Chefin der Aufnahmebehörde:

Es darf keine Kapazitätsgrenze geben

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Susanne Graf, Leiterin der Landesaufnahmebehörde.

Braunschweig - Von Valentin Frimmer. Die Flüchtlingsunterkünfte der Landesaufnahmebehörde sind schon lange voll. Und jeden Tag kommen neue Menschen an. Die Situation in den Griff kriegen soll eine recht pragmatische Juristin.

Die Erstaufnahmeeinrichtungen für Flüchtlinge platzen in Niedersachsen aus allen Nähten. Beispiel Braunschweig: Zwischenzeitlich waren in der ursprünglich für 500 Menschen ausgelegten Anlage mehr als 3500 Flüchtlinge untergebracht. Unabhängig von den Zahlen müsse im neuen Jahr vom Krisen- in den Alltagsmodus gewechselt werden, sagte die Chefin der zuständigen Landesaufnahmebehörde, Susanne Graf, im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur. Sie steht seit Juli an der Spitze der Behörde.

Denken Sie manchmal: Wenn ich das gewusst hätte ...

Susanne Graf: Klar, aber ich würde den Satz nicht beenden mit: ... würde ich es nicht wieder machen. Ich gebe aber zu: Ich hätte nicht gedacht, dass die Flüchtlinge ein Dauerthema sein würden. Als ich anfing, waren in Braunschweig 1600 Flüchtlinge untergebracht. Das habe ich damals als „dramatisch“ bezeichnet. Heute weiß ich, dass noch mehr geht, wenn es denn sein muss.

Gibt es eine Kapazitätsgrenze? 

Susanne Graf: Nein, weil es sie nicht geben darf. Die Menschen, die zu uns kommen, fliehen aus ihrer Heimat zum größten Teil vor Gewalt und Terror, möchten sich und ihre Familie in Sicherheit bringen. Und denen soll ich sagen, für sie ist kein Platz mehr bei uns, weil sie leider über irgendeiner festgelegten Zahl liegen?

Wenn Sie drei Wünsche in Bezug auf ihre Arbeit frei hätten, welche wären das? 

Susanne Graf: Ich verstehe meine Aufgabe nicht darin, mir etwas zu wünschen, sondern ich suche nach Lösungen für die Herausforderungen, vor denen wir jeden Tag aufs Neue stehen. Dazu gehört natürlich auch die Überbelegung. Im Moment müssen wir sehr viel improvisieren. In der Regel bleiben die Menschen vier bis sechs Wochen in der Einrichtung und werden dann auf die Kommunen verteilt. Aber die Zeit der Erstaufnahme in einer Turnhalle oder im Sommer in einem Zelt zu verbringen, ist nicht zu viel verlangt. Vor allem wenn Sie daran denken, wie es beispielsweise in Syrien oder im Irak aussieht.

An welchen Stellschrauben können Sie drehen, um die Lage zu verbessern? 

Susanne Graf: Wir können nicht steuern, wie viele Menschen bei uns vor der Tür stehen. Aber wir haben Einfluss, wo wir die Flüchtlinge unterbringen. Mittelfristig kann ich auch mehr Mitarbeiter anfordern. Außerdem ist es wichtig, den Flüchtlingen eine Aufgabe zu geben. Das können Ein-Euro-Jobs, Deutsch- oder Integrationskurse sein.

Was soll 2016 besser werden? 

Susanne Graf: 2015 war ja nicht schlecht. Im Gegenteil. Was wir erreicht haben gemeinsam mit dem Land und den Kommunen war zwar nur durch einen gewaltigen personellen und organisatorischen Kraftakt möglich. Aber trotz der historisch hohen Zugangszahlen musste kein Flüchtling auf der Straße oder unter freiem Himmel schlafen. Was wir im kommenden Jahr schaffen müssen, ist vom Krisen- in den Alltagsmodus umzuschalten. Und zwar unabhängig von den Belegungszahlen. Jeder Standort muss Mindeststandards erfüllen. Vieles läuft noch über Ehrenamtliche. Das möchte ich in ruhigere Fahrwasser steuern.

Sie wollen weniger ehrenamtliche Helfer? 

Susanne Graf: Ich bin den Ehrenamtlichen außerordentlich dankbar für ihr Engagement und das möchte ich auch gar nicht auf null fahren. Aber sämtliche Einrichtungen sollen auch unabhängig von ihnen reibungslos funktionieren, beispielsweise in den Bereichen Integration und Deutschkurse. Natürlich brauchen wir auch weiterhin Ehrenamtliche. Aber sie sollen on top kommen, weil sie - wie alle meine Mitarbeiter auch - insbesondere in den vergangenen Monaten mit extrem hohen Zugangszahlen wirklich Herausragendes geleistet haben und sich einfach auch eine kleine Verschnaufpause verdient haben.

ZUR PERSON: Susanne Graf (43) steht seit Juli diesen Jahres an der Spitze der Landesaufnahmebehörde. Die promovierte Juristin war zuvor bei der Polizeidirektion Braunschweig und im Innenministerium tätig.

dpa

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