Zusammenarbeit gekündigt

Ikea auf dem Holzweg: Möbel aus illegal geschlagenem Kiefern?

Holzmöbel des schwedischen Einrichtungskonzerns Ikea sind weit verbreitet. Nun sollen Möbel aus illegal geschlagenem Holz verkauft worden sein.

Berlin - Das schwedische Möbelhaus Ikea verspricht Nachhaltigkeit und strenge Kontrollen seiner Zulieferer. Recherchen des ARD-Magazins Kontraste und der Umweltschutzorganisation Earthsight zeigen jedoch: An diesem Bekenntnis gibt es große Zweifel.

Gründung Ikea28. Juli 1953
GründerIngvar Kamprad
Umsatz41,3 Milliarden EUR (2019)
HauptsitzDelft, Niederlande

Zum Hintergrund: Seit 2020 gibt Ikea ein umfassendes Versprechen: Alles Holz sei entweder FSC-zertifiziert oder recycelt, heißt es in Image-Filmen. Eine Zertifizierung durch FSC, den größten Holzzertifizierer der Welt, bedeutet, dass das Holz nachhaltig erzeugt, legal geschlagen und fair gehandelt wurde.

Nach Recherchen habe ein indonesischer Hersteller für Ikea sich nicht an die FSC-Vorgaben gehalten. Man sei „einem riesigen Abholzungsskandal“ auf die Spur gekommen, sagt Sam Lawson, Direktor von Earthsight. Dieser sei „unter dem Radar und unbemerkt von der größten Öko-Kennzeichnungsstelle der Welt, dem FSC, abgelaufen“. Es soll sich um die Firma PT Karya Sutarindo, einem der größten Hersteller von Kindermöbeln handeln. Da es auf der Insel Java keine Kiefern gibt, muss das Holz importiert werden.

Ikea-Produzent auf Java importiert Holz

Dem Fernsehmagazin „Kontraste“ liegen Frachtpapiere vor, die zeigen, dass gut ein Viertel der Kiefern, die bei der Firma PT Karya Sutarindo verarbeitet wurden, aus Sibirien stammen. Einer ihrer größten Lieferanten ist nach Kontraste-Recherchen die Firma Uspekh. Deren Firmensitz befindet sich mitten in Sibirien.

Und jetzt wird es kompliziert. Die Firma Uspekh kaufte das benötigte Holz bei der Firma Vilis. Sie gehört Jewgenj (teilweise auch „Evgeny“ geschrieben) Bakurov. Er besitzt zahlreiche Lizenzen zum Holzschlag. Auf Tagesschau.de heißt es: „Unterlagen, die Kontraste vorliegen, zeigen, dass Bakurov über die Firma Vilis und andere Firmen immer wieder mehr Holz geschlagen hat als er offiziell durfte. So waren in einem Lizenzgebiet beispielsweise maximal 5200 Kubikmeter Holz pro Jahr erlaubt, er schlug aber 37.000 Kubikmeter. Möglich machten dies Zusatzlizenzen, die er sich bei den Behörden illegal besorgt hatte.“

Der schwedische Möbelgigant Ikea soll Möbel aus illegaler Abholzung verkauft haben.

In zehn Jahren wurden so rund 2,16 Millionen Kubikmeter Holz illegal gefällt. Zwar sind sogenannte Sanitärholz- oder Rettungsschnitte auch in geschützten Gebieten erlaubt, doch Bakurovs Firmen missbrauchten diese „Rettungsschnitte“ immer wieder als Vorwand. Das zumindest haben russische Behörden entdeckt und mehrfach gerichtlich zwischen 2012 und 2018 beanstandet.

Die europäische Holzhandelsrichtlinie EUTR stuft Russland als Risikoland ein. Illegal gefälltes Holz findet trotzdem oft seinen Weg nach Deutschland. Die artenreiche Region Sibirien im Norden des Landes gilt dabei als besonders anfällig.

Warum die FSC nicht die Zertifizierung entzogen hat, ist unklar. Die Gerichtsurteile, in denen Bakurovs Firmen die Lizenzen entzogen wurden, sind öffentlich einsehbar und hätten hellhörig werden lassen müssen. Pierre Ibisch, Professor für „Nature Conservation“ an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde kommt zu der Einschätzung, dass die FSC ein systematisches Problem habe. Die Organisation verlasse sich auf örtliche Prüfer, die wiederum „leicht zu beeinflussen“ seien. Ibisch: „Das FSC-Siegel dient eher als Beruhigungspille für den Verbraucher denn als effektives Kontrollsystem.“

FSC: Wälder strenger Kontrollen

Und was sagt die FSC? Auf Anfrage von Kontraste schrieben sie: „Man werde die Angelegenheit untersuchen und die Zertifizierungsstelle vor Ort überprüfen lassen. Seit März 2021 sei ein verbesserter FSC-Waldbewirtschaftungs-Standard für Russland in Kraft, der „alle FSC-zertifizierten Wälder strengeren Kontrollen“ unterziehe. Außerdem erwöge man gezielte Übergangsmaßnahmen in Russland, die darauf abzielten, „das Eindringen von nicht konformen Produkten in FSC-zertifizierte Lieferketten sofort zu verhindern.“

Das Möbelhaus Ikea hat sich ebenfalls geäußert: „Es könne nirgendwo auf der Welt Raum für den Missbrauch des Sanitärholzeinschlags geben. Deshalb habe man im März 2021 die Entscheidung getroffen, als vorsorgliche Sicherheitsmaßnahme kein Holz mehr von einer Reihe von Unternehmen anzunehmen, die mit Bakurov verbunden seien.“ Von welchen Unternehmen genau, teilte der Konzern nicht mit.* kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Emmanuel Dunand/AFP

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