Gefahren werden unterschätzt

Immer mehr Kinder verunglücken beim Trampolinspringen

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Ein Mädchen springt an einem sonnigen Tag in einem Garten in Hannover auf einem Trampolin.

Göttingen - Von Matthias Brunnert. Immer mehr Kinder und Jugendliche werden beim Trampolinspringen schwer verletzt. "Die Zahl der Verunglückten steigt von Jahr zu Jahr", sagt der Unfallchirurg Christopher Spering von der Universitätsmedizin Göttingen (UMG). Der Hauptgrund aus seiner Sicht: "Die Gefahr beim Trampolinspringen wird unterschätzt."

Nach einer exemplarischen Untersuchung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) hat sich die Zahl der Trampolinunfälle in Deutschland innerhalb von 15 Jahren mehr als verdreifacht. Grund sei einerseits die immer weiter steigende Zahl von Trampolinen, sagt Spering, der bei der DGOU für Prävention zuständig ist. Kindern und deren Eltern sei aber auch vielfach leider nicht bewusst, dass ein Trampolin kein Spiel-, sondern ein Sportgerät ist. Absolute Unfallzahlen für ganz Deutschland hat die DGOU nicht. 

Verkaufszahlen innerhalb weniger Jahre um 2500 Prozent gestiegen

In der Universitätsmedizin Göttingen, die einen Einzugsbereich von rund 100 Kilometern hat, müssten in den Frühjahrs- und Sommermonaten Dutzende junger Patienten mit Knochenbrüchen, Gehirnerschütterungen, Platzwunden oder Verstauchungen behandelt werden, sagt Spering. "Wir haben im Schnitt jeden Tag ein Kind, das beim Trampolinspringen verunglückt ist und deshalb in die Notaufnahme kommt", sagt er über die Unfälle im Frühjahr und Sommer. 

Der Boom bei Gartentrampolinen habe vor etwa 15 Jahren eingesetzt, berichtet Sven Esslinger, der die zumeist in China gefertigten Geräte mit seiner Firma seit 2002 vertreibt. Die Verkaufszahlen seien innerhalb weniger Jahre um das 25-fache nach oben geschnellt und hätten sich mittlerweile auf hohem Niveau eingependelt. Käufer seien vor allem Familien mit Kindern und eigenem Grundstück. 

Mehrere Benutzer gleichzeitig lassen Risiko in die Höhe schnellen

Die Verletzungen, die sich Kinder und Jugendliche auf den Gartentrampolinen zuziehen, sind auch beim Deutschen Turnerbund (DTB) ein Thema. "Die Gefahr kommt aber nicht von den Geräten selbst", sagt der Bundestrainer für das Trampolin-Turnen beim DTB, David Pittaway. "Das Problem ist die falsche Nutzung." Nach seiner Erfahrung gebe es Unfälle vor allem, wenn mehrere Kinder gleichzeitig springen, sagt Pittaway. "Wenn man ein Gartentrampolin vernünftig benutzt, ist es auf gar keinen Fall gefährlich." 

"Besonders verletzungsgefährdet sind Kleinkinder", berichtet Prof. Peter Schmittenbecher, der Leiter der Sektion Kindertraumatologie der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie. Dies liege an den noch unzureichend ausgebildeten koordinativen und motorischen Fähigkeiten der Kleinen. Zudem seien deren Gelenke noch äußerst instabil. 

Empfehlung: Kinder erst ab dem sechsten Lebensjahr an die Geräte heranführen

Am gefährlichsten seien dabei Stürze auf den Boden, gefolgt von Stürzen auf den Trampolinrand und die Stahlfedern, haben die Fachleute der DGOU festgestellt. Trampolinspringen sei bei den Ein- bis Sechsjährigen inzwischen eine der häufigsten Ursachen bei Unfällen mit Sport- oder Freizeitgeräten. 

Die DGOU rät deshalb, Kinder vor dem sechsten Lebensjahr nicht auf ein Gartentrampolin zu lassen, sondern erst später nach und nach an das Sportgerät heranzuführen. "Eltern sollten sich darüber im Klaren sein, dass ein Trampolin keine Kinderbetreuungsstätte ist", sagt Präventions-Experte Spering. 

Trampolinspringen ist gut für die Muskulatur

Problematisch werde es, wenn mehrere Kinder gleichzeitig auf dem Trampolin springen. Es komme dann oft zu Zusammenstößen, sagt Spering. Wenn ein kleines und ein großes Kind gemeinsam springen, könne es wegen des Gewichtsunterschieds zu einem Katapult-Effekt kommen, der für die Kleinen gefährlich enden könne. "Erwachsene sollten in jedem Fall aufpassen, dass Kinder und Jugendliche auf den Trampolinen keinen Blödsinn machen", rät Bundestrainer Pittaway. 

Um die Unfallgefahr zu bannen, empfiehlt die DGOU, Kinder grundsätzlich erst ab dem sechsten Lebensjahr, am besten alleine und dann nur unter Aufsicht springen zu lassen. "Wir warnen nicht vor den Trampolinen, sondern vor einem falschen Gebrauch", sagt Spering. Grundsätzlich, so erläutert der stellvertretende DGOU-Generalsekretär Prof. Bernd Kladny, sei das Trampolinspringen nämlich gut für die Stärkung der kindlichen Muskulatur. Zudem könne es ein Ausgleich sein zum häufig bewegungsarmen Alltag von Kindern und Jugendlichen.

dpa

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