Idyllischer Fischerort oder Bettenburg: Ferienpark-Projekt in Greetsiel

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Petrus Boomgaarden und Diane Saathoff von der Bürgerinitiative "Stopp Greetland" verteilen vor dem Fischerdorf Greetsiel in Middelstewehr (Kreis Aurich) Flugblätter mit dem Titel "Nein zu Greetland".

Greetsiel - Das schmucke Greetsiel mit seinem 600 Jahre alten Fischerhafen und der berühmten Zwillings-Windmühle erfüllt alle Klischees einer ostfriesischen Postkarten-Idylle. Täglich stehen von fern angereiste Touristen vor den Fischkuttern und knabbern an Krabbenbrötchen.

Literweise rauscht am Wochenende der Ostfriesentee in die mit Kluntje gefüllten Tassen, die Gastronomie hat bei rund einer Million Tagesgästen jährlich gut zu tun.

Doch hinter den Fassaden des Puppenstubenortes brodelt es. Zwei Bürgerinitiativen machen Stimmung - für und gegen das heftig umstrittene Ferienpark-Projekt Greetland.

19 verstreute Dörfer bilden im äußersten Nordwesten des Landkreises Aurich die Gemeinde Krummhörn. Am kommenden Sonntag dürfen mehr als 10 400 der insgesamt 13 000 Bewohner über den „Bebauungsplan 0306 Eilsum“ abstimmen.

Dahinter steckt der Greetland-Plan des Dresdner Investors Kay Schwarz. Er will 82 Millionen Euro in den 85 000 Quadratmeter großen Ferienpark am Ortsrand stecken und ein Vier-Sterne-Hotel, Schwimmbad und Ferienwohnungen für rund 1200 Gästebetten bauen. Mitte 2012 könnte der Startschuss fallen - wenn jetzt grünes Licht kommt.

Wenn aber 35 Prozent der Stimmberechtigten der weit verzweigten Gemeinde mitmachen und gegen das Projekt votieren, will sich der Gemeinderat an das rechtlich eigentlich unverbindliche Ergebnis der Bürgerbefragung halten, versichert Bürgermeister Johann Saathoff (SPD).

Er persönlich ist für das Projekt: „Der Ferienpark mit 80 neuen Arbeitsplätzen eröffnet viele touristische Möglichkeiten, auch bei Schlechtwetter. Er richtet sich auch an ein jüngeres Publikum, die mit einem modernen Angebot zu den Kunden von morgen werden.“

Unterstützung bekommt Saathoff von Mitgliedern der „Pro Initiative Ferienpark Greetland“, darunter ist auch Carsten Nowak. Er will, dass Greetsiel fit für die Zukunft wird: „Der Kurzzeittourismus für wenige Stunden am Tag bringt nicht viel, die Busse verstopfen nur den Ort. Die Gastronomie muss in sieben Monaten ihre Erträge für das ganze Jahr erwirtschaften.“ Wichtiger seien mehr und bessere Angebote auch für die kalte Jahreszeit.

Die Bürgerinitiative „Stopp Greetland“ hat dagegen eine komplett andere Sicht. „Zu groß, zu überdimensioniert“, findet Diane Saathoff, die Ferienwohnungen im Umland anbietet und nicht mit dem Bürgermeister gleichen Nachnamens verwandt oder verschwägert ist. „Das ganze Projekt passt nicht in die Gegend, denn die Urlauber suchen charmante Örtchen, keine Bettenburgen oder Retortenstädte.“

Sie meinte weiter: „Wir liegen am Randes des Weltnaturerbes Wattenmeer und wollen einen sanften und nachhaltigen Tourismus. Allein beim Autoverkehr rechnen wir mit mehr als 20 000 Fahrten nur für die An- und Abreise.“ Die Gegner befürchten zudem einen Preiskampf beim Tourismus-Angebot und sorgen sich um das finanzielle Risiko sowohl beim Investor als auch bei der Gemeinde.

17 000 Unterschriften haben die Kritiker von „Greetmonster“ bislang gesammelt. Vor dem Ausgang der Bürgerbefragung am Sonntag gibt sich Diane Saathoff kämpferisch: „Notfalls werden wir weiter gegen Greetland juristisch vorgehen.“

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