Betratung seit September

Mehr als 100 Anrufe bei Hotline zu Mobbing an Schulen

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Hannover - Die neue Beratungsstelle für Opfer von Diskriminierung und sexueller Gewalt in Schulen und Kitas in Niedersachsen ist gefragt: Bisher haben sich mehr als 100 Kinder, Jugendliche, Eltern und Pädagogen bei der Telefon-Hotline gemeldet, die erst mit Beginn des neuen Schuljahres im September eingerichtet wurde.

Das sagte eine Sprecherin des niedersächsische Kultusministeriums. In den meisten Fällen sei es um Mobbing von Schülern gegangen.

„Jeder Anrufer kann mit schneller und unbürokratischer Hilfe rechnen“, sagte Kultusminister Bernd Althusmann (CDU). „Die direkte Anbindung einer solchen Stelle im Ministerium ist einmalig in Deutschland und gewährleistet schnelle Hilfe für die Betroffenen.“

Geleitet wird die Beratungsstelle von Althusmanns Büroleiterin Julia Ranke. Sexuelle Übergriffe seien bisher nicht gemeldet worden, sagte die Juristin. „Der größte Teil der Anrufe liegt im Bereich der Diskriminierung.“ Häufig gehe es um Mobbing einzelner Schüler. „Manche Eltern wenden sich nicht so gerne direkt an die Schule, weil sie sich bei einer übergeordneten Stelle besser aufgehoben fühlen.“ Aber auch Schulleiter suchten Unterstützung im Umgang mit Mobbing.

Im März hatte der Landtag einstimmig die Einrichtung der zentralen Beratungsstelle beschlossen. Der Initiative stammte von den Grünen. „Ich war immer entgeistert, wenn Lehrer nach Übergriffen auf Schüler lediglich versetzt wurden“, begründet die Grünen-Abgeordnete Ina Korter ihr Engagement. Die Schulbehörden hätten manche Pädagogen trotz Vergehen geschützt. „Ich kenne viele Fälle, in denen betroffene Kinder und deren Eltern nicht ernst genommen wurden.“

Derzeit laufen nach Ministeriumsangaben landesweit neun Strafverfahren gegen Lehrer wegen sexueller Übergriffe, zudem gibt es 26 Disziplinarverfahren nach Distanzverletzungen. Um den Schutz der Kinder zu verbessern, verlangt die niedersächsische Schulbehörde seit 2010 von allen Bewerbern ein erweitertes Führungszeugnis. Diese Regelung betrifft sowohl die Einstellung von Lehrern als auch von Mitarbeitern wie Schulpsychologen. Die Themen Missbrauch und Mobbing sollen zudem eine größere Rolle in der Lehrerausbildung spielen.

Bei strafrechtlich relevanten Taten sei nicht das Ministerium, sondern die Kriminalpolizei die erste Anlaufstelle, meinte der Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft in Niedersachsen, Eberhard Brandt. Der GEW-Chef plädiert dafür, bei Distanzverletzungen von Pädagogen oder Mobbing zunächst Ansprechpartner in den jeweiligen Schulen zu informieren. „Das ist eine Aufgabe für Schulpsychologen, aber leider sind deren Stellen in der Vergangenheit abgebaut worden.“

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