Politik will mehr Betriebe gewinnen

Homeoffice ermöglichen: pauschale Pflicht oder Einzellösungen?

Manche Angestellte sitzen schon seit Monaten im heimischen „Büro“. In der Corona-Krise will die Politik mehr Betriebe dafür gewinnen. Gewerkschaften und Arbeitgeber erklären, dass das nicht so einfach geht. Es geht auch um die Begriffe.

  • Es gibt kein juristisch verankertes Recht auf Homeoffice.
  • Mobiles Arbeiten meint oft Arbeiten von zu Hause.
  • Mobiles Arbeiten ist nicht gleich Homeoffice.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil hat die Unternehmen aufgefordert, alle Beschäftigten möglichst von zu Hause arbeiten zu lassen. Angesichts der Bedrohung durch die Corona-Mutation erwarte er „von der Wirtschaft eine konsequente Nutzung aller Möglichkeiten zum Homeoffice“, sagte Stephan Weil der Welt (Dienstagsausgabe). Die niedersächsischen Metallarbeitgeber erklärten nach Beratungen in Hannover, man prüfe ergänzende Homeoffice-Einsätze der Beschäftigten, wo immer dies machbar sei.

LandNiedersachsen
Bevölkerung7,982 Millionen
HauptstadtHannover
MinisterpräsidentStephan Weil (SPD)

Zur Debatte über feste Verpflichtungen jedoch sagte Verbandschef Volker Schmidt der Deutschen Presse-Agentur: „Wir setzen auf das Prinzip der Freiwilligkeit - es gibt kein juristisch verankertes Recht auf Homeoffice.“ Die Gewerkschaft Verdi betonte, wo Homeoffice vereinbart werde, müsse auch der Arbeitsschutz gesichert sein.

In einem gemeinsam mit den Gewerkschaften und der Landesregierung erarbeiteten Papier werde nun einvernehmlich festgehalten, dass in der aktuellen Entwicklung der Pandemie alle weiteren Optionen untersucht werden müssten, sagte Volker Schmidt. Er betonte: „Wir haben die Möglichkeit für Homeoffice in erheblichem Umfang schon zur Verfügung gestellt. Aber das ist auch mit erheblichen Kosten verbunden.“

Homeoffice: Arbeitsplatz zu Hause muss geprüft werden

So müsse laut Arbeitsstättenverordnung etwa in sämtlichen Fällen geprüft werden, ob der Arbeitsplatz zu Hause in puncto Ausstattung oder Ergonomie identisch mit dem Büroarbeitsplatz von Angestellten sei. Auch müssten die Betriebe darauf achten, dass die Daten- und IT-Sicherheit gewährleistet sei. In manchen Fällen reiche es auch aus, Regelungen zum mobilen Arbeiten von unterwegs zu vereinbaren. „Es hat schon sehr viele Anstrengungen gegeben - aber wir können hier nicht alle über einen Kamm scheren“, meinte Volker Schmidt.

Seit Corona arbeiten mehr Menschen im Homeoffice.

Verdi-Landeschef Detlef Ahting sagte, es müsse natürlich darum gehen, Kontakte weiter zu reduzieren. Dabei dürfe aber nicht vorschnell ein Homeoffice-Konzept entstehen, ohne Schutzstandards für Beschäftigte angemessen zu berücksichtigen. „Wenn wir ehrlich sind: Auch mobiles Arbeiten bezieht sich ja oft auf Arbeiten von zu Hause.“

Zudem müsse man darauf achten, dass Mitarbeitern bei gleichzeitiger Kinderbetreuung zu Hause keine dauerhafte Doppelbelastung entstehe. Arbeitnehmer müssten auch ungestört arbeiten können. „Mobiles Arbeiten darf kein Hebel sein, um möglicherweise weniger Arbeitsschutz durch die Hintertür einzuführen“, erklärte Detlef Ahting.

Stephan Weil wies Kritik aus dem Bundeskanzleramt zurück, die Haltung der Ministerpräsidenten der Länder sei in der Pandemie-Bekämpfung teilweise zu zögerlich gewesen. Solche Vorwürfe seien „Teil eines Schwarzer-Peter-Spiels“, das niemandem helfe. Und weiter: „Pandemie-Bekämpfung war, ist und bleibt eine Gemeinschaftsaufgabe.“

Als „unbefriedigend“ bezeichnete Ministerpräsident Stephan Weil die fehlende Weiterentwicklung der Corona-Warn-App. Die Politik habe in den vergangenen Monaten in so viele Grundrechte eingreifen müssen, dass sich ihm nicht erschließe, warum das Recht auf informationelle Selbstbestimmung da eine solche Ausnahme bilden müsse. Die Warn-App sei zwar kein Allheilmittel - „aber einen wesentlich größeren Beitrag als bisher könnte sie ganz sicher leisten“. dpa

Unterschied zwischen Homeoffice und mobilem Arbeiten

Was ist eigentlich Homeoffice? Und wie sieht der Unterschied zu Arbeiten zu Hause, Telearbeit oder mobiler Arbeitsplatz aus? Gerne werden diese Begriffe als gegenseitige Synonyme verwendet. Doch in der Arbeitswelt bedeuten sie etwas anderes. Telearbeit ist dabei eine Art Oberbegriff. Er vereint alle Formen der Arbeit außerhalb von Gebäuden des Arbeitgebers.

Echtes Homeoffice, oder auch Teleheimarbeit meint: Der Arbeitnehmer arbeitet dauerhaft von zu Hause. Der Arbeitgeber muss die Kosten für die Büroausstattung übernehmen, schreibt tagesschau.de. Dazu kommen noch Aspekte wie der Arbeitsschutz und Arbeitszeiterfassung. Die Light-Version vom Homeoffice ist die alternierende Telearbeit. Hier hat der Arbeitnehmer zwei Büros, eins zu Hause und eins im Firmengebäude.

Wenn in Coronazeiten von Homeoffice die Rede ist, dann wird in der Regel mobiles Arbeiten gemeint sein. Vereinfacht gesagt, bewegt sich der Arbeitsplatz mit dem Arbeitnehmer. Vor Corona war diese Form der Arbeit bei Außendienstmitarbeitern weit verbreitet. Bei dieser Variante kann der Mitarbeiter flexibel von überall aus arbeiten kann. Das kann zum Beispiel im Zug oder auf der Terrasse sein.

Rubriklistenbild: © dpa/Britta Pedersen

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