Hohes Maß an Rücksichtslosigkeit

Illegale Rennen: Motorräder, Führerscheine und 1550 Videos einkassiert

Motorradfahrer mit Wheelie
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Mitglieder der „German Wildcards“ sollen im Internet zahlreiche Videos mit gröbsten Verkehrsverstößen hochgeladen haben.

Illegale Rennen, Wheelies bei hoher Geschwindigkeit und riskante Manöver – alles auf Video festgehalten. Was ein Beweismittel-Fund für die Polizeibeamten.

Grafschaft Bentheim – Die Polizei stößt nach einer Kontrolle auf Videos von rücksichtslosen Motorradfahrern, die mit äußerst riskanten Manövern andere Straßenverkehrsteilnehmer gefährden. Und das über Jahre. Nun hat die Polizeiinspektion Emsland/Grafschaft Bentheim bei Durchsuchungen drei Führerscheine, zwei Motorräder und rund 1550 Raser-Videos beschlagnahmt. Die acht Personen einer Motorradgruppe im Alter zwischen 24 und 36 Jahren sollen in den letzten vier Jahren an mehreren Motorradrennen teilgenommen haben.

Polizei ermittelt gegen rücksichtslose Motorrad-Raser

Wie die Polizei mitteilt, sollen sich die Mitglieder gegenseitig bei Geschwindigkeitsverstößen, Fahren auf dem Hinterrad, Überholen trotz Gegenverkehrs und anderen Verstößen gefilmt haben. Die Videos zeigen laut Polizei eine „scheinbar stetig steigende Risikobereitschaft und ein hohes Maß an Rücksichtslosigkeit“.

Scheinbar stetig steigende Risikobereitschaft und ein hohes Maß an Rücksichtslosigkeit

Polizeiinspektion Emsland/Grafschaft Bentheim

Bei den Durchsuchungen in der Grafschaft Bentheim und im nordrhein-westfälischen Ochtrup beschlagnahmte die Polizei die Führerscheine der drei Hauptverdächtigen. Neben den Videos wurden außerdem zwei Motorräder eingezogen. Gegen zwei Mitglieder der Gruppe und vier weitere Motorradfahrer, die zusammen mit der Gruppe fuhren, wurden Strafverfahren eingeleitet. Bereits im Juni wurde ein Motorradfahrer erwischt, der mit 218 Stundenkilometern über den Seitenstreifen gerast war.

Überholen trotz Gegenverkehrs, freihändiges Fahren und zahlreiche weitere vergleichbare Delikte.

Die Recherchen der Polizeiinspektion Emsland/Grafschaft Bentheim zeigten, dass die Mitglieder der „German Wildcards“ im Internet zahlreiche Videos mit gröbsten Verkehrsverstößen hochgeladen hatten. Diese wurden offensichtlich bei den gemeinsamen Ausfahrten mittels Helmkamera aufgezeichnet und für die Einstellung ins öffentliche Netz entsprechend bearbeitet. Vor der Veröffentlichung wurde dabei alles geschwärzt und anonymisiert, was einen möglichen Rückschluss auf die Identität der Motorradfahrer zulassen könnte.

German Wildcards veröffentlichen im Internet zahlreiche Motorrad-Videos

Insbesondere die Kennzeichen der Motorräder und Ortsschilder auf den Strecken, wurden dabei professionell unkenntlich gemacht. Doch die Polizei ermittelt hartnäckig. Die Auswertung der Videos hatte ferner ergeben, dass ein Großteil der Rennen auf Bundes-, Landes- und Kreisstraßen in den Landkreises Emsland und Grafschaft Bentheim aufgezeichnet worden waren.

Geschwindigkeiten von mehr als 200 Kilometern in der Stunde waren die absolute Regel.

Gegen insgesamt drei Mitglieder der Gruppe konnten bei der Staatsanwaltschaft Osnabrück entsprechende Durchsuchungsbeschlüsse erwirkt werden. Noch bevor diese umgesetzt wurden, verstarb eines der Mitglieder im Sommer 2020 bei einem tragischen Verkehrsunfall mit einem Auto.

Die beiden übrigen Durchsuchungen in den Ortschaften Wietmarschen und Ochtrup führten zum Auffinden von insgesamt 1550 selbst gedrehten Videos. Das Bildmaterial zeigt „Hochgeschwindigkeits-Wheelies“ (Fahren auf dem Hinterrad) und zahlreiche weitere Verkehrsverstöße. Der sogenannte „Hanging-Off-Fahrstil“ (Knieschleifen) aus dem Rennsport, das simulieren von Rennstartabläufen und das beharrliche Ignorieren von Verkehrsvorschriften gehörten bei jeder Ausfahrt zur Normalität. Geschwindigkeiten von mehr als 200 Kilometern in der Stunde waren die absolute Regel. Hinzu kamen „Burnouts“ (Durchdrehen des Hinterrades), Überholen trotz Gegenverkehrs, freihändiges Fahren und zahlreiche weitere vergleichbare Delikte.

Aufsehen erregte auch dieser Fall: Ein Bremer Motorradfahrer, der bei überhöhtem Tempo einen Fußgänger tötete, hat sich der fahrlässigen Tötung schuldig gemacht. Der in der Bikerszene als „Alpi“ bekannte Mannwurde unter anderem wegen fahrlässiger Tötung zu zwei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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