Fußballclub für Flüchtlinge

Initiatoren des FC Unlimited werden in Berlin geehrt

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Ralf Kache (m.) mit Spielern des FC Unlimited beim Training.

Lohne/Berlin - In Lohne gibt es seit 2015 den FC Unlimited - einen ehrenamtlich organisierten Fußballclub. Dem Kader gehören Flüchtlinge aus vielen Ländern an. Neben anderen Ehrenamtlichen werden auch die Organisatoren des Projekts am Freitag im Bundeskanzleramt für ihr Engagement in der Flüchtlingshilfe gewürdigt.

Die Spieler des FC Unlimited trainieren derzeit viermal in der Woche in der niedersächsischen Stadt Lohne. Es sind Flüchtlinge, die unter anderem aus Syrien, dem Irak, Afghanistan, der Ukraine und Eritrea kommen. Das Projekt besteht seit Februar 2015. Unterstützt wird der FC Unlimited in Form von Geld und Sachspenden von der Stadt Lohne, einigen Unternehmen und Privatleuten.

Ein Gespräch mit dem Trainer

Ehrenamtlicher Trainer ist Ralf Kache (40). Mittlerweile organisiert sich das Team selbstständig. Einige Spieler übernehmen die Trainingseinheiten, wenn Kache keine Zeit hat. Einige wollen auch eine DFB Trainerlizenz erwerben. Dazu laufen bereits die Planungen. Ein Gespräch mit dem Trainer.

Man sagt, Musik und Sport überwinden fast alle Grenzen. Stimmt das? 
Kache: Ja, beim Thema Sport und besonders beim Mannschaftssport Fußball überwindet man Grenzen und Vorurteile. Die Flüchtlinge untereinander, also Jesiden, Moslems, Christen, haben große Vorurteile, die sie aus ihren Herkunftsländern mitgebracht haben. Beim Fußball spielen die Spieler in einem Team und müssen sich aufeinander abstimmen und einlassen, um erfolgreich zu sein. Konflikt bedeutet Niederlage. Vertrauen und Motivation bedeutet Erfolg.

Ist der Name FC Unlimited Programm? 
Der Name kommt durch die Mitarbeiter der Stadt Lohne, die uns besonders in der Anfangszeit unterstützt haben. Unlimited ist ein sehr, sehr passender Name - Unbegrenzt - Keine Grenzen. Ein Zitat Mandelas passt besonders zu uns: „Sport has the power to change the world. It has the power to inspire. It has the power to unite people in a way that little else does. Sport can create hope where there was previously only despair.“ (Sport hat die Kraft, die Welt zu verändern. Er hat die Kraft zur Inspiration. Wie kaum etwas anderes hat er die Kraft, Menschen zu vereinen. Sport kann Hoffnung schaffen, wo vorher nur Verzweiflung war.)

Arabisch, Englisch oder/und Deutsch - was ist offizielle Platzsprache?
Auf dem Platz sprechen wir Deutsch, dies ist auch ausdrücklich von den Spielern gewünscht. Die meisten sind zwischen 16 und 30 Jahre alt und kommen unter anderem aus Syrien, dem Irak, Afghanistan, der Ukraine und Eritrea.

Gibt es eine hohe Fluktuation im Team?
Immer mehr Spieler haben ihre Sprachkurse absolviert und finden Arbeit. Das ist toll, heißt aber auch, dass wir auf lange Sicht Spieler (vorübergehend) verlieren werden, da viele in der hiesigen Industrie im Schichtbetrieb arbeiten. Leider werden und wurden auch einige unserer Spieler abgeschoben, obwohl sie einer geregelten Arbeit nachkommen und sich nichts zu Schulden haben kommen lassen. Aktuell hat einer unserer Spieler, der aus Bhutan kommt, und seit zwei Jahren in einem Altersheim arbeitet, eine Aufforderung bekommen, das Land zu verlassen. Unverständlich diese Praxis, die dann auch auf unsere Stimmung im Team drückt.

Zur Person: Ralf Kache ist 40 Jahre alt, verheiratet, 3 Kinder. Von Beruf ist er selbstständiger Versicherungsmakler und ehrenamtlicher Fußballtrainer.

dpa

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