Holzschuhmacher will altes Handwerk vor dem Vergessen bewahren

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Über 100 Jahre alt ist das Werkzeug, mit dem Henry Bremer die Holzschuhe anfertigt.

Langen - Er ist einer der letzten seiner Art: Henry Bremer fertigt mit über 100 Jahre altem Werkzeug in seinem Keller Holzschuhe an. Der 73-Jährige will das alte Handwerk vor dem Vergessen bewahren.

Vom alten Handwerk ist Henry Bremer begeistert. Der pensionierte Kfz-Meister hat schon Hochräder gebaut, wie man sie Ende des 19. Jahrhunderts fuhr. Doch seine größte Leidenschaft ist der Holzschuh, der vor allem in Holland und Nordrhein-Westfalen, aber auch hoch im Norden verbreitet war. Im Keller seines Reihenhauses in Langen bei Bremerhaven schnitzt der 73-Jährige seit 20 Jahren Holzschuhe. Beigebracht hat er sich die Technik selbst. Die über 100 Jahre alten Spezialwerkzeuge, die er dafür benötigt, hat er sich mühevoll zusammengesucht.

„Ich bin immer wieder nach Westfalen gefahren und habe mich durchgefragt, wer denn wohl noch Werkzeug besitzt“, sagt Bremer. Er fand das, was er suchte - meist hing es in Privathäusern als Erinnerungsstück an Opa an der Wand. „Das geben wir nicht her“, hörte er immer wieder. Doch Bremer blieb hartnäckig. „Dann haben die mich irgendwann rausgeschmissen, aber mit dem Werkzeug“, schmunzelt er. Von seinen Fahrten mitgebracht hat er: Ein Spezialeisen, Löffelbohrer, Räumhaken und Hackeneisen. Die Werkbank hat er sich selbst gebaut.

Dann fing er an zu üben. „Die ersten Holzschuhe haben gekniffen“, erinnert sich Bremer. „Schablonen gibt es ja nicht.“ Der Schuh wird aus einem einzigen Holzklotz gefertigt, meist ist es Pappel. „Das ist schön leichtes Holz“, sagt der Experte. Nachdem er das Holz wie bei einem Stück Käse in Form gehobelt hat, höhlt er es mit dem Löffelbohrer aus. Inzwischen braucht er nur noch wenige Stunden, um ein Paar anzufertigen. Anschließend müssen sie bis zu acht Wochen durchtrocknen, bevor sie in Form geschliffen werden.

Allein oder zusammen mit seiner Frau Birgit stand er schon viele Wochenenden auf Märkten, hat die alte Kunst vorgeführt und so manchen Schuh verkauft. „Ich möchte das alte Handwerk wieder aufleben lassen“, begründet Bremer seine Motivation. Vor allem den Kindern wolle er zeigen, wie anstrengend die Arbeit früher war. „Im 19. Jahrhundert war in jeder Ortschaft mindestens ein Holzschuhmacher.“

Früher wurden die Holzschuhe benutzt, weil man sich keine Lederschuhe leisten konnte, sagt der Rentner. Heute hängen sich die Käufer die dekorativen Schuhe gerne an die Wand - oder ziehen sie so wie Bremer zur Gartenarbeit an: „Da hat man immer trockene und warme Füße.“

Das wussten auch die Menschen früher zu schätzen. Bremers selbst geschnitzte kleine Sammlung von Holzschuhen nach historischem Vorbild zeugt davon: Da ist der aufwendig verzierte Brautschuh, besonders breite Exemplare für den Torfabbau, um nicht zu versinken, die Sandale mit einer Öffnung oben, damit die Füße am Feuer schön warm wurden und der Holzschlittschuh.

Und da ist der Schmugglerschuh, einer von Bremers Lieblingsschuhen: „Der Hacken ist unter der Schuhspitze.“ Schmuggler hätten den Schuh früher an der holländischen Grenze benutzt. „Wenn die Zöller die Fußspuren in der Erde oder im Schnee sahen, dachten sie, die Schmuggler sind schon längst auf dem Heimweg und verfolgten sie nicht weiter. Dabei liefen die Schmuggler erst hin.“

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