Lieferengpässe und Materialmangel

Bauen wird immer teurer – langes Warten auf Rohstoffe und Handwerker

Die Rohstoff-Preise schnellen in die Höhe, Lieferengpässe machen Baumaterialien derzeit zur Gold-Ware. Die Corona-Pandemie macht das Bauen schwer.

Hannover – Der Bau eines Eigenheims kann derzeit zur Zerreißprobe werden. Langes Warten auf Baumaterialien und teure Preise erschweren derzeit das Handwerk an fast allen stellen. Darauf machen Experten vom Baugewerbe-Verband Niedersachsen (BVN) aufmerksam. Das drücke die Margen bei vertraglich bereits fixierten Objekten, wie ein BVN Sprecher mitteilte. Zu den Gründen für diese Situation gehöre vor allem die Corona-Pandemie. Wer den Handwerker bestellt, muss sich in vielen Fällen gedulden.

VerbandBaugewerbe-Verband Niedersachsen (BVN)
AdresseBaumschulenallee 12, 30625 Hannover
Bezirke8
PräsidentDipl.-Ing. Christian Staub

Der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, Hans Peter Wollseifer, sagte: „Nicht nur Holz ist derzeit knapp und teurer, sondern alles, was man braucht, um ein Haus zu bauen oder zu renovieren und vieles mehr. Auch elektronische Teile für unsere Elektroniker und Kabel und all das fehlt. Das macht unseren Betrieben in diesen Bereichen im Moment ganz schwer zu schaffen.“ Insbesondere der Bau- und Ausbaubereich sei von der Materialknappheit betroffen.

Handwerks-Präsident: „Betriebe tun ihr Bestes“

Doch Wollseifer versucht Kundinnen und Kunden etwas Mut zu machen: „Unsere Betriebe tun da gerade ihr Bestes, damit sich das nicht oder nur in Maßen auf Kundenseite auswirkt.“ Im Gesamthandwerk liege die durchschnittliche Auftragsreichweite derzeit bei 8,8 Wochen. Zudem würden die Preise für die Materialien immer teurer werden.

Der Bau eines Hauses dauert derzeit oft länger und ist teurer als geplant.

Materialpreise teilweise dreimal so hoch

Das genaue Ausmaß lasse sich derzeit nicht bestimmen: „Aber wir haben bei den verschiedenen Materialien in den letzten drei bis fünf Monaten Materialteuerungen von 20 bis 30 Prozent gehabt – bis hin zur Verdreifachung des Materialpreises bei einzelnen Gütern“, so Wollseifer.

Besonders Holz war in den vergangenen Monaten eine Mangelware. Die Situation bezeichnet er als „absurd“: „Unsere Betriebe haben volle Auftragsbücher, aber es lohnt sich in vielen Bereichen angesichts der derzeitigen Einkaufspreise für Material gar nicht, die Aufträge auszuführen. Denn die Betriebe wissen, dass sie dann ein Minus machen.“

Corona-Pandemie als Auslöser für Handwerks-Krise

Experten machen die Corona-Pandemie für diese Situation verantwortlich. Doch auch andere Gründe würden eine Rolle spielen. So lasse sich wegen des zunehmenden Angebots von Home-Office eine vermehrte Nachfrage nach Wohnraum und Bauleistungen feststellen. Dazu komme das anhaltende niedrige Zinsniveau und teurer werdende Preise in Ballungsgebieten.

VerbandZentralverband des Deutschen Handwerks
PräsidentHans Peter Wollseifer
SitzBerlin
Gründung1949

Aufgrund der Situation ergebe sich laut BVN in vielen Fällen Stress auf der Baustelle. Der Verband schreibt: „Das führt zu einem erhöhten Kommunikationsbedarf zwischen Bauherren und den bauausführenden Unternehmen, um die entstehenden Mehrkosten gegebenenfalls an den Bauherren anteilig weitergeben zu können.“

Verbraucherzentrale: Risiko nicht auf Kunden übertragen

Kürzlich hatte die Verbraucherzentrale Niedersachsen noch darauf hingewiesen, dass Händler nachträgliche Preiserhöhungen nicht ohne Weiteres veranlassen dürften: „Anbieter dürfen das Risiko steigender Materialkosten nicht einfach an Kundinnen und Kunden weitergeben“, so eine Rechtsexpertin von der Verbraucherzentrale.

„Anbieter dürfen das Risiko steigender Materialkosten nicht einfach an Kundinnen und Kunden weitergeben.“

 Verbraucherzentrale Niedersachsen

Handwerk stellt Forderungen an die Regierung

Die Produktionskapazitäten würden zwar wieder aufgebaut werden, jedoch dauere das seine Zeit. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks habe Gespräche mit der Bundesregierung geführt. Dabei hätte der Zentralverband gefordert, dass bei öffentlichen Vergaben keine Preisgleitklauseln enthalten sein sollen, damit bei öffentlichen Aufträgen die vom Betrieb nicht zu vertretenden erhöhten Kosten entsprechend weitergegeben werden können.

Holz ist momentan Mangelware auf dem Markt.

Zudem dürfe es laut des Verbandes keine Vertragssanktionen geben, wenn Terminverzögerungen entstehen würden, weil bestimmte Produkte nicht verfügbar seien. Bei jetzt laufenden Verträgen werde außerdem ein gewisser Spielraum dafür benötigt, dass Preissteigerungen, die vorab nicht absehbar waren, zwischen Handwerksunternehmen und etwa Kommunen aufgefangen werden.

Hohe Nachfrage in China und USA

Auch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag hatte die Rohstoffknappheit als ein großes Problem bezeichnet. „Durch die Konjunkturprogramme in den Vereinigten Staaten und in China gibt es eine große Nachfrage, die bei vielen Rohstoffen zu erheblichen Preissteigerungen und einer Verknappung geführt hat“, hatte DIHK-Präsident Peter Adrian gesagt. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © dpa/Jens Büttner

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