pensionen, Ferienwohnungen, Jugendherbergen und Campingplätze dürfen mit einem Hygienekonzept öffnen.

Unser Gesundheitsamt hat das Infektionsgeschehen gut im Griff und wir sind optimistisch, die Neuinfektionen wieder zu reduzieren. In der Zwischenzeit dürfen gerade die Betriebe, die mit den gestiegenen Zahlen nichts zu tun haben, nicht leiden

Erster Kreisrat Jürgen Krumböhmer

„Wir haben uns intensiv mit jedem einzelnen Bereich auseinandergesetzt und wollen die Belastungen für die Menschen möglichst gering halten. Unser Gesundheitsamt hat das Infektionsgeschehen gut im Griff und wir sind optimistisch, die Neuinfektionen wieder zu reduzieren. In der Zwischenzeit dürfen gerade die Betriebe, die mit den gestiegenen Zahlen nichts zu tun haben, nicht leiden“, sagt Krumböhmer zur neuen Verfügung.

Rund 800 Personen in Folge der Abiturfeier vorsorglich in Corona-Quarantäne

Krumböhmer erklärte bereits vorab in einer Mitteilung, dass Geimpfte und Genesene Vorteile bei hohen Inzidenzen haben werden, da für sie in aller Regel die Testpflicht entfällt. Die rund 92 Neuinfektionen beschränken sich auf den Kreis der Gäste der Abi-Party sowie deren Familienangehörige, sagte Modlich.

Die stark gestiegenen Werte im Landkreis Lüneburg hängen wohl vor allem mit einer Abiturfeier in Bardowick zusammen.

Mit der Änderung der Corona-Verordnung des Landes haben die einzelnen Landkreise und kreisfreien Städte nun noch mehr die Möglichkeit, strengere Regeln für bestimmte Bereiche zu erlassen beziehungsweise Bereiche von diesen auszunehmen. Voraussetzung dafür ist, dass eine hohe Zahl von Neuinfektionen auf einen bestimmten Bereich zurückzuführen ist.

In diesem Fall trifft das zu.

Die hohe Zahl der Covid-19-Neuinfektionen ist wohl sicher auf die Abitur-Feier zurückzuführen. Modlich rechnet damit, dass in der Folge noch weitere positive Tests dazukommen. Rund 800 Personen befänden sich zu diesem Zeitpunkt vorsorglich in Quarantäne. Bei diesen sei noch nicht sicher, ob es zu einer Infektion gekommen ist. „Das Gute ist, dass sie sich bereits in Quarantäne befinden“, sagt die Sprecherin, so könne es nicht zu einer weiteren Übertragung kommen.

Niedersachen passt Corona-Verordnung an Infektionsaufkommen an

Auch die niedersächsische Landesregierung sieht ein hohes Infektionsaufkommen in bestimmten Bereichen des Alltags. Die Corona-Verordnung wurde daher nun dahingehend angepasst, dass Diskotheken, Clubs sowie Shisha-Bars bereits ab einem Inzidenzwert von mehr als 10 schließen müssen. Bislang war dies erst ab einem Wert von 35 vorgeschrieben.

Nach unseren Daten sind das genau die Einrichtungen, wo die Infektionszahlen hochgehen.

Claudia Schröder, stellvertretende Leiterin des Corona-Krisenstabs zur früheren Schließung von Diskotheken, Bars und Shisha-Bars

Gesundheitsministerin Behrens sprach von einem „Überlaufventil“: Wenn Hotspots klar auszumachen sind, müsse man andere Bereiche nicht beschränken, sondern nur die ursächlichen. Die stellvertretende Leiterin des Corona-Krisenstabs Claudia Schröder erklärte zudem, dass Treffen und Veranstaltungen unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen „ganz massiv zu einer Infektionssteigerung beitragen“.

Neue Corona-Verordnung: Clubs in Niedersachsen sollen wieder schließen

Diskotheken und Clubs, anders als Bars, seien in der Regel auch die Orte, an denen sich in bestimmten Bereichen bewegt wird, auch miteinander. „Nach unseren Daten sind das genau die Einrichtungen, wo die Infektionszahlen hochgehen“, so Schröder. In Bars würde die Abstandswahrung deutlich besser funktionieren, daher seien „klassische“ Bars und Kneipen auch nicht betroffen.

Für Diskotheken und Clubs im Land Niedersachsen könnte aber bald wieder Schluss sein. Gemäß einer neuen Corona-Verordnung, die ab Mittwoch, 28. Juli 2021 greifen soll, will die Landesregierung die Clubs, Diskos und Shisha-Lokale wieder schließen – in Orten, in denen die Sieben-Tages-Inzidenz über 10 liegt. Auch der Landkreis Lüneburg hat mit seiner neuen Verfügung Diskotheken und Shisha-Bars geschlossen. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Transparenz-Hinweis: Der Artikel wurde am 28. Juli 2021, um 08.47 Uhr, aktualisiert.

Rubriklistenbild: © Philipp Schulze / picture alliance / dpa

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