Niedersachsens Impfkampagne

Abschied von den stationären Impfzentren und wie es weitergeht

Zum Jahreswechsel ging es mit den ersten Impfungen los und die Impfzentren nahmen ihren Betrieb auf. Nun werden die stationären Einrichtungen zum Ende des Monats geschlossen. Ein Rück- und Ausblick.

Hannover/Osnabrück - Das Ende der großen Impfzentren hat bereits begonnen. Mit der weiterhin, wenn auch langsamer steigenden Impfquote nimmt der Bedarf an den großen Einrichtungen ab. Es müssen nicht mehr möglichst schnell, möglichst viele Menschen gleichzeitig geimpft werden. In Wildeshausen waren für vergangenen Samstag die letzten Zweitimpfungen geplant, danach soll nun der Abbau* beginnen. Auch in der Stadt Osnabrück beginnt mit der neuen Woche der Rückbau des nicht mehr benötigten Impfzentrums, das in einer Sporthalle in der Innenstadt eingerichtet worden war. Das große Impfzentrum der Stadt und Region Hannover auf dem Messegelände* stellte seinen Betrieb ebenfalls mit dem 27. September ein.

Land:Niedersachsen
Landeshauptstadt:Hannover
Einwohnerzahl:8.003.421 (31. Dezember 2020)
Regierungschef:Ministerpräsident Stephan Weil (SPD)
Regierende Parteien:SPD und CDU

Anfang September hat die niedersächsische Gesundheitsministerin Daniela Behrens gemeinsam mit Vertretern der Arbeitsgemeinschaft der kommunalen Spitzenverbände die Arbeit der Impfzentren zusammengefasst und eine Bilanz gezogen. Außerdem wurden die Pläne für den Fortgang der Impfkampagne in staatlicher Verantwortung vorgestellt. Die 50 stationären Zentren sollen in bis zu 134 mobile Impfteams (MIT) umgewandelt und an die örtlichen Gesundheitsämter gebunden werden. Gleichzeitig wird die Hauptverantwortung für Impftempo und -erfolg an die niedergelassenen Ärzte und Ärztinnen übergehen, heißt es in der Mitteilung des Gesundheitsministeriums. Mit Ablauf des 30. Septembers werden die Impfstofflieferungen vom Bund an die Länder eingestellt.

Der aktuelle Stand der Impfungen zum Ende der großen stationären Zentren

In Niedersachsen sind, mit Stand 27. September, 70,4 Prozent der Bevölkerung mindestens einmal und 66,2 Prozent vollständig gegen COVID-19 geimpft. Insgesamt wurden in Niedersachsen - ebenfalls Stand Montag - 5,86 Millionen Impfungen durchgeführt. Die MIT werden künftig durch die Apotheken mit Impfstoff versorgt. Ab Oktober sollen diese Teams dann Auffrischungsimpfungen in den Alten- und Pflegeheimen sowie den Einrichtungen der Eingliederungshilfe durchführen sowie dezentrale Impfaktionen zur Steigerung der Impfquote und gezielte aufsuchende Impfungen bei einem akuten regionalen Infektionsgeschehen. In der Vergangenheit hatte es in Niedersachsen Aktionen wie Drive-in-Impfungen* oder spezielle Tage zum Beispiel zur Impfung von Schülerinnen und Schülern* gegeben.

Das Impfzentrum in Osnabrück wird aktuell zurückgebaut. Damit wird die Schlosswallhalle bald wieder eine Sporthalle.

Auch in Osnabrück wurden seit vergangenem Dezember, als es mit den Impfungen losging, insgesamt mehr als 124.000 Dosen verabreicht, wie ein Sprecher der Stadt sagt. Das bereits damals eingerichtete Impfzentrum nahm seinen Betrieb Ende Januar dieses Jahres auf. Im Nebenraum der als Zentrum genutzten Sporthalle brummte während der Nutzung eine riesige Tiefkühltruhe. Die Abluft heizte den Raum mächtig auf. Dort lagern die letzten Corona-Impfstoffe von Biontech/Pfizer, die die Stadt Osnabrück noch verimpfen will, tiefgekühlt bei mehr als Minus 70 Grad. „Die Tiefkühltruhe haben wir uns von der Hochschule ausgeliehen“, sagte Stadtsprecher Simon Vonstein.

Osnabrück verfügte aber auch über einen Impfbus. Solche niedrigschwelligen Angebote soll es nach Angaben des Sprechers auch in Zukunft in Osnabrück geben, für die auch dann wieder die mobilen Teams im Einsatz sein sollen. Der Aufbau der Teams erfolgt im Auftrag des Landes, das damit auch den Großteil der Kosten trägt. Auch der Bund habe zugesagt, einen Teil der Kosten zu übernehmen, hieß es aus dem Gesundheitsministerium. Die bislang als Impfzentrum genutzte Sporthalle in Osnabrück soll nach den Herbstferien wieder den Schulen zur Verfügung stehen.

Von Auf- und Abbau der stationären Impfzentren in Niedersachsen

Die Entwicklung der Impfkampagne startete bereits Anfang November 2020, als der Bund die Länder darüber informierte, dass bald Impfstoff von Biontech verfügbar sein werde. Um diesen zu verabreichen, würde es notwendig sein, eine gesonderte Infrastruktur für die Impfungen zu schaffen, wie das Gesundheitsministerium in einer Mitteilung zusammenfasst. Auch, dass das Vakzin bei Minus 70 Grad Celsius gekühlt werden muss, machte die großen Impfzentren notwendig. Arztpraxen hätten dies nicht leisten können. Als Ergebnis wurden zum 15. Dezember 50 Impfzentren in den Landkreisen und kreisfreien Städten errichtet und waren einsatzbereit*, die ersten Impfstoff-Lieferungen erfolgen am zweiten Weihnachtsfeiertag. Es sind 9.750, statt der angekündigten 500.000. Impfstoffmangel wird eines der zentralen Hindernisse in der Kampagne werden, wodurch zwischenzeitlich auch Impfungen ausgesetzt* werden mussten. Nicht nur in Niedersachsen.

Auch das gemeinsame Impfzentrum von Stadt und Region Hannover auf dem Messegelände wird am 27. September nach rund acht Monaten seinen Betrieb einstellen.

Die Impfstoff-Knappheit machte es daher auch notwendig, lange nach Prioritäten-Gruppe vorzugehen. Die ersten Personen, die den Schutz erhielten, waren Risikogruppen in Pflegeheimen, Krankenhäusern und ähnlichen Einrichtungen, durch mobile Teams ab dem 27. Dezember 2020. Rund einen Monat später begann die Terminvergabe für Personen, die älter als 80 Jahre sind sowie Menschen, die in ausgewählten Gesundheitsberufen tätig waren. Die ersten Termine wurden für den 1. Februar vergeben.

Das gemeinsame Impfzentrum von Stadt und Region Hannover auf dem Messegelände wird am 27.09.2021 nach rund acht Monaten seinen Betrieb einstellen.

Am 15. März begannen die Impfungen für die Prioritätsgruppe 2, darunter insbesondere Menschen über 70 Jahre. Die vollständige Öffnung der dritten Gruppe nach Teilöffnungen für bestimmte Gruppen, erfolgte am 31. Mai. Mit der erhöhten Liefermenge konnte schließlich am 7. Juni die Priorisierung in Niedersachsen komplett aufgehoben werden. Alle Menschen ab 12 Jahren konnten sich nun um einen Termin zur Schutzimpfung bemühen*. Die Empfehlung der Ständigen Impfkommission für Kinder ab zwölf Jahren* erfolgte jedoch erst Mitte August.

Zuerst hatten wir zu viele Impfwillige und zu wenig Impfstoff, dann hatten wir zwar genügend Impfstoff, aber zu wenig Impfwillige.

Simon Vonstein, Stadtsprecher Osnabrücks

Mit dem Ende der Priorisierungen im Frühsommer standen die kommunalen Impfzentren nun also allen Menschen zur Verfügung, unabhängig von Alter und Beruf. „Zuerst hatten wir zu viele Impfwillige und zu wenig Impfstoff, dann hatten wir zwar genügend Impfstoff, aber zu wenig Impfwillige“, fasst Osnabrücks Stadtsprecher Vonstein das Auf und Ab der Impfkampagne in den vergangenen Monaten zusammen. Niedersachsen konnte dennoch am 27. Juli insgesamt fünf Millionen verabreichte Impfungen melden. Der nächste Meilenstein in der Geschichte der Impfkampagne wird nun die Schließung aller stationären Impfzentren und Umstellung auf mobile Impfteams zum 30. September sein. Die Kosten für die Impfzentren müssten nun abgerechnet werden, sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums. Das werde mindestens bis Ende des Jahres dauern.

Ein verblasstes Piktogramm vor dem Impfzentrum der Stadt Osnabrück: Das Impfzentrum wird aktuell zurückgebaut. Damit wird die Schlosswallhalle bald wieder eine Sporthalle.

Das Land hat die Einrichtung der Impfzentren bezahlt - von den Aktenordnern bis zu Computern und Druckern, so Vonstein. Bis zu einem Wert von 500 Euro sollen die Gegenstände nun an soziale Einrichtungen abgegeben werden. Wertvollere Ausstattung werde ans Land zurückgegeben. Das Gesundheitsministerium will die Ausstattung für acht Impfzentren einlagern, die dann im Bedarfsfall ihre Arbeit schnell wieder aufnehmen können. Mit Material der dpa.kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Friso Gentsch / picture alliance / dpa

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