Lohnniveau und Anerkennung von Diplomen bleibt Hemmnis

Mehr Grenzpendler zwischen Niedersachsen und den Niederlanden

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Die Zahl der Grenzpendler zwischen Niedersachsen und den Niederlanden

Hannover/Den Haag - Zwar hat die Zahl der Grenzpendler zwischen Niedersachsen und den Niederlanden in den vergangenen Jahren stark zugenommen, die Sprache und Probleme bei der Anerkennung von Berufsabschlüssen bilden aber nach wie vor eine Barriere.

Auch Lohnunterschiede stehen der Annahme eines Jobs im Nachbarland im Weg, teilten die Bundesagentur für Arbeit und das Statistikamt der Niederlande mit. Allgemein pendeln mehr Deutsche für die Arbeit über die Grenze als Niederländer. Diese nämlich entscheiden sich schneller für einen Umzug nach Niedersachsen, wenn sie dort einen Job finden.

Grundsätzlich habe der Pendelverkehr im deutsch-niederländischen Grenzgebiet in den vergangenen Jahren stark zugenommen, insbesondere in Niedersachsen, sagte die Sprecherin der Bundesagentur für Arbeit in Niedersachsen und Bremen, Anja Schmiedeke. Vor allem Niederländer entdeckten die Attraktivität des deutschen Arbeitsmarktes. Nach den jüngsten verfügbaren Zahlen pendelten Mitte 2015 rund 1230 Menschen aus den Niederlanden zum Arbeiten nach Niedersachsen, doppelt so viele wie vor fünf Jahren. Spürbar sei der Trend besonders in der Grafschaft Bentheim und dem Emsland. Branchen, in denen die Holländer vermehrt Arbeit finden, sind der Handel, das verarbeitende und das Baugewerbe sowie der Dienstleistungssektor.

Eine Arbeit in Niedersachsen ist für eine steigende Zahl von Niederländern Anlass, auch ins Nachbarland umzuziehen. 4000 arbeiteten und wohnten Mitte 2015 in Niedersachsen, fünf Jahre zuvor waren es 2920. Den Umstand, dass weniger Niederländer zur Arbeit nach Niedersachsen oder NRW pendeln, als andersherum, begründet die Statistikbehörde in Den Haag mit dem in Deutschland niedrigeren Lohnniveau, der anderen Arbeitsmentalität sowie großer Bürokratie bei der Anerkennung niederländischer Berufsabschlüsse.

Sprache stellt ein Hemmnis dar

Davon kann Beraterin Kathrin Zandman in der Arbeitsagentur in Nordhorn ein Lied singen. „Da haben wir schon die dollsten Dinge erlebt.“ Bis zu sechs Monate könnten bis zur Anerkennung eines niederländischen Berufsabschlusses verstreichen. Am Ende sei etwa die Leiterin einer Kita in den Niederlanden in Deutschland nicht als einfache Erzieherin anerkannt worden. Zum deutschen Föderalismus gehört, das Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen nicht dieselbe Anerkennungspraxis haben. Auch die Sprache stellten bei etlichen Stellen am Ende doch ein Hemmnis dar, vor allem wenn es um schriftliche Sprachkenntnisse geht.

Kulturunterschiede gebe es eigentlich kaum, meinte Zandman, wohl aber praktische Unterschiede. In den Niederlanden bewerbe man sich formloser als in Deutschland per E-Mail und eine Krankschreibung gleich für etliche Tage stellten niederländische Ärzte nicht aus. Der Lohn sei in den Niederlanden unter dem Strich oft etwas höher, der Arbeitgeber zahle ein Kilometergeld für die tägliche Fahrt zur Arbeit und nach einem Hauskauf könnten die Zinslasten steuermindernd geltend gemacht werden.

„Man kann nicht alles vereinheitlichen“

Fehlende Informationen auch bei Arbeitgebern bremsten noch das Einstellen von Fachkräften aus dem Nachbarland, meinte Ilona Heijen vom Arbeitsmarkt-Nord-Projekt der Ems-Dollart-Region. „Das ist etwas, was wir uns auf die Fahnen geschrieben haben.“ Unternehmen müssten sich schlicht über die unterschiedlichen Ausbildungssysteme informieren. „Man kann nicht alles vereinheitlichen, so funktioniert das nicht.“ Noch sei die Grenzregion von einem gemeinsamen Arbeitsmarkt weit entfernt. Wichtig auf dem Weg dahin sei jeder Kontakt mit dem Nachbarland, etwa im Rahmen eines Praktikums. Dieses erweitere nicht nur den Blick der jungen Menschen, auch Eltern, Lehrer oder Ausbildungsbetreuer nähmen das Nachbarland dadurch stärker wahr.

Tausende Niederländer, aber auch 160 Niedersachsen lockt es zum Wohnen ins Nachbarland, während sie für die Arbeit wieder in die Heimat zurückpendeln, wie aus den Statistiken hervorgeht. Für Niederländer sind die oft niedrigeren Immobilienpreise ein Grund, den Wohnsitz nach Deutschland zu verlegen. Auslöser ist auch die Liebe - darüber aber führt keine Statistik Buch.

dpa

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