Genug Antikörper nach Corona-Erkrankung

„Verschwendet“: Zweitimpfung für Genesene laut Immunologen unnötig

Wer von Corona genesen ist, für den reicht laut Immunologen bereits eine einzige Impfung. Doch beim Reisen könnte es damit Probleme geben.

Hannover - Der Immunologe Carsten Watzl hält eine zweite Impfung gegen das Corona-Virus bei Genesenen für unnötig. Zwar sei es nicht gefährlich, „sondern eher verschwendet, weil sie den Antikörperspiegel im Blut nicht mehr merklich nach oben verändert“, sagt der Professor der Deutschen Gesellschaft für Immunologie (DGfI).

Bei Genesenen würde bereits eine erste Impfung genug Schutz bieten. Das gelte auch für eine bereits länger zurückliegende Erkrankung: „Selbst Genesene, die nur noch ganz wenig Antikörper haben, reagieren auf eine Impfung so stark, dass sie danach so hohe Antikörperwerte haben wie Menschen nach der zweiten Impfung“, so Watzl.

FachgesellschaftDeutsche Gesellschaft für Immunologie
VorsitzChristine Falk (2021–2022)
SitzMarburg
Gründung7. Juli 1967

Auch DGfI-Vizepräsident Professor Reinhold Förster appelliert: „Wer genesen ist, ist mit einer Impfung gut geschützt. Bevor man demjenigen die zweite Impfung gibt, sollte man lieber Menschen impfen, die noch keinen Impfschutz haben.“

Zweitimpfung für Genesene: Probleme im Urlaub?

Doch die Sache hat einen Haken. Besonders für Genesene, die in den Urlaub wollen, könnten es an den Grenzen Probleme geben.

Zwar zählt in Deutschland die Kombination aus einmalig geimpft und genesen, um einen vollständigen Schutz gegen das Virus ausweisen zu können, in anderen Ländern jedoch nicht. Laut Bundesgesundheitsministerium bemühe man sich innerhalb der EU zur gegenseitigen Anerkennung der jeweils gültigen Impfschemata.

Corona-Virus: Welcher Impfstoff für Genesene?

Die Ständige Impfkommission (Stiko) am RKI empfiehlt bis zu sechs Monate nach der ersten Impfung zu warten. Laut Immunologe Watzl hat die Sechs-Monats-Frist vor allem etwas mit Impfstoffknappheit zu tun. Er sagt: „Aus immunologischer Sicht könnte man auch schon nach zwei bis drei Monaten impfen.“

In Großbritannien haben sich Genesene mit der Delta-Variante infiziert. Das könnte die Impf-Debatte für Genesene nochmal in ein anderes Licht rücken.

Bei Genesenen können laut RKI alle zugelassenen Impfstoffe verwendet werden. Welcher Impfstoff den besten Booster-Effekt bietet, ist noch nicht wissenschaftlich geklärt. Vergleichbare Studien dazu gebe es keine, sagt Förster. Dennoch sind mRNA-Impfstoffe für Genesene womöglich etwas besser: „Man sieht, dass eine zweite Impfung mit einem mRNA-Impfstoff bei bereits Geimpften einen deutlich besseren Immunisierungsboost gibt, als eine zweite Impfung mit einem Vektorimpfstoff. Von daher könnte man davon ausgehen, dass mRNA-Impfstoffe auch bei Genesenen eine stärkere Schutzwirkung bringen als Vektorimpfstoffe“, sagt Förster. Laut Experten aus Israel bietet der Biontech-Impfstoff jedoch weniger Schutz bei der Delta-Variante.

Schon bald können sich Genesene nach nur einer Impfung mit einem Genesenenzertifikat ausweisen.

Genesenenzertifikat in Arztpraxen und Apotheken

Theoretisch können sie den Genesenen-Status genau wie die Impfung in Nachweis-Apps wie der CovPass-App und der Corona-Warn-App hinterlegen. Der PCR-Test darf nur mindestens 28 und maximal 180 Tage, also sechs Monate, zurückliegen. Ein sogenanntes Genesenenzertifikat soll es etwa in Arztpraxen oder Apotheken geben.

Genesene brauchen laut Immunologen nur eine Impfung gegen das Corona-Virus um vollständigen Schutz zu erhalten.

Klingt einfach, aber das ist es im Alltag nicht immer: In einer Arztpraxis klappt das nur, wenn das dort genutzte Verwaltungssystem die Funktion zur Erstellung des Zertifikats unterstützt – das ist längst nicht bei allen der Fall. Apotheken können Impfzertifikate zwar ausstellen, doch für ein Genesenenzertifikat kann man sich den Weg dorthin (noch) sparen.

Stand jetzt sei das noch nicht möglich, heißt es bei der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA). Das RKI arbeite hier noch an der technischen Umsetzung.* kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © dpa/Julian Stratenschulte

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