Emotionales Video-Statement

„Kindeswohl vorsätzlich ignoriert“: Ikke Hüftgold klagt skandalöse Zustände bei Sat.1-Dreh an

Der als Ballermann-Partysänger bekannte Ikke Hüftgold ungewöhnlich ernst. Er brach den Dreh für das Sat.1-Format „Plötzlich arm, plötzlich reich“ ab und klagt den Sender öffentlich an: „Schicksal schwer traumatisierter Kinder missachtet“.

Limburg – Mit seinen Partyschlager-Hits ist Ikke Hüftgold, der mit bürgerlichem Namen Matthias Distel heißt, vor allem am Ballermann auf Mallorca zum Star geworden. Doch nach Party ist dem 44-Jährigen überhaupt nicht zu Mute. In einem emotionalen Video-Statement erhebt er schwere Vorwürfe gegen den Sender Sat.1 und die Produktionsfirma ImagoTV.

SängerIkke Hüftgold
Bürgerlicher NameMatthias Distel
GeburtssortLimburg an der Lahn
Alter44 Jahre

Hintergrund: Matthias Distel, so Ikke Hüftgolds bürgerlicher Name, wollte beim Sat.1-Format „Plötzlich arm, plötzlich reich“ mitmachen.  Ein soziales Tauschexperiment fürs Fernsehen, für das neun Tage lang gedreht werden sollte. In der Sat.1-Sendung tauscht eine vermeintlich arme Familie mit einer wohlhabenden für eine kurze Zeit den Wohnort und soll so deren Leben nachempfinden. Dafür wohnen die Familien mit ihren Kindern ein paar Tage lang im jeweils anderen Zuhause.

„Plötzlich arm, plötzlich reich“: Ikke Hüftgold bricht Sat.1-Dreh ab

Doch Matthias Distel brach den Dreh vorzeitig ab – wegen unverantwortlicher Zustände am Set. Das Wohl psychisch labiler, wenn nicht sogar schwer traumatisierte Kinder, soll für den Dreh völlig missachtet worden sein. Das ganze Ausmaß wurde für Distel erst nach und nach sichtbar.

In einem fast 20-minütigen Instagram-Video erklärt der sichtlich gerührte Matthias Distel sehr detailliert die skandalösen Zustände am Set. Schon beim Betreten der Wohnung der Tauschfamilie traf ihn der Schock:  „Die Tatsache, dass wir nach zehn Minuten Aufenthalt weinend vor der laufenden Kamera standen, soll lediglich deutlich machen, welche Emotionen beim Anblick dieser Zustände aus uns herausbrachen“, so Distel. Sogar die verantwortliche Redakteurin habe mitgeweint.

Matthias Distel prangert an, dass beim Dreh für das Sat.1-Format „Plötzlich arm, plötzlich reich“ das Schicksal schwer traumatisierter Kinder missachtet worden sein soll.

„Plötzlich arm, plötzlich reich“: Kinder schon zuvor in psychologischer Behandlung

Laut Distel hing in der Wohnung auch ein Kalender, in dem sowohl für die Mutter als auch für die beiden jüngsten Kinder Termine bei Psychologen eingetragen waren. Über die therapeutische Behandlung der Kinder soll die Produktion schon vorab Bescheid gewusst haben.

Matthias Distel habe sich gefragt, ob man Kinder im Alter von acht und zehn Jahren mit psychischen Problemen für ein so aufwendiges Format vor eine Kamera zerren sollte. Denn Kinder müssten beim Dreh „funktionieren“ und werden „redaktionell geleitet“ – mehr als anstrengend, nicht nur für Kinder. Matthias Distel erfuhr erst später vom ganzen Schicksal, was schwer auf den Schultern der Kinder lastet.

Ikke Hüftgold bricht Sat.1-Dreh ab: Kinder Opfer von schwerem Missbrauch

Der 44-Jährige hakte weiter bei den Dreh-Verantwortlichen nach, bekam jedoch nur „ernüchternde Antworten“. Später erfuhr Matthias Distel vor laufenden Kameras weitere Details von einer Freundin der Tauschmutter.

Laut ihrer Aussagen sollen die Kinder in der Vergangenheit durch ihren eigentlichen Vater schwerste Kindesmisshandlungen erlitten haben. Matthias Distel brach den Dreh nach diesem Gespräch sofort ab, zitierte die anwesende Redakteurin herbei und fragte, ob der Sender Sat.1, ImagoTV und das komplette Team noch alle Tassen im Schrank hätten: „Sie wussten alle vorher, dass diese Kinder in psychologischer Behandlung waren!“

„Plötzlich arm, plötzlich reich“: Redakteurin informiert Vorgesetzte über Zustände

Die Redakteurin soll bereits im Vorfeld ihre Vorgesetzten informiert haben und zeigte Distel den Gesprächsverlauf. Doch dann wurde alles noch schlimmer. Die Redakteurin offenbarte Matthias Distel, was während den letzten Tagen und Stunden in seiner Wohnung und bei den Tätigkeiten der Tauschfamilie in seinem privaten und beruflichen Umfeld passiert sei. Und das hätte sich Matthias Distel „in den schlimmsten Albträumen nicht ausmalen können“, erklärt er in seinem Video-Statement.

Sat.1-Format: Schwer zu ertragende Vorfälle während der Dreharbeiten

So soll einer der Jungen laut Aufnahmeleitung mehrfach den Kopf an eine Zimmerwand in Distels Zuhause geschlagen haben, um sich selbst zu verletzen. „Auf dem Weg zu einem Außendreh kotete dieser Junge sich ein. Der andere der jüngsten Geschwister stand auf meinem Balkon im vierten Stock und schrie, dass er sich jetzt umbringen würde. Zudem schlugen sich die jüngsten Geschwister mehrfach. All diese Vorfälle seien direkt der Chefetage übermittelt worden.“ Doch der Dreh sollte dennoch fortgesetzt werden.

Ikke Hüftgold schockiert: „Kindeswohl vorsätzlich ignoriert“

„Ethik, Moral, Anstand und das Kindeswohl wurden dabei vollkommen und in meinen Augen vorsätzlich ignoriert“, sagt Distel weiter. „Ich beschloss am Mittwochmorgen in Absprache mit ImagoTV die Familie eine weitere Nacht bei mir zu lassen, damit wir für die Kinder einen halbwegs angenehmen Abschluss des Projektes finden konnten. Mittwochmittag lernte ich die Familie dann persönlich kennen und erklärte in Abwesenheit der Kinder, warum das Projekt von mir beendet wurde“, erzählt der 44-Jährige.

Drehabbruch hat Konsequenzen für Ikke Hüftgold

Der Abbruch des Drehs hat für Matthias Distel Konsequenzen. Die „stattliche Gage“ hätte er nur bekommen, wenn er die neun vorgesehenen Drehtage durchgezogen und die Produktionsvorgaben beachtet hätte. Doch diese habe er aus „ethischen und moralischen Gründen leider nicht halten“ können. Zudem kommt auf den 44-Jährigen ein Strafverfahren wegen Vertragsbuch zu.

Matthias Distel, der selbst Familienvater ist, erklärt, warum es so wichtig ist, mit diesem Vorfall an die Öffentlichkeit zu gehen:„Denn es geht hier um Kinder! Schwer traumatisierte Kinder, die in meinen Augen aufgrund von möglichst hohen Quoten und einer menschenverachtenden Herangehensweise die Sensationsgier der breiten Masse befriedigen sollten.“

Ikke Hüftgold fordert lückenlose Aufklärung von Sat.1 und ImagoTV

Er fordert Sat.1 und ImagoTV zur lückenlosen Aufklärung der Geschehnisse auf und appelliert gleichzeitig an alle, wachsamer zu sein, um die Schwächsten – die Kinder – zu schützen.

Matthias Distel hat die betroffene Tauschfamilie über alle Vorgänge informiert und ist bereit, Strafanzeige gegen Sat.1 und ImagoTV zu stellen. Er betont, dass er alle persönlichen Konsequenzen und Nachteile in Kauf nehmen werde, und beendet sein Video mit einem nachdenklichen Satz: „Und am Ende einer für mich sehr denkwürdigen Woche bleibt in mir das Gefühl, mich mitschuldig gemacht zu haben! Mitschuldig, weil ich selbst Teil dieser perversen, deutschen Medien und Fernsehkultur geworden bin!“

Ikke Hüftgold will betroffener Familie zur Seite stehen

Mittlerweile hat sich Sat.1 zu den Vorwürfen geäußert. Darin heißt es unter anderem: „Unmittelbar, nachdem wir seine [Matthias Distel] Mail erhalten haben, haben wir begonnen, mit der Produktionsfirma und der Familienhilfe zu reden, um der Familie zu helfen und um die Zusammenhänge aufzuarbeiten. Diese Arbeit ist noch nicht abgeschlossen. Aber es steht fest, dass Sat.1 keine Sekunde dieser Folge zeigt. Das haben wir Matthias Distel vergangenen Donnerstag schon mitgeteilt.“

Doch damit gibt sich Distel nicht zufrieden. Auf Instagram teilt er mit, dass die Aussage von Sat.1 an Dreistigkeit nicht zu überbieten sei. „Weder wurde mir das in dieser Form mitgeteilt, noch hat man sich von Senderseite mit der Familie auseinandergesetzt.“ Der 44-Jährige setzt sich nun selbst dafür ein, dass für die betroffene Familie eine neue Perspektive entstehen kann. * kreiszeitung.de und 24hamburg.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Horst Galuschka

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