Verteidigungsministerium in der Kritik

Imame für Bundeswehr: Osnabrücker Professor fordert muslimische Militärseelsorge

Zu sehen ist der Religionssoziologe und Professor an der Universität Osnabrück, Rauf Ceylan, der die Hände zusammenschlägt. Im Hintergrund sind ausgerüstete Soldaten der Bundeswehr zu sehen.
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Der Religionssoziologe und Professor an der Universität Osnabrück, Rauf Ceylan, fordert Imame für die Bundeswehr. Diese sollen muslimische Soldaten adäquat seelisch betreuen. (kreiszeitung.de-Montage)

Der Osnabrücker Professor Rauf Ceylan will, dass die Bundeswehr Imame für die muslimische Militärseelsorge einzustellen. Er wendet sich gegen „Seelsorge zweiter Klasse“.

Osnabrück – Die Bundeswehr sollte Imame für die islamische Militärseelsorge einstellen. Die Forderung stammt vom Osnabrücker Religionssoziologen Rauf Ceylan. Es sei „allerhöchste Zeit, dass auch die Bundeswehr damit beginnt, Imame einzustellen“, sagte der 45-jährige Professor am Institut für Islamische Theologie der Universität Osnabrück im Interview mit dem „Deutschlandfunk“.

Militär:Bundeswehr
Reservisten:30.000
Gründung:12. November 1955, Westdeutschland
Hauptsitz:Bonn
Wehrpflicht:ausgesetzt seit 2011
Oberbefehlshaber:Bundesminister der Verteidigung, Bundeskanzler (im Verteidigungsfall)
Tochtergesellschaften:Zentraler Sanitätsdienst der Bundeswehr u.v.m.
Dachorganisation:Bundesministerium der Verteidigung

Imame für die Bundeswehr gefordert: Experte sieht zahlreiche Vorteile – könnten Kulturknigge zum Islam bereitstellen

Denn auch Muslime in der Bundeswehr würden Ansprechpartner haben wollen, um über berufliche Probleme, Auslandseinsätze oder andere Alltagssorgen unter einer religiösen Perspektive reden zu können. „Die Probleme oder die Herausforderung werden nicht weniger, sondern sie werden zunehmen“, sagte der Religionssoziologe.

Seiner Meinung nach könnten Imame bei Auslandseinsätzen der Bundeswehr wie in Afghanistan eine Art Kulturknigge und Informationen zum Islam bereitstellen.

Seelische Betreuung für Evangelisten, Katholiken und Juden in der Bundeswehr – nur Muslime bleiben außen vor

Zur Einordnung: Seit mehr als 60 Jahren werden Soldaten der Bundeswehr von evangelischen und katholischen Geistlichen begleitet. Seit 2021 gibt es auch jüdischen Militärrabbiner. Nur eine islamische Militärseelsorge wurde bislang nicht installiert. Und das, obwohl die Bundeswehr mindestens 3000 muslimische Soldaten hat.

Künftig sollen es zwar auch Militär-Imame geben. Die Bundeswehr plant allerdings, bei deren Einstellung nicht mit den muslimischen Verbänden in Deutschland zusammenzuarbeiten.

Bundeswehr plant Militär-Imame – will allerdings mit muslimischen Verbänden nicht zusammenarbeiten

Ceylan wendet sich gegen die Pläne des Verteidigungsministeriums, das Einzelverträge mit ausgewählten muslimischen Geistlichen abschließen will. Der 45-Jährige spricht von einer „Seelsorge zweiter Klasse“. Für den Universitätsprofessor sei dies „nicht der richtige Weg“.

Denn auch wenn der Islam nicht über kirchenähnliche Strukturen verfüge, müssten muslimische Religionsgemeinschaften bei der Gründung einer Militärseelsorge und der Berufung von Imamen eingebunden werden.

Möglichkeiten der Kooperation vorhanden: Bundeswehr könnte sich ans Islamkolleg in Osnabrück wenden

Vonseiten des Verteidigungsministeriums gibt es gegenüber dem „Deutschlandfunk“ folgende Stellungnahme: „Das Errichten einer islamischen Militärseelsorge im Geiste und nach Vorbild der bestehenden Militärseelsorge ist unverändert und perspektivisch nicht möglich [...]“.

Eine Aussage, die für Rauf Ceylan nicht nachvollziehbar ist. Er spricht vom Islamkolleg in Osnabrück, welches Imame ausbilden soll. Sein Lösungsansatz: „Man sollte auf das Islamkolleg zugehen. Denn die kooperieren ja immerhin mit vier bis fünf muslimischen Organisationen. Hiermit hätten wir eine Zwischenlösung“.

Die Ausbildung von Imamen an der angesprochenen Institution erfolgt seit Juni 2021. Es besteht eine Kooperation mit mehreren muslimischen Organisationen mit insgesamt mehr als 400 Moscheegemeinden.

Rauf Ceylan erhält Unterstützung: Wehrbeauftrage im Bundestag fordert auch islamische Militärseelsorge bei der Bundeswehr

Mit seiner Forderung ist Rauf Ceylan aber nicht allein auf weiter Flur. Schon Eva Högl (SPD), Wehrbeauftragte des Bundestags, hatte bereits eine islamische Militärseelsorge in der Bundeswehr gefordert.

Geschehen ist seitdem nichts. Und das, obwohl laut Ceylan Möglichkeiten der Installation von Imamen in der Bundeswehr de facto gegeben wären. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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